Alles auf Anfang
Im Ergebnis des Potsdamer Abkommens (vom 2. August 1945) hatten die Aliierten festgelegt, die I.G. Farben in 50 kleine EInheiten aufzuteilen. Im November wurde ein deutsches Expertenteam von sehcs führenden Industriellen und Bankiers eingesetzt, das bei der "Entflechtung" helfen sollte.
Sie schlugen vor, den Konzern in 22 Einheiten aufzuteilen und 3 Kerngesellschaften zu bilden, damit die Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Markt gewärhleistet bliebe.
Ende 1951 waren die deutschen "Entflechter" schließlich am Ziel ihrer Wünsche: Die "Farbenwerke Höchst AG" (Hoechst), die "Farbenfabriken Bayer AG" (Bayer) und die "Badische Anilin- und Sodafabrik AG" (BASF) waren neu geründet; ein halbes Jahr später 9 weitere kleinere Konzerne. Die meisten davon wurden dann schnell zwischen den drei Großen aufgeteilt. Als im Frühjahr 1953 der Abschluss der I.G. Farben-Entflechtung verkündet wurde, gab es unter den 9 kleineren gesellschaften nur noch zwei, nämlich "Chemische Werke Hüls GmbH" und "Casella Farbwerke AG", die unabhängig waren. Kurze Zeit später ging Casella und 28 % der Aktien der Chemischen Werke Hüls in den Besitz von Bayer über. Aber es gab auch nch die "I.G. Farben AG in Liquidation".
Als am 25. Mai 1955 die 1. Hauptversammlung der I.G. Farben nach dem Krieg abgehalten wurde, konnte Bilanz gezogen werden über die Entwicklung der zurückliegenden 10 Jahre:
Etwas mehr als die Hälfte des einstigen I.G. Farben-Besitzes lag in der DDR. Es bestand deshalb keine Zugriffsmöglichkeit auf diesen Teil des Vermögens. Es bleib den Reorganisatoren nichts anderes übrig als "Abwesenheitspflegschaften" einzurichten und auf die Vereinigung zu warten.
Vom Westbesitz mussten weniger als 10 % verkauft werden. Durch Ausstattung der Nachfolgekonzerne mit ausreichend Stammkapital waren über 90 % des Vermögens in den Nachfolgegesellschaften angelegt und damit wieder in den Händen der Gründerfirmen.
Ein kleiner Teil des Vermögens war noch im Besitz der alten I.G. Dieser diente als Startkapital, der sich "I.G. Farben AG in Liquidation" nannte und sich zur Aufgabe gestellt hat, das Auslandsvermögen, das nach Kriegsende beschalgnahmt wurde, wieder in Besitz zubringen.
Die Aktionäre waren vollauf zufrieden. In der größten Wertpapiertransaktion in Deutschland wurden ihre Anteile an der alten I.G. in entsprechende Aktion der Nachfolgegesellschaften umgewandelt. Daneben wurde sogenannte "Liquidationsanteilscheine", d.h. Aktien an der Restmasse der alten I.G. ausgegeben. Die Aktionäre der Nachfolgegesellschaften sind somit identisch mit den Aktionären der alten I.G.