Weg mit dem 8 Stunden Tag
Bedingt durch den Arbeitskräftemangel während des Krieges hatten sich die Chemie-ArbeiterInnen vor 1918 einige Verbesserungen ihrer Situation erkämpfen können. Nun bauten die meisten Betriebe ihre Belegschaften in etwa wieder auf den Vorkriegsstand ab und nahmen viele Verbesserungen schrittweise wieder zurück.
Um in einer Zeit wirtschaftliche Krise - und in der befand sich das Nachkriegs-Deutschland - die Profite so hoch wie nur möglich zu halten, wurden die Arbeitsbedingungen verschärft, wo es nur möglich erschien. Diese Politik war wahrscheinlich die Hauptursache für eine der größten industriellen Katastrophen der Geschichte - die Explosion von Oppau.
Am 21. September 1921 gab es im BASF-Werk (Badische Anilin- und Sodafabrik) in Oppau (heute: Stadtteil von Ludwigshafen am Rhein) eine gigantische Explosion. Vermutlich war ein Mischdünger aus Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat durch ein neues, billigeres, aber ungeeignetes Produktionsverfahren brisant geworden.
Um die steinharte Masse - insgesamt über 4000 Tonnen - trotzdem noch verkaufen zu können, sollte sie mit Sprengkapseln verladefähig gesprengt werden. Zudem wurden die mit dieser gefährlichen Arbeit beauftragten Sprengtechniker durch ein Leistungslohnprinzip unter Druck gesetzt und damit zur Missachtung von Sicherheitsvorschriften verleitet.
565 Menschen fanden innerhalb und außerhalb des Werkes den Tod, mehr als 2.000 wurden verletzt, über 7.000 obdachlos.
Auch danach ging die Beschneidung erkämpfter ArbeiterInnenrechte weiter. Am 3. März 1924 wurde mit der Abschaffung des Achtstundentages die letzte dieser Verbesserungen bei der BASF beseitigt und die Proteste dagegen mit Hilfe der französischen Besatzungsmacht niedergeschlagen.
Übrigens hatten die ebenfalls an den Friedensverhandlungen in Versailles teilnehmenden Gewerkschaftsführer u.a. die Idee einer Vergesellschaftung der Großindustrie. BASF-Chef Carl Bosch (1874 - 1940), der die neue Regierung in Wirtschaftsfragen vertrat, versprach den Gewerkschaftern statt dessen Verwaltungsratsmandate in einem neuen Syndikat der Stickstofferzeuger ...