Wie lassen sich marine Lebensräume kartieren, Gesteinsformationen untersuchen oder technische Geräte unter Wasser erproben? Vom 29. August bis 12. September 2026 wird die kroatische Adriaküste für Teilnehmende der TU Bergakademie Freiberg erneut zum interdisziplinären Forschungslabor.
Die jährlich stattfindende Exkursion des Scientific Diving Centers führt in diesem Jahr wieder nach Sveta Marina an der Ostküste der Halbinsel Istrien. Sie bildet den abschließenden Praxisteil der wissenschaftlichen Tauchausbildung an der TUBAF und verbindet die Arbeit unter Wasser mit wissenschaftlicher Planung, Datenauswertung und Dokumentation.
Das Angebot richtet sich nicht nur an Studierende eines bestimmten Studiengangs oder einer einzelnen Fakultät. Studierende verschiedener Fachrichtungen können teilnehmen, ihre jeweiligen Kenntnisse einbringen und die Ausbildung als Modul in ihr Studium integrieren.
Von der Forschungsfrage bis zum wissenschaftlichen Bericht
Während der zweiwöchigen Exkursion bearbeiten die Teilnehmenden eigene wissenschaftliche Fragestellungen. Sie planen die benötigten Tauchgänge, wählen geeignete Untersuchungsmethoden aus und führen Messungen, Kartierungen oder Probenahmen unter Wasser durch.
Anschließend werden die gewonnenen Daten ausgewertet und in einem wissenschaftlichen Bericht dokumentiert. Die Exkursion umfasst damit den gesamten Forschungsprozess – von der Entwicklung einer Fragestellung über die praktische Untersuchung bis zur Interpretation und Präsentation der Ergebnisse.
Die Arbeit unter Wasser stellt dabei besondere Anforderungen. Geräte, Probenbehälter und Dokumentationsmaterialien müssen vor jedem Tauchgang sorgfältig vorbereitet werden. Gleichzeitig sind eine klare Aufgabenverteilung, verlässliche Kommunikation und eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Tauchteams erforderlich.
Interdisziplinäre Forschung in der Adria
Die Themen der Exkursion spiegeln die fachliche Vielfalt der TU Bergakademie Freiberg wider. Geplant sind unter anderem:
- geologische Untersuchungen des Karstgebietes,
- die Kartierung und Analyse mariner Lebensräume,
- gewässerökologische Untersuchungen und Umweltmonitoring,
- wasserchemische Analysen,
- die Entwicklung und Erprobung technischer Geräte für den Unterwassereinsatz sowie
- die Erstellung dreidimensionaler Modelle mithilfe der Photogrammetrie.
Da das Scientific Diving Center die Region bereits seit vielen Jahren regelmäßig besucht, können aktuelle Beobachtungen mit früheren Messungen und Aufnahmen verglichen werden. Dadurch entsteht eine wertvolle Datengrundlage, um Veränderungen in den untersuchten Lebensräumen und Umweltbedingungen über längere Zeiträume zu erfassen.
Je nach Aufgabenstellung kommen unterschiedliche Messgeräte, Kamera- und Beleuchtungssysteme sowie Verfahren zur Probenahme zum Einsatz. Die Studierenden lernen dabei, wissenschaftliche Methoden an die besonderen Bedingungen unter Wasser anzupassen.
International anerkannte Qualifikation
Die Ausbildung zum Scientific Diver und Advanced Scientific Diver am Scientific Diving Center ist seit zwei Jahren ISO-zertifiziert. Das erworbene Zertifikat ist international gültig und wird nach Angaben des Scientific Diving Centers derzeit in dieser Form ausschließlich an der TU Bergakademie Freiberg angeboten.
Damit verbindet die Ausbildung wissenschaftliches Arbeiten mit einer international anerkannten Zusatzqualifikation. Die Teilnehmenden erwerben nicht nur praktische Taucherfahrung, sondern lernen auch, Forschungsaufgaben unter besonderen Bedingungen sicher, strukturiert und im Team umzusetzen.
Erfahrungsgemäß nehmen jährlich etwa sechs bis zehn Studierende sowie externe Teilnehmende an der Exkursion teil. Für sie wird die Adriaküste im September erneut zu einem Forschungsraum, in dem Geowissenschaften, Umweltforschung, Technik und Medizin unter der Wasseroberfläche zusammenkommen.