The Corporation on Trial
On 27 August 1947, 24 senior executives of I.G. Farben stood trial at the Nuremberg War Crimes Trials. The trial concluded after 152 days of proceedings [on 30 July 1948].
The verdict exceeded the prosecutors’ worst fears. The managers were acquitted of all charges relating to the planning, preparation and execution of the Second World War. Furthermore, according to the court’s ruling, they bore no complicity in the mass murder, the supply of the poison gas used for this purpose, or the criminal experiments on humans.
Only the use of prisoners of war and concentration camp inmates at Auschwitz and the looting of chemical plants in Poland and Norway were deemed punishable in the eyes of the court.
Thirteen defendants were sentenced to terms of between 1.5 and 8 years – and released from custody after a short time.
Most of them subsequently continued their ‘illustrious’[1] careers in the Federal Republic – at the helm of major companies or on supervisory boards.
From our American perspective, such a trial against the industrialists offers very little benefit; the risk we run in pursuing it, on the other hand, could be immense. I fear that a protracted public attack on private industry – and that is what would result in the course of the trial – might discourage the industrial cartels from continuing to cooperate with our government on the rearmament measures that must be taken in the interests of our future defence.
~ the American prosecutor Robert Jackson [1892–1954]
The reluctance to bring German industrialists to trial was due not least to the fact that many ties between German and American firms had existed, in some cases since the 1920s. Moreover, the new Cold War against the Soviet Union and the ‘Eastern Bloc’ had long since begun.
We should fear the Russians. It would not surprise me if they stormed the courtroom before we have finished here.
~ Judge James Morris
Notes
[1] Polemic.
References
The references are taken from the accompanying booklet/reader on which the texts of the posters are based.
German Version:
Der Konzern vor Gericht
Am 27.8.1947 standen 24 leitende Mitarbeiter der I.G. Farben vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess. Dieser endete nach 152 Verhandlungstagen [am 30. Juli 1948].
Das Urteil übertraf die schlimmsten Befürchtungen der Ankläger. Die Manager wurden von allen Anklagepunkten freigesprochen, die Planung, Vorbereitung und Durchführung des 2. Weltkriegs betrafen. Auch trugen sie laut Richterspruch keine Mitschuld am Massenmord und an der Lieferung des dazu verwendeten Giftgases sowie an verbrecherischen Experimenten an Menschen.
Einzig die Verwendung von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen [KZ = Konzentrationslager] in Auschwitz und die Plünderung von Chemiewerken in Polen und Norwegen waren in den Augen des Gerichts strafbar.
13 Angeklagte wurden zu Strafen zwischen 1,5 und 8 Jahren verurteilt - und nach kurzer Zeit aus der Haft entlassen.
Die meisten von ihnen setzten ihre "glänzenden" [Polemik] Karrieren danach in der Bundesrepublik fort - an der Spitze großer Unternehmen oder in Aufsichtsräten.
Von unserem amerikanischen Standpunkt aus bringt ein solcher Prozess gegen die Industriellen nur sehr wenig Nutzen; das Risiko hingegen, das wir mit ihm laufen, kann ungeheuer groß werden. Ich hege die Befürchtung, dass eine sich über lange Zeit erstreckende öffentliche Attacke gegen die Privatindustrie - und zu einer solchen würde es im Laufe des Prozesses kommen - den Industriekartellen den Mut nehmen könnte, weiterhin mit unserer Regierung im Rahmen der Rüstungsmaßnahmen die im Interesse unserer zukünftigen Verteidigung getroffen werden müssen, zusammenzuarbeiten.
~ der amerikanische Ankläger Robert Jackson [1892-1954]
Die mangelnde Bereitschaft, deutsche Industrielle vor Gericht zu stellen, lag nicht zuletzt daran, dass zum Teil schon seit den 20er Jahren viele Beziehungen zwischen deutschen und amerikanischen Firmen bestanden. Zudem hatte der neue, der kalte Krieg gegen die Sowjetunion und den "Ostblock" längst begonnen.
Wir sollten uns vor den Russen fürchten. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie den Gerichtssaal überrennen, bevor wir hier fertig sind.
~ Richter James Morris