Ein neuartiger Biosensor soll künftig die gesundheitsgefährdende Chemikalie Styrol zuverlässig und günstig nachweisen können. Forschende der TU Bergakademie Freiberg entwickeln einen Schnelltest, der perspektivisch sogar auf andere Schadstoffe angewendet werden kann.
Styrol ist ein wichtiger Ausgangsstoff in der chemischen Industrie und Teil vieler Alltagsprodukte. Er wird vor allem zur Herstellung von Kunststoffen wie zum Beispiel Polystyrol verwendet und findet so seinen Weg in zahlreiche Dämmstoffe oder Verpackungen. Das bekannteste Produkt ist expandiertes Polystyrol – geläufig unter dem Markennamen Styropor.
Allerdings ist Styrol nicht ungefährlich und der schnelle Nachweis der Chemikalie wichtig. Zwar gilt sie verarbeitet als gesundheitlich unbedenklich, in seiner Ausgangsform ist Styrol jedoch stark gesundheitsgefährdend. Die sehr flüchtige Flüssigkeit reichert sich über Atemwege schnell im Körper an und kann das zentrale Nervensystem oder die Schleimhäute schädigen. Zudem steht Styrol im Verdacht, krebserregend zu sein und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Da Styrol in großem Maße industriell eingesetzt wird, gelangt die Chemikalie nicht selten unbeabsichtigt auch in die Umwelt.
Schneller, günstiger und spezifischer als bisherige Nachweismethoden
Bisherige Analyseverfahren sind aufwändig, teuer oder zu unspezifisch. Im Projekt „Styrene BioSense“ wollen Forschende des Instituts für Biowissenschaften nun einen neuartigen Schnelltest entwickeln, der nicht nur besonders günstig und einfach in der Anwendung ist, sondern auch deutlich zuverlässiger.
„Unser Biosensor basiert auf genetisch veränderten Zellen eines harmlosen Bakteriums“, erklärt Dr. Michel Oelschlägel. „Diese Zellen sind in der Lage, sich bei Anwesenheit eines ausgewählten organischen Schadstoffes zu verfärben. Die Farbveränderung soll auch eine Schlussfolgerung auf die Schadstoffmenge erlauben.“ Der neue Schnelltest soll bis zu 20-mal kostengünstiger sein als bei bestehenden Verfahren. Das ist vor allem dann relevant, wenn viele Proben parallel untersucht werden sollen. Die möglichen Anwendungsfelder sind vielfältig: In der kunststoffverarbeitenden Industrie kann mit Hilfe des Tests unter anderem sichergestellt werden, dass die Produkte, aber auch Abfallstoffe oder die Abluft schadstofffrei sind. Gleiches gilt für die Baubranche, wo styrolhaltige Baustoffe zum Einsatz kommen. Behörden können den Biosensor beispielsweise im großen Stil für Umweltmonitoring und Schadstoffanalysen einsetzen.
Beim Nachweis von Styrol soll es nicht bleiben. Die Forschenden planen ein Baukastensystem, das es erlaubt, das Prinzip des Biosensors perspektivisch auch auf andere organische Schadstoffe oder Schwermetalle zu übertragen. Das birgt ein zusätzliches Markt- und Anwendungspotenzial – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Umweltauflagen, Arbeitsschutzrichtlinien und Recyclingstrategien weltweit an Bedeutung gewinnen.
Das Projekt wird von 02/2026 - 01/2028 durch die Dr. Erich-Krüger-Stiftung gefördert.
Arbeitsgruppe Mikrobiologie und Biohydrometallurgie
Dr. Michel Oelschlägel
Tel. +49 3731 31-2325
E-Mail: michel [dot] oelschlaegel [at] bio [dot] tu-freiberg [dot] de (michel[dot]oelschlaegel[at]bio[dot]tu-freiberg[dot]de)