Man/one wants more profit[1]
The chemist Carl Duisberg [1861–1935] was Chief Executive Officer at BAYER [Bayer AG] when he travelled to the USA in 1903. There he saw how successfully huge corporate mergers[2] could operate despite an ‘antitrust law’ [the Sherman Antitrust Act of 1890]. In a ‘memorandum’ [1895], he raised the question of whether an association would not also be appropriate for the chemical industry in Germany.
At the beginning of the 20th century, the German chemical industry dominated the world market. This monopoly naturally drove manufacturers to engage in fierce battles for greater market share. Price-cutting, the stalling of patent proceedings, favouritism and bribery – in short, all forms of unfair competition – were the order of the day; the consequences were a decline in profits and a slowdown in growth.
With this in mind, representatives of the ‘Big Six’ [meaning BASF (Badische Anilin- und Sodafabrik), BAYER (Bayer AG) and HOECHST (Farbwerke Hoechst AG), AGFA (Aktiengesellschaft für Anilin-Fabrikation), CASELLA (Casella Farbwerke Mainkur) and KALLE (Chemische Fabrik Kalle & Co)] increasingly favoured Duisberg’s idea of forming a “consortium”. [Borkin1979]
Initially, in 1904, BAYER, BASF and AGFA formed an alliance, similar to those that already existed in this loose form in other industrial sectors. Shortly afterwards, also in 1904, HOECHST and CASELLA formed a ‘duopoly’ based on mutual capital ties, which was expanded in 1907 to include KALLE, creating a tripartite alliance. [Furthermore, in the autumn of 1904, the Indigo Convention was concluded as a loose arrangement between the two existing two-party alliances, thereby bringing an end to the rapid price declines of previous years in favour of more gradual price reductions.][Tammen1978]
In August 1916, Dreibund and Dreierverband finally merged with Chemische Fabrik vorm. [formerly] Weiler-ter Meer to form the “Association of German Tar Paint Manufacturers”, initially established for a period of 50 years. In 1917, Chemische Fabrik Griesheim-Elektron joined the association. The “small IG” was born.
This consolidation enabled individual companies to undertake large-scale projects that they would have found difficult to manage on their own. BAYER, for instance, began work on rubber synthesis, which only came to realise its true economic significance years later, in the wake of the Nazis’ autarky policy.[Schneckenburger1988] [However, the leading proponent of a corporate policy focused on large-scale projects was BASF.]
Notes
[1] This appears to be an indirect reference to gender roles. See also the previous poster.
[2] Above all, the Rockefeller-owned Standard Oil.
References
The references are taken from the accompanying booklet/reader on which the texts of the posters are based.
[Borkin1979] Joseph Borkin, Die unheilige Allianz der I.G: Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich, Frankfurt/Main, New York, Campus Verlag, 1979, Band 1030, ISBN: 3-593-34251-0, Reihe Campus, S. 10.
[Tammen1978] Helmuth Tammen, Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik, Berlin, Helmuth Tammen, 1978, S. 11.
[Schneckenburger1988] Arthur Schneckenburger, Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens, Köln, Pahl-Rugenstein, 1988, ISBN: 3-7609-5242-9, S. 19.
Man[n] will mehr Profit
[Hier wird offenbar indirekt auf Geschlechterrollen verwiesen. Siehe dazu auch das vorherige Plakat.]
Der Chemiker Carl Duisberg [1861 - 1935] war Generaldirektor bei BAYER [Bayer AG] als er 1903 in die USA reiste. Dort sah er, wie erfolgreich riesige Konzernzusammenschlüsse [vor allem der Rockefeller-Konzern Standard Oil] trotz eines "Anti-Trust-Gesetzes" [Sheman-Antritrust-Gesetz von 1890] agieren konnten. In einer "Denkschrift" [1895] stellte er die Frage, ob nicht auch für die chemische Industrie in Deutschland eine Vereinigung zweckgemäß wäre.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beherrschte die deutsche Chemie den Weltmarkt. Diese Monopolstellung trieb die Hersteller natürlich zu erbitterten Kämpfen um größere Marktanteile. Preisbruch, Verschleppung von Patentverfahren, Begünstigung und Bestechung - kurz: alle Formen unlauteren Wettbewerbs - waren an der Tagesordnung; Ertragsverluste und verlangsamtes Wachstum die Folgen.
