Und wieder für den Krieg
Carl Albert Krauch (1887-1968), seit 1933 Vorstandsmitglied und verantwortlich für den Bereich Hochdruck-Chemie, sollte der Mann werden, der die I.G. Farben in den Mittelpunkt der Kriegsvorbereitungspläne führte. Und er war kein Mann, der die Entwicklungen dem Zufall überlassen wollte. Am 15. September 1933 (!) (Hinweis des Ausrufezeichens der Ersteller vermutlich aufgrund des frühen Zeitpunkts 6 Jahre vor Kriegsbeginn) entwickelte er einen Vierjahresplan zur Ausweitung der Produktion einheimischer Treibstoffe.
Dieser "Benzinpakt" garantierte der I.G. die gesamte Abnahme zu den Produktionskosten zzgl. (zuzüglich) einer 5%-igen Rendite. Die I.G. hatte im Jahr 1933 und Anfang 1934 rund 2 Mio. RM (Millionen Reichsmark) in die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) und Adolf Hitler (1889-1945) investiert - ohne den Benzin-Pakt hätte sie wegen verschiedener Fehlinvestitionen 300 Millionen abschreiben müssen.
Seit 1936 baute die I.G. in Schkopau nahe Leuna (in Sachsen-Anhalt) ein weitläufiges Buna-Werk (Buna ist ein Styrol-Butadien-Kautschuk, also ein synthetischer Gummi). Die Nazis (Nationalsozialisten) wollten unabhängig von Kautschuk-Importen sein.
Eine wehrwirtschaftliche Neuorganisation [wird verlangt], die den letzten Mann und die letzte Frau, die letzte Produktionseinrichtung und Maschine sowie den letzten Rohstoff der Erzeugung von kriegswichtigen Produkten zuführt und alle Arbeitskräfte, Produktionseinrichtungen und Rohstoffe in einem straff militärisch geführten wirtschaftliche Organismus eingliedert.
~ Denkschrift der I.G. im März 1934 an das Reichswehrministerium
Fast genau die gleichen Worte las man zwei Jahre später in dem von Hitler vorgelegten Vierjahresplan.
Wenn es uns nicht gelingt, in kürzester Frist die deutsche Wehrmacht in der Ausbildung, in der Fragestellung der Formationen, in der Ausrüstung und vor allem in der geistigen Erziehung zur ersten Armee der Welt zu entwickeln, wird Deutschland verloren sein! [...]
In diesem Sinne ist die deutsche Brennstofferzeugung nunmehr im schnellsten Tempo vorwärts zu treiben und binnen achtzehn Monaten (einen Monat nach Ablauf dieses Termins erfolgte der erste Einmarsch der Wehrmacht in ein anderes Land) zum restlosen Abschluß zu bringen. Die Aufgabe ist mit der selben Entschlossenheit wie die Führung eines Krieges anzufassen und durchzuführen; denn von ihrer Lösung hängt die kommende Kriegsführung ab und nicht von einer Bevorratung mit Benzin. [...]
Es ist ebenso augenblicklich die Massenfabrikation von synthetischem Gummi zu organisieren. Die Behauptung, daß die Verfahren vielleicht noch nicht gänzlich geklärt wären und ähnliche Ausflüchte haben von jetzt an zu schweigen. [...] Es ist vor allem nicht die Aufgabe staatlich-wirtschaftlicher Einrichtungen sich den Kopf über Produktionsmethoden zu zerbrechen. Dies geht das Wirtschaftsministerium gar nichts an. [...] Entweder wir besitzen heute eine Privatwirtschaft, dann ist es deren Aufgabe, [...] oder wir glauben, dass die Klärung der Produktionsmethoden Aufgabe des Staates sei, dann benötigen wir keine Privatwirtschaft mehr.
~ Aus dem "Vierjahresplan", von Hitler im August 1936 präsentiert.