Wie sich Kommunen, Energieversorger und private Haushalte für künftige Hitzewellen besser aufstellen können, untersuchen aktuell Forschende der TU Bergakademie Freiberg zusammen mit der DBI - Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg. Seit 2025 erfassen sie dafür an über 60 Schulen, Kindergärten und Wohngebäuden in Sachsen Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Daraus entwickelt das Team sogenannte Kältelastprofile, die den durchschnittlichen Kühlbedarf eines Gebäudes darstellt. Außerdem entsteht eine „Kältekarte“ für das Bundesland. Passgenau für einzelne Quartiere sollen die beiden Tools helfen, zukünftige Kühlung zu berechnen – und schließlich passende nachhaltige Kühltechnologien vorschlagen.

Die ersten Ergebnisse des Projekts stellt das Team Kommunen, Behörden und weiteren Interessierten bei einem Workshop am 29. September 2026 vor. Eine Anmeldung ist noch möglich.

„Unsere Daten aus 2025 und dem ersten Halbjahr 2026 zeigen schon jetzt, dass es in einigen Schulen im Sommer über 25 % der Zeit wärmer als 26 °C in den Innenräumen war und damit eigentlich zu warm für Unterricht“, sagt Ingenieur Lukas Oppelt vom Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik der TU Bergakademie Freiberg. „Gebäudekühlung wird in den kommenden 10 Jahren immer wichtiger, aber kommunalen und privaten Bauherren fehlen bisher relevante Grundlagen und einfache Berechnungsoptionen für eine passende Integration von Kühlung in die Energieplanung von Bau- und Sanierungsprojekten. Erst mit diesen Grundlagen können sie neben der Wärmeversorgung auch die Kühlung von Anfang an für die Zukunft mitdenken.“ 

Für die Wärmeplanung gibt schon sogenannte Heizlastprofile (Standardlastprofile). Mit den erfassten Daten sollen jetzt erstmals konkrete Kühllastprofile entwickelt werden. „Parallel dazu leiten wir verschiedene Kühlszenarien ab und simulieren die Kühlbedarfe standortabhängig.“

Online-Tool erleichtert Planung

Zusätzlich erfahren Interessierte in dem Online-Tool, welche Technologie zu einem konkreten Kühlbedarf passt: „Das kann neben der klassischen Klimaanlage auch eine Lösung über eine Luft-Wärmepumpe, eine Geothermiebohrung oder über einen lokalen Brunnen sein“, so Oppelt. 

Voraussichtlich ab Ende 2027 wird der Kälteatlas verfügbar sein. Neben Kommunen und Energieversorgern können auch private Hauseigentümer zukünftig mit dem Online-Tool auf die Projektergebnisse zugreifen und ihr eigenes Kühlsystem passend planen.

Großstädte besonders betroffen, lokale Hotspots auf dem Land

Betroffen sind laut den bisher erstellten Kältelastprofilen des Teams und weiteren Klimadaten besonders Schulen, Kindertagesstätten oder Pflegeeinrichtungen in urbanen Metropolregionen und dort besonders in den Innenstädten. Aber auch in Kleinstädten oder auf dem Land gibt es in Sachsen Hotspots, wie zum Beispiel in Lommatzsch oder Bautzen.

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