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Lehrpreisträgerin Annika Böhle bei der Preisverleihung

Lehre im Fokus: Julius-Weisbach-Preisträgerin 2025 - Mitdenken fördern, Unsicherheiten ernst nehmen

Es klappt eigentlich immer, dass jemand schlauer rausgegangen ist, als er reingekommen ist.

Annika Böhle, M.Sc., wurde 2025 mit dem Julius-Weisbach-Preis für ihre Lehre in Übungen und Praktika der Physikalischen Chemie ausgezeichnet. Die Studierenden heben besonders hervor, dass sie komplexe Inhalte klar strukturiert vermittelt, unterschiedliche Wissensstände ernst nimmt und eine Lernumgebung schafft, in der aktives Mitdenken möglich ist und auch eingefordert wird. Wir haben ihr 3 Fragen zu ihrer Lehre stellen dürfen. 

1. Blick hinter die Lehre: Was war Ihre wichtigste Leitidee bei der Gestaltung Ihrer Lehre?

Ich überlege vorab, was die Studierenden an Vorwissen mitbringen könnten, und versuche dann in der Übung zu merken, ob sie wirklich folgen können. Mir ist wichtig, nicht einfach nur etwas vorzurechnen, sondern zu sehen, wo noch Unsicherheiten liegen und darauf einzugehen. Dabei versuche ich, die Anforderungen realistisch zu halten: Studierende haben neben einer einzelnen Übung oft viele andere Aufgaben. Deshalb ist mir ein ehrlicher Umgang damit wichtig, was vorbereitet wurde und wo noch Lücken sind. Gerade dort, wo ich einzelne Studierende intensiver unterstützt habe, hat sich aus meiner Sicht gezeigt, dass Geduld und gezielte Begleitung dazu beitragen können, dass sie sich im Laufe der Lehrveranstaltung stärker einbringen.

2. Praxis und Lernkurve: Gab es einen Moment, der Ihre Lehrpraxis verändert hat?

Ein wichtiger Moment war für mich direkt nach meiner ersten Übung. Zwei Studierende haben mir unabhängig voneinander zurückgemeldet, dass ich ihnen ruhig mehr zutrauen und sie stärker einbeziehen kann. Das hat mir gezeigt, dass ich nicht alles sofort vorgeben sollte. Seitdem frage ich gezielter nach und versuche, mehr Raum dafür zu lassen, dass die Studierenden selbst mitdenken.

3. Impulse für Kolleginnen und Kollegen: Was würden Sie Lehrenden empfehlen, die ihre Lehre weiterentwickeln möchten?#

Hilfreich ist, nach der Lehrveranstaltung kurz zu reflektieren: Was hat gut funktioniert, was nicht? Ebenso wertvoll ist es, die Studierenden konkret nach Feedback zu fragen und ihre Perspektive mitzudenken. Dazu gehört für mich auch, ihnen mit Empathie zu begegnen. Wer sich in einer Übung dauerhaft angespannt fühlt oder Angst hat, mitzukommen, lernt schlechter und verliert im schlimmsten Fall den Zugang zum Fach. Umso wichtiger ist eine Atmosphäre, in der Fragen gestellt werden können und Unsicherheiten nicht abschrecken. Gerade das macht Lehre für mich zu einem besonders erfüllenden Teil der Arbeit: Man sieht unmittelbar, dass Studierende mit neuem Verständnis aus der Veranstaltung herausgehen.

3 Impulse für Ihre Lehre: 

  • Vorwissen und Lücken früh erkennen
    Versuchen Sie schon zu Beginn oder im Verlauf der Veranstaltung herauszufinden, was Studierende bereits verstanden haben und wo noch Unsicherheiten bestehen.
  • Mitdenken einfordern, statt alles vorzurechnen
    Geben Sie nicht jeden Lösungsweg sofort komplett vor, sondern fragen Sie nach ersten Ideen und nächsten Schritten.
  • Aus Beobachtung und Feedback kleine Verbesserungen ableiten
    Nehmen Sie ernst, was Sie in der Veranstaltung wahrnehmen, und fragen Sie Studierende konkret, was ihnen geholfen hat und wo sie noch Hürden sehen.

Didaktische Perspektiven hinter Annika Böhles Lehre: