Über der Region um Gottesberg ist noch diese Woche (bis voraussichtlich 12. September 2026) ein Hubschrauber der Bundesgesellschaft für Geowissenschaften und Rohstoffe unterwegs. Mit dem Hubschrauber und kilometerlangen, auf dem Boden verlegten Stromkabeln vermisst ein Team der TU Bergakademie Freiberg mit Projekt-Partnern den Untergrund im West-Erzgebirge. Ziel der Messungen ist ein möglichst genaues 3D-Modell der Zinn-Lagerstätten im Untergrund.
Bei den Flügen empfängt die am Hubschrauber angebrachte Sonde mit hochsensiblen Magnetfeldsensoren elektrische Signale leitfähiger Erz-Körper, die von auf dem Boden verlegten Stromkabeln angeregt werden. Die umweltschonende Erkundungsmethode wird Semi-Airborne-Elektromagnetik genannt. Sie wurde in Vorgängerprojekten von den Partnern entwickelt und schon in verschiedenen internationalen Explorationsgebieten im Harz, in Schweden, Spanien und Namibia erprobt. Nun wendet das Team die Weiterentwicklung erstmals im Erzgebirge an.
„Das Erzgebirge ist mit Bohrungen und geochemischen Daten punktuell schon gut erkundet, allerdings fehlt es an dreidimensionalen Modellen besonders für große Tiefen. Die können indirekt über die Verteilung von Leitfähigkeiten gewonnen werden und damit bessere Berechnungsgrundlagen und Bohransatzpunkte für Bergbauunternehmen liefern“, erklärt Thomas Günther, Professor für Angewandte Geophysik an der TU Bergakademie Freiberg. Erste Ergebnisse der Messungen aus dem West-Erzgebirge erwartet das Team im Herbst 2026.
Neue Methoden für umweltschonende Rohstofferkundung
Mit Semi-Airborne-Elektromagnetik lassen sich elektrische Eigenschaften von Sedimenten und Gesteinen im Untergrund effizient und hochauflösend über große Gebiete und bis in 1000 Meter Tiefe erfassen – ohne eine einzige Bohrung in die Tiefe. Eine vom Team entwickelte Auswertesoftware erstellt auf Basis der gemessenen Daten dreidimensionale Modelle der elektrischen Leitfähigkeit, die Hinweise auf Vererzungen durch Erzgänge im Untergrund geben.
Ergänzt werden die Auswertungen durch KI-gestützte Prognosen und integrierte Interpretationsansätze von geophysikalischen, geologischen und geochemischen Messergebnissen. „Zusammen mit Daten aus existierenden Bohrungen erzeugen wir bis zum Frühjahr 2027 belastbare 3D-Modelle. Daraus können genauere Lagerstätten-Prognosen generiert werden, die dann durch Bohrungen verifiziert werden können“, so Günther. Im August 2027 wird es eine weitere Befliegung mit Fokus auf das Projektgebiet Hämmerlein-Tellerhäuser geben.
Das komplexe Erkundungsverfahren soll von der Forschung in die industrielle Praxis gebracht werden, weshalb auch Industriepartner aus der Region wie der Geo-Dienstleister Beak Consultants und das Bergbau-Unternehmen Saxore Bergbau beteiligt sind. DESMEX-MinD leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Rohstoffversorgung in Deutschland und Europa.
Verbundprojekt DESMEX-MinD
Projektpartner Forschung: Universität Münster, TU Bergakademie Freiberg, LIAG-Institut für Angewandte Geophysik (Hannover), Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hannover), Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Jena), Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (Hannover). Industriepartner: Beak Consultants GmbH (Freiberg), iMAR Navigation GmbH (Sankt Ingbert), supracon AG (Jena) und Saxore Bergbau GmbH (Freiberg). Der Geologische Dienst von Finnland (Espoo) ist assoziierter Partner des Konsortiums. Das Projekt wird noch bis 2029 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.