Unter diesem Eindruck neigten Vertreter der "großen Sechs" [gemeint sind damit BASF (Badische Anilin- und Sodafabrik), BAYER (Bayer AG) und HOECHST (Farbwerke Hoechst AG), AGFA (Aktiengesellschaft für Anilin-Fabrikation), CASELLA (Casella Farbwerke Mainkur) und KALLE (Chemische Fabrik Kalle & Co)] der Idee Duisbergs zur Bildung einer "Interessengemeinschaft" mehr und mehr zu.[Borkin1979]
Zunächst gründeten [1904] BAYER, die BASF und AGFA eine Gemeinschaft, wie sie in dieser lockeren Form auch schon in anderen Industriezweigen bestand. Kurz danach [ebenfalls 1904] bildete HOECHST mit CASELLA bei gegenseitiger Kapitalverflechtung einen "Zweibund", der 1907 mit KALLE zum Dreierverband erweitert wurde. [Zudem wurde im Herbst 1904 zwischen den beiden bestehenden Zweierbünden die Indigo-Konvention als lose Beziehung geschlossen, womit der rapide Preisverfall früherer Jahre zugunsten langsameren Preissenkungen verschwand.][Tammen1978]
Im August 1916 schlossen sich schließlich Dreibund und Dreierverband mit der Chemischen Fabrik vorm. [vormals] Weiler-ter Meer zu einer zunächst auf 50 Jahre angelegten "Interessengemeinschaft der deutschen Teerfarbenfabriken" zusammen. 1917 kam noch die Chemische Fabrik Griesheim-Elektron hinzu. Die "kleine IG" war geboren.
Die Konzentration ermöglichte den einzelnen Unternehmen die Inangriffnahme großer Projekte, die sie allein schwerlich hätten lösen können. So begann BAYER mit der Kautschuksynthese, die ihre wahre wirtschaftliche Bedeutung Jahre später, im Zuge der Autarkie-Politik der Nazis erhielt.[Schneckenburger1988] [Hauptexponent einer an Großprojekten orientierten Unternehmenspolitik war jedoch die BASF.]
Verwendete Literatur
Die Literaturverweise sind dem Begleitheft/Reader entnommen, auf dem die Texte der Plakate beruhen.
[Borkin1979] Joseph Borkin, Die unheilige Allianz der I.G: Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich, Frankfurt/Main, New York, Campus Verlag, 1979, Band 1030, ISBN: 3-593-34251-0, Reihe Campus, S. 10.
[Tammen1978] Helmuth Tammen, Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik, Berlin, Helmuth Tammen, 1978, S. 11.
[Schneckenburger1988] Arthur Schneckenburger, Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens, Köln, Pahl-Rugenstein, 1988, ISBN: 3-7609-5242-9, S. 19.
Texte aus dem Begleitheft/Reader
"[Eine amerikanische Form der wirtschaftlichen Konzentration ist] der richtige Weg zur Beseitigung des gegenwärtigen ruinösen Konkurrenzkampfes der deutschen Teerfarbenfabriken. [Es stellt sich die Frage,] ob die Verhältnisse in der chemischen Industrie Deutschlands und speziell in der Farbenindustrie nicht auch derartige sind, dass eine Vereinigung der verschiedenen Farbenfabriken nicht nur zweckmäßig ist, sondern auch im Lauf der Zeit erfolgen muss. [Auf der Suche] nach einem Weg, um die Schäden der Konkurrenz zu beseitigen ohne ihre Vorteile [zu] verlieren. [...] Es kann nicht ausbleiben, dass in einer solchen mächtigen Kapitalgesellschaft ein kleiner Staat im Staate entsteht, den die Gesetzgeber hassen, weil er sich nicht leicht unterordnen lässt, und den das Publikum fürchtet, weil die Preise eventuell gesteigert, der Nutzen vergrößert und damit der Neid und die Missgunst aller nicht beteiligten und nicht interessierten Menschen hervorgerufen werden. [...] Das allerschlimmste aber, was einer solchen großen, die Konkurrenz beseitigenden Vereinigung passieren kann, ist das Großziehen neuer Konkurrenten, die zu oft nur zum Scheine errichtet werden, um sich dann später durch Auszahlung großer Abfindungssummen aufkaufen zu lassen."
Carl Duisberg in seiner Denkschrift aus Arthur Schneckenburger, Die Geschichte des I.G. Farben Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens, Köln, Pahl-Rugenstein, 1988, ISBN 3-7609-5242-9, S. 18 ff.