Eine Frau sagt Nein
Nach dem "erfolgreichen" Giftgas-Angriff von Ypres (Zweite Flandernschlacht, 22. April bis 25. Mai 1915) bereitete Fritz Haber (deutscher Chemiker, 1868 - 1934) Versuche an der Ostfront vor. Seine Frau Clara (geb. Immerwahr, 1870 - 1915), selbst promovierte Chemikerin (und damit eine der ersten Frauen in Deutschland, denen es erlaubt wurde, zu promovieren), bat ihn, das Projekt abzubrechen. Giftgas sei eine Perversion der Wissenschaft und sein Einsatz eine Barbarei.
Wie schon zuvor ihre Bitten, alle Tierversuche mit Gas zu beenden, lehnte Fritz Haber auch dies mit der Begründung ab, als Patriot sei es seine Pflicht, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Deutschland zu helfen.
Der Wissenschaftler dient im Frieden der Menschheit - im Krieg dem Vaterland
~ Fritz Haber. Und so oder so ähnlich haben zahlreiche Forscher sich zu rechtfertigen gesucht. Aber es gab auch andere.
Wir Chemiker [haben] in Zukunft die Verpflichtung [...] auf die Gefahren der modernen Technik aufmerksam zu machen.
~ Hermann Staudinger (deutscher Chemiker, 1881 - 1965) in einer Denkschrift vom Frieden aus dem Exil an Haber. Der wirft ihm daraufhin vor, Deutschland in der größten Not in den Rücken gefallen zu sein.
Als Fritz Haber zu weiteren Giftgas-Versuchen an die Ostfront aufbrechen will, erschießt sich Clara Immerwahr-Haber im Garten ihres Berliner Hauses mit seiner Dienstpistole.
Das ganze "patriotische" Engagement Fritz Habers ist schon bald nichts mehr wert. Trotz einzelner Proteste wird er 1934 von den Nazis gezwungen, seinen Lehrstuhl an der Berliner Universität aufzugeben. Haber ist Jude. Er verlässt Deutschland und stirbt kurz danach in Basel.