Morgen die ganze Welt
Die Schaffung der I.G. (Interessengemeinschaft Farben) ermöglichte es, die gesamten wissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Tätigkeiten der vormaligen Einzelfirmen zu ordnen. Dies erreichte man durch eine sowohl räumliche als auch fachliche Gliederung.
Innerhalb der einzelnen Betriebsgemeinschaften bestand eine zentrale Verwaltung, gemeinsames Transportwesen und Vorratshaltung, getreu Carl Duisbergs (1861 - 1935) Postulat der "dezentralen Zentralisation". Dies bedeutete, dass die ca. 50 I.G:-Betriebe weitestgehend Selbstständigkeit behielten, die u.a. in eigenen Forschungslabors und eigener Buchhaltung bestand.
Neben dieser regionalen Gliederung gab es einen vertikalen Aufbau der Verkaufsgemeinschaften und der produktionstechnischen Sparten. 1929 wurden auch die technischen Produktionsgruppen zu drei Sparten zusammengefasst, die Fragen der Fertigung und Investition regeln sollten. Dies waren die Sparte I - Stickstoff, Öle und Gruben mit Carl Krauch (1887 - 1968) als Leiter, die Sparte II - Farben, Chemikalien und Pharmazeutika mit Fritz ter Meer (1884 - 1967) an der Spitze sowie die Sparte III - Kunstseide, Zellwolle und Photographika mit dem Leiter Fritz Gajewski (1885 - 1965).
Die Interessen der I.G. Farben waren von Anfang an international ausgerichtet. Besaß der Konzern nach seiner Gründung "nur" 75 ausländische Betriebe, sollten es am Ende des Krieges, also nur 18 Jahre später, 500 Betriebe und Beteiligungen in 93 Ländern. Hierbei lag die Hauptzahl der Firmen zwar in Europa - davon 14 sogar im feindlichen England - jedoch war die I.G. auf jedem Kontinent massiv vertreten.
So gab es in Afrika 22 Betriebe, 4 davon in Ägypten, in Asien 43, davon 11 in Japan und 7 in China, in Australien 2, in Lateinamerika sogar 117, wovon 16 in Brasilien, 13 in Kolumbien, 12 in Peru und 10 in Argentinien lagen, und auch in den USA bestanden 11 von der I.G. geleiteten Firmen. Selbst auf pazifischen Inseln besaß die I.G. 10 Werke.