Stellung und Bedeutung der deutschen chemischen Industrie

Bereits 1877 erreichte der deutsche Anteil die Hälfte der Welterzeugung an Farbstoffen. In der Folgezeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden praktisch alle wichtigen Farbstoffklassen von den deutschen Teerfabriken erfunden.[Meer1953-10]

Die Produktpalette der großen Firmen umfasste inzwischen nicht nur Farbstoffe, sondern auch organische und anorganische Grundchemikalien, photographische Erzeugnisse und Pharmazeutika. Antipyrin [Schmerz- und Fiebermittel, heute erhältlich als Phenazon] und Phenacetin [Schmerz- und Fiebermittel; keine Verwendung mehr, da nierenschädigend] waren die ersten von HOECHST und BAYER auf dem Markt gebrachten Pharmazeutika, denen sich Pyramidon [Schmerz- und Fiebermittel; keine Verwendung mehr, da blutzellschädigend], Aspirin [heute noch als Schmerzmittel genutzt], Veronal [Schlaf- und Beruhigungsmittel, keine Verwendung mehr, da toxisch bei zu hoher Dosierung], Luminal [Antiepileptikum, heute erhältlich als Phenobarbital], Salvarsan [Chemotherapeutikum gegen Syphilis, heute durch Penicillin ersetzt] und Suprarenin [Sympathikomimetikum, heute erhältlich als Epinephrin] anschlossen.[Meer1953-11]


Quellen

[Meer1953-10] Fritz ter Meer, Die I.G: Farbenindustrie Aktiengesellschaft; ihre Entstehung, Entwicklung und Bedeutung, Düsseldorf, Econ-Verlag, 2. Auflage, 1953, S. 10
[Meer1953-11] s.o., S. 11

Das Wachstum der chemischen Industrie

Tabelle nach BAYER-Berichte, Heft 5, 1963, S. 84 f.

FirmaJahrAnzahl der MitarbeiterFarbstoffprodution
BAYER186312 Arbeiter
1 kaufmännischer Angestellter
1 Lehrling
10 kg/Tag Fuchsin
186750 Mann90 - 230 kg/Tag Fuchsin
1874allein 65 Mann in der Alizarinfabrik3000 kg/Tag Alizarin
1877136 Arbeiter6000 kg/Tag Alizarin
1888rund 1000 Arbeiter 
1913320 Chemiker
60 Ingenieure
8077 Arbeiter
 
CASELLA1908110 Chemiker und Techniker
2200 Arbeiter
 
KALLE190462 Chemiker
75 kaufmännische Angestellte