Zeitliche Einordnung spät- bis postvariszischer magmatischer Gesteine des Erzgebirges.
Das Erzgebirge/Krušné hory gehört zu den bedeutendsten europäischen Mineralisationsprovinzen für Lithium, Zinn und Wolfram. Während des Oberkarbons und Unterperm drangen zahlreiche Granite in den variszischen Gebirgsgürtel ein und spielten eine entscheidende Rolle bei der Bildung wirtschaftlich bedeutender Lagerstätten.
Mithilfe hochpräziser Zirkon-U-Pb-CA-ID-TIMS-Geochronologie bestimmten wir das Alter spät- bis postvariszischer Granite im Erzgebirge und in der Lausitz und rekonstruierten den zeitlichen Ablauf der magmatischen Aktivität. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Platznahme der Granite in mehreren klar voneinander getrennten Phasen zwischen etwa 340 und 290 Millionen Jahren erfolgte. Darüber hinaus konnten wir nachweisen, dass sich das westliche und das östliche Erzgebirge unterschiedlich entwickelten. Diese Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse zur geologischen Entwicklung des variszischen Orogens sowie zum zeitlichen Ablauf der erzbildenden Prozesse.
Abbildung 1: Rekonstruktion der magmatischen Aktivität in der Saxothuringischen Zone des Böhmischen Massivs im zeitlichen Verlauf. Die Karten zeigen die Verteilung aktiver magmatischer Zentren und vulkano-sedimentärer Becken für aufeinanderfolgende Zeitintervalle. Variationen im Auftreten vulkanischer und subvulkanischer Gesteine wurden zur Rekonstruktion der Erosionsgeschichte der Region herangezogen. Abkürzungen: MGCH = Mitteldeutsches Kristallinhoch (Mid-German Crystalline High); TBZ = Teplá–Barrandium-Zone; Moldan. = Moldanubische Zone. Abkürzungen der magmatischen Komplexe: ATVC = Altenberg–Teplice-Vulkankomplex, FG = Fichtelgebirge, GM = Granulitmassiv, K = Königshainer Granit, KGP = Riesengebirgsgranitpluton, MM = Meißner-Massiv, NSVC = Nordsächsischer Vulkankomplex, SAC = Schönfeld–Altenberg-Komplex, St = Stolpener Granit, TFC = Tharandter-Wald-Caldera. Abkürzungen der Störungszonen: EFZ = Elbe-Störungszone, Fz = Flöha-Zone, ISF = Intra-Sudetische Störung. Vulkano-sedimentäre Becken: CB = Chemnitzer Becken, DB = Döhlener Becken, ISB = Intra-Sudetisches Becken, KPB = Riesengebirgs-Vorlandbecken, KRB = Kladno–Rakovník-Becken, MHB = Mnichovo-Hradiště-Becken, MRB = Mšeno–Roudnice-Becken, NSB = Nordsudetisches Becken, SB = Saale-Becken, TFB = Thüringer-Wald-Becken. (Nach Tichomirowa et al. (2025), CC BY 4.0.) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
Abbildung 2: Zusammenstellung der Alter magmatischer und erzbildender Ereignisse im Erzgebirge. Das Diagramm zeigt, dass der Magmatismus und die Mineralisation im Oberkarbon–Unterperm in mehreren klar voneinander getrennten Phasen stattfanden und nicht als ein einzelnes kontinuierliches Ereignis. Der Vergleich zwischen dem östlichen und westlichen Erzgebirge verdeutlicht Unterschiede im zeitlichen Ablauf und in der Dauer der magmatischen Aktivität und liefert neue Erkenntnisse zur Entwicklung des variszischen Orogens sowie zur Entstehung wirtschaftlich bedeutender Li–Sn–W-Lagerstätten. (Quellen: zusammengestellt aus publizierten U–Pb-Zirkonaltern sowie geochronologischen Daten zu Vulkaniten, Graniten, Rhyolithgängen und erzbildenden Ereignissen. Literaturangaben sind auf Anfrage erhältlich. Nach Tichomirowa et al. (2025), CC BY 4.0.) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
Kooperationen und Drittmittelförderung
Dieses Projekt wurde seit 2016 im Rahmen mehrerer FuE-Projekte durch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gefördert.