"Endlösung" mit Gas
Wesentlich erfolgreicher als der Auschwitzer Betrieb - hier wurde nur eine kleine Menge Öl und überhaupt kein Buna (synthetischer Gummi) produziert - verlief der Verkauf des Insektizids "Zyklon B" - mit einem Stabilisator versetzte, in Kieselgut gebundene Blausäure - hergestellt von der "Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung" (Degesch), die zu großen Teilen der I.G. Farben gehörte.
Rudolf Höß (1901-1947), Lagerkommandant von Auschwitz (dem dortigen Konzentrationslager und Vernichtungslager Auschwitz/Birkenau), hatte im Juni 1941 den Auftrag erhalten, die vernichtung der Juden einzueliten. Weil das zunächst benutzte Kohlenmonoxid in den Gaskammern nicht schnell genug wirkte, kaufte er bei Degesch größere Mengen Zyklon B.
Später rechnete er nach, dass "mindestens 10.000 Büchsen, das heißt, 10.000 Kilo im Verlauf von 3 Jahren von ihr [Degesch] geliefert wurden", was der Zahl von "2,1 Millionen vergaster Menschen und [dem] Verbrauch von durchschnittlich 6 Büchsen für 1.500 Menschen" entsprach.
Als im Rahmen der "Endlösung" immer mehr Juden auf die Tötungslisten der SS (Schutzstaffel) kamen, erreichten die Profite der Degesch einen Höhepunkt. In den Jahren 1942 bis 1944 erzielte die I.G. aus ihren Einlagen der Degesch den doppelten Dividiendenertrag der Jahre 1940/41.
Zyklon B als Schädlingsbekämpfungsmittel mußte, gesetzlich verordnet, einen Geruchsstoff enthalten, der die Menschen vor dem Gas warnte.
Als die SS Zyklon B ohne Duftstoff forderte, weigerte sich die Geschäftsleitung der Degesch zunächst - allerdings nicht aus moralischen Gründen. Das Zyklon-B-Patent war schon lange abgelaufen und die Degesch hielt ihr Monopol nur noch durch ein Patent auf den Warngeruch. Schließlich ließ sie den Warngeruch entfernen.