Unter dem Gedanken „Kunst als Ordnungsprinzip. Struktur – System – Synergie: Sammlung Dr. Josef Böhm“ startet heute (18.6.2026) eine neue Ausstellung der Reihe Kunst trifft Wissenschaft im Zentrum für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung (ZeHS). Zu sehen sind 35 Meisterwerke der konkreten und konstruktiven Kunst, die auf geometrischen Ordnungen und rationalen Prinzipien basieren.
„Innerhalb der architektonischen Strukturen des Forschungsbaus am Wissenschaftskorridor entfaltet sich ein spannender Dialog zwischen mathematischer Logik und ästhetischer Harmonie. Es ist eine Begegnung verschiedener Facetten unserer Welt, welche dieselbe Sprache sprechen: jene der Struktur und Präzision“, sagt der Wissenschaftliche Sprecher des ZeHS, Professor Dirk C. Meyer. „Als elementare Bausteine für visuelle Ordnungssysteme nutzen die Künstlerinnen und Künstler Linien, Flächen, Proportionen und Farben. Ein Quadrat ist hier keine Metapher, sondern eine mathematische Realität; eine Linie ist ein Vektor im Raum. Diese Reduktion auf das Wesentliche macht die strukturelle Qualität der Werke sichtbar und schafft einen spannenden Dialog mit der wissenschaftlichen Denkweise der Universität“, so Sammler Dr. Josef Böhm.
Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Forschungsbaus, werktags zwischen 9 und 17 Uhr, ohne Eintritt bis 30. Juni 2028 für Besucherinnen und Besucher zu sehen.
Freiberger Sammler der Konstruktiven Kunst
Die im 20. Jahrhundert aus der europäischen Avantgarde entstandene konstruktive Kunst suchte nach einer universellen Bildsprache. Über politische Grenzen und kulturelle Unterschiede hinweg fungierte die Geometrie als rationales Bindeglied. Besonders im mitteleuropäischen Raum entwickelten Künstler trotz unterschiedlicher politischer Systeme überraschend ähnliche Ansätze. Die Ausstellung macht deutlich, dass Geometrie hier nicht als starre Formel, sondern als dynamisches Mittel begriffen wird, um Ordnung, Rhythmus und Harmonie erfassbar zu machen. Es sind streng konstruierte Bildsysteme, die eine zeitlose, fast naturwissenschaftliche Klarheit ausstrahlen.
Hinter dieser klaren Ästhetik steht eine jahrzehntelange Sammeltradition, die eng mit der Region Freiberg verbunden ist. Dr. Josef Böhm, Neurologe und langjähriger Chefarzt in Freiberg, führte das Erbe seines Vaters fort und erweiterte es systematisch um den Schwerpunkt der geometrischen Abstraktion. Sein professioneller Blick als Mediziner für Strukturen und Funktionen spiegelt sich in der Auswahl der Werke wider: Die Sammlung fokussiert sich auf Künstler, deren Arbeiten sich intensiv mit konstruktiven Bildstrukturen und seriellen Kompositionsformen auseinandersetzen. Nach Stationen in internationalen Kunstzentren wie Berlin und Budapest kehrt ein Teil der Bilder nun an den Ort zurück, der für den Sammler Lebensmittelpunkt und Wirkungsstätte war. In der Umgebung der Bergakademie findet diese präzise Formensprache ihren idealen Kontext.
Ausgestellte Künstlerinnen und Künstler: Barna Benedek, László Zsolt Bordos, Hellmut Bruch, Aleksander Drakulic, Bruno Erdmann, Johannes Geccelli, Ingo Glass, Hans Jörg Glattfelder, Eugen Gomringer, Katalin Haász, Heijo Hangen, Rudolf Hurni, Gyöngyi Ujvárossy Kerekes, Matti Kujasalo, Josef Linschinger, Wiesław Luczaj, Waldemar Mattis-Teutsch, András Mengyán, Judith Nemes, Aleksander Józef Olszewski, Jan Pamuła, Lothar Quinte, Otto Reitsperger, Christian Roeckenschuss, Reinhard Roy, Klaus J. Schoen, Peter Somm, Rudolf Valenta.