Und druckt eigenes Geld
[Dieser Titel bezieht sich evtl. direkt auf den Titel des vorherigen Plakats, in diesem Sinne kann auch hier ein Verweis auf Geschlechterrollen vermutet werden.]
Die Lage der deutschen Chemieindustrie war nach dem 1. Weltkrieg zwar nicht besonders gut, aber weitaus günstiger als es die Industriellen befürchtet hatten. Die inneren Strukturen der I.G. waren durch die Siegermächte nicht angetastet worden. Auch die geplante Demontage der Farben- und Stickstoff-Fabriken hatte geschickt verhindert werden können.
Natürlich war die überragende Stellung zunächst verloren. Amerikaner und Briten besaßen die im Krieg beschlagnahmten Auslandspatente der deutschen Farbenfabriken und den Franzosen hatte man im Anschluss an den Versailler Vertrag [Friedensvertrag von Versailles, 28. Juni 1919] viele Produktionsgeheimnisse preisgeben müssen. Trotzdem bildete die deutsche Farbenindustrie immer noch ein entscheidendes Machtzentrum.
Da allerdings abzusehen war, dass die ausländische Konkurrenz weiter anwachsen würde, schlug Carl Duisberg [deutscher Chemiker, 1861 - 1935] 1923 vor, zumindest die im Ausland befindlichen Verkaufsagenturen der einzelnen I.G.-Mitglieder zu vereinigen. Carl Bosch [deutscher Chemiker, 1874 - 1940] wollte mehr; er arbeitete tatkräftig auf eine Fusion aller in der bisherigen "kleinen I.G." vertretenen Unternehmen hin. Aufgrund seiner starken Position setzte er sich schließlich durch.
Ein Jahr vor Ende des Krieges rollen [Ende April 1917] aus den Leunawerken [im heutigen] Sachsen-Anhalt [damals Provinz Sachsen im Königreich Preußen] erste Kesselwagen mit Ammoniak. Die Anlage zur Produktion dieses Ausgangsmaterials für Sprengstoffe war [wohl erst kurz vorher im April] 1917 fertig gestellt worden.
Bosch hatte durchgesetzt, dass ein neues Ammoniak- und Salpeterwerk in Mitteldeutschland errichtet werden sollte. Da eine frühzeitige Fertigstellung und eine größtmögliche Kapazität der Anlagen im allergrößten Interesse des Heeres lagen [Ammoniak dient u.a. zur Herstellung von Sprengstoffen und damit auch von Munition.], erwies sich Leuna für die BASF [Badische Anilin- und Sodafabrik] als eine wahre Goldgrube [Überspitzung/Polemik].
Das notwendige Land wurde unter Militärrecht durch ein Enteignungsverfahren von den umliegenden Bauern "beschafft" [Ähnlich wie auf Plakat 5 bei "patriotisches" werden hier die Anführungsstrichchen offenbar genutzt, um eine bestimmte Kontextualisierung zu erzeugen.] Die glaubten, in den Schützengräben von West- und Ostfront auch ihren persönlichen Besitz zu verteidigen [Polemik]. Sie bekamen schließlich für ihr Land ein Fünftel des tatsächlichen Wertes.
Die BASF zahlte die Reichskredite in Höhe von 432 Millionen Mark für Leuna im Hyperinflationsjahr 1923 zurück, als man für diese Summe nicht einmal mehr Brot bekam und dann druckten die BASF eigenes Geld, um bei der Schaffung stabiler Verhältnisse zu helfen.