Gute Lehre verdient Sichtbarkeit. In unseren Interviews berichten Lehrpreisträgerinnen und Lehrpreisträger der TU Bergakademie Freiberg, was sie antreibt, wie sie ihre Lehre gestalten und welche Methoden sich in der Praxis bewährt haben. Am Ende jedes Interviews finden Sie konkrete Impulse für Ihre eigene Lehre und ein Blick auf die didaktischen Konzepte, die hinter dem Engagement und den Ideen der Interviewten stehen.
Lehre im Fokus: Julius-Weisbach-Preisträgerin 2025 - Konsequent Studierendenzentriert
Studierende sind für mich keine Zahlen, sondern zukünftige Fachkolleginnen und Fachkollegen.
Dr. Hripsime Gevorgyan hat von 2020 bis 2025 am Institut für Mineralogie und Institut für Geologie an der TU Bergakademie Freiberg unter anderem , Grundlagen der Geowissenschaften, Gesteinbestimmungen, Mikroskopie gesteinsbildender Minerale, Petrologie der Magmatite und Metamorphite und zusätzlich Vulkanologie gelehrt. Darüber hinaus war sie in die Organisation und Betreuung der Geländeausbildung der Studierenden eingebunden. In die Lehre ist sie mitten in der Coronazeit gestartet, mit einer klaren Leitfrage: „Wie hätte ich mir Lehre als Studentin gewünscht?“
Wir haben ihr 3 Fragen zu Ihrer Lehre stellen dürfen.
1. Blick hinter die Lehre: Was war Ihre Leitidee bei der Gestaltung Ihrer Lehrveranstaltungen?
Meine Leitidee ist: Die Studierenden sollen das, was sie hören, mit den Händen anfassen können. Wenn in der Vorlesung zum Beispiel Granite behandelt werden, legen wir im Praktikum echte Proben auf den Tisch und bestimmen sie gemeinsam. Ich frage nach jeder Veranstaltung kurz nach Feedback: Was war hilfreich, was hat gefehlt, wovon brauchen Sie mehr. Das nutze ich, um die nächste Übung anzupassen. Lehre entsteht nicht allein aus dem Skript, sondern im gemeinsamen Austausch mit den Studierenden. Dadurch entwickelt sich ein interaktiver Unterricht, der die aktive Beteiligung der Studierenden fördert.
2. Praxis und Lernkurve: Gab es einen Moment, in dem Sie Ihre Lehrpraxis deutlich verändert haben?
Der Start in der Coronazeit hat mir gezeigt, wie schnell Studierende sich allein fühlen können. Seitdem plane ich bewusst mehr Begleitung ein: zum Beispiel zusätzliche Übungen oder gemeinsame Labortermine. Ich sitze mit meinen Bachelor- und Masterstudierenden gemeinsam an den Messmaschinen, bis die Handgriffe sicher sitzen. Prüfungen sehe ich nicht als „Das kannst du alles nicht“, sondern als Moment, der zeigt, wie viel man noch lernen darf und was es noch alles zu entdecken gibt. Das nimmt Druck und schürt eher die Neugier.
3. Impulse für Kolleginnen und Kollegen: Was würden Sie Lehrenden empfehlen, die ihre Lehre weiterentwickeln möchten?
Ich forsche gern und motiviert. Aber hier an der Uni bin ich zuerst Lehrerin, dann Forschende. Ich unterscheide nicht zwischen guten und schlechten Studierenden. Alle bringen ihre Geschichte mit, und unser Auftrag ist es, ihnen eine faire Chance zu geben. Wichtig ist für mich, niemanden bloßzustellen, sondern ruhig zu erklären, zusätzliche Übungszeiten anzubieten und auch die persönliche Situation im Blick zu behalten. Studierende sind für mich keine Zahlen, sondern zukünftige Fachkolleginnen und Fachkollegen. Manchmal reicht ein ehrliches „Du kannst das“, um Studierende zu stärken.
Drei Impulse für Ihre Lehre
- Lehre aus Sicht der Studierenden denken und regelmäßig nach Feedback fragen.
- Prüfungen als Lernchance rahmen, nicht als Urteil über die Person.
- Studierende ernst nehmen und sensibel für ihre Lebensumstände sein.
Didaktische Perspektiven hinter Dr. Gevorgyans Lehre