Das ist ein Mensch wert
Carl Krauch (1887-1968) hatte sofort begonnen, die Arbeitskräfte für den Bau von I.G. Auschwitz zu beschaffen. Er veranlasste Hermann Göring (1893-1946) im Februar 1941 zu einem Brief an Heinrich Himmler (1900-1945), die größtmögliche Zahl von Bauarbeitern aus dem angrenzenden Konzentrationslager für die Buna-Anlage abzustellen. Es würden täglich acht- bis zwölftausend Bau- und Montagearbeiter benötigt.
Die I.G. Farben einigte sich mit der SS (Schutzstaffel) darauf, pro Tag durchschnittlich 5,30 RM (Reichsmark) für einen gelernten Arbeiter zu bezahlen. Bei dieser Festlegung ging man davon aus, dass ein Gefangener nicht die gleiche Arbeitskraft haben würde wie ein normal ernährter deutscher Arbeiter. Man rechnete mit nicht mehr als einer 75%igen Arbeitsleistung. Aber nicht nur Häftlinge sollten auf dem Bau dieser Buna-Anlage arbeiten.
Wir arbeiteten auch für die I.G. Farben, die etwa 40.000 Zivilisten, Polen, Ukrainer, Franzosen usw., 10.000 Lagerhäftlinge und 400 bis 500 englische Kriegsgefangene beschäftigte.
~ Bericht eines ehemaligen Auschwitz-Insassen
Im Sommer 1942 entschied sich die I.G. für ein eigenes Konzentrationslager. Durch den Wegfall der langen Märsche von und zum Hauptlager würde die Arbeitskraft der bereits entkräfteten Häftlinge geschont und die Bewachung vereinfacht werden. Bestrafungen und Disziplinierungen könnten wirkungsvoller durchgeführt werden. Auch die Kostensenkung war von nicht geringer Bedeutung.
Der Standort, den man für das I.G.-Konzentrationslager wählte, hieß Monowitz. Die I.G. war für Unterbringung, Verpflegung und Gesunderhaltung der Häftlinge verantwortlich, die SS übernahm Bewachung, Bestrafung und Nachschub der Häftlinge.
Monowitz wurde noch im Sommer 1942 fertiggestellt. Obwohl es der I.G. gehörte, besaß es alle Einrichtungen eines typischen Nazi-Konzentrationslagers: Wachtürme mit Scheinwerfern, Sirenen, Maschinengewehren, bewaffneten Wachen und scharfen Wachhunden.
Das gesamte Lager war mit Stacheldraht umzogen. Und man hatte einen Galgen errichtet, an dem oft ein oder zwei Toten hingen, um den Lagerinsassen ein abschreckendes Beispiel zu geben. Über dem Eingang hatte man das Auschwitz-Motto "Arbeit macht frei" angebracht.
Kalkulation der SS über den Verleih von Häftlingen an die Industrie
Täglicher Verleihlohn durchschnittlich = RM 6,-
abzügl. Bekleidung RM 0,10
abzügl. Ernährung RM 0,60 | RM 0,70 = RM 5,30
durchschnittliche Lebensdauer 9 Monate = 270 x RM 5,30 = RM 1431,-
Erlös aus rationeller Verwertung der Leichen
1. Zahngold
2. Kleidung
3. Wertsachen
4. Geld
abzüglich verbrennungskosten RM 2,-
durchschnittlicher Nettogewinn = RM 200,-
Gesamtgewinn nach 9 Monaten = RM 1631,-
zuzüglich Erlös aus Knochen und Ascheverwertung