Medieval Space and Population
Berlin entstand aus den beiden mittelalterlichen Siedlungen Berlin und Cölln, die Ende des 12. Jahrhunderts an der Spree gegründet wurden. Archäologische Ausgrabungen auf dem Petriplatz, dem ältesten bekannten Friedhof dieser Siedlungen, brachten mehr als 3.700 Bestattungen aus der Frühzeit der Stadt zutage.
Im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts „Medieval Space and Population“ untersuchten wir die Mobilität der Bevölkerung während der Entstehungsphase Berlins. Durch die Analyse von Strontium- (Sr) und Sauerstoffisotopen (O), die im Zahnschmelz einiger der ältesten auf dem Petriplatz bestatteten Individuen (Abbildung 1) sowie zeitgleicher Haustiere erhalten sind, identifizierten wir Zugewanderte unter den frühesten Bewohnerinnen und Bewohnern Berlins und rekonstruierten ihre wahrscheinlichen Herkunftsregionen. Dadurch gewannen wir neue Einblicke in die Bevölkerungsdynamik während der Gründungsphase der Stadt (Abbildung 2).
Um die möglichen Herkunftsgebiete dieser Zugewanderten zu bestimmen, entnahmen wir Fluss- und Grundwasserproben aus dem weiteren Berliner Umland und erstellten eine Karte der räumlichen Verteilung der Strontium-Isotopenzusammensetzung für weite Teile des nordöstlichen Mitteleuropas, die sich vom Egergraben bis zur Ostsee sowie von Westpolen bis Nordwestdeutschland erstreckt. Die Kombination dieser Daten mit den im Zahnschmelz erhaltenen Isotopensignaturen ermöglichte es uns, Migrationsmuster zu rekonstruieren und die vielfältigen Herkunftsregionen der Bevölkerung des mittelalterlichen Berlins aufzuzeigen (Abbildung 3).
Abbildung 1: Zahn eines auf dem Petriplatz in Berlin bestatteten Individuums. Der Zahnschmelz wurde beprobt und auf seine Strontium- (Sr) und Sauerstoffisotopenzusammensetzung (O) untersucht, um die geografische Herkunft der Person zu bestimmen.
Abbildung 2: Verteilung der Individuen auf fünf Strontiumisotopengruppen für die drei frühesten Bestattungsphasen. Die Farbgebung entspricht den ^87Sr/^86Sr-Bereichen der regionalen Strontiumisotopenkarte (Abb. 3). Individuen der Gruppen 1.1 und 1.2 repräsentieren die lokale Bevölkerung Berlins und seines Umlands, während die übrigen Gruppen auf Personen hinweisen, die ihre Kindheit außerhalb dieser Region verbrachten. (Nach Rath et al. (2026), CC BY 4.0.) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
Abbildung 3: Regionale Isotopenkarten und rekonstruierte Herkunftsgebiete der in Abbildung 2 dargestellten Individuen. (a) Karte der biologisch verfügbaren Strontiumisotopenverhältnisse (87Sr/86Sr). (b) Karte der Sauerstoffisotopenzusammensetzung (δ18O) im Niederschlag (https://nucleus.iaea.org/wiser). (c) Wahrscheinliche Herkunftsgebiete während der Kindheit der untersuchten Individuen, ermittelt durch den Abgleich der im Zahnschmelz erhaltenen Isotopensignaturen mit den regionalen Isotopenmustern in (a) und (b). Dicke schwarze Linien kennzeichnen Staatsgrenzen, dünne schwarze Linien physiogeographische Regionen. Abkürzungen der physiogeographischen Regionen: BCB = Böhmisches Kreidebecken, CB = Chemnitzer Becken, EG = Egergraben, FE = Fichtelgebirge/Erzgebirge, ENGB = Östliches Norddeutsches Becken, HB = Hessisches Becken, HM = Harz, LB = Lausitzer Block, LSB = Niedersächsisches Becken, NSCV = Nordsächsischer Vulkankomplex, PB = Polnisches Becken, SGB = Süddeutsches Becken, SGM = Sächsisches Granulitmassiv, SHB = Subherzynisches Becken, TB = Thüringer Becken, TFB = Thüringer-Wald-Becken, TFSB = Thüringisch-Fränkisches Schiefergebirge, WNGB = Westliches Norddeutsches Becken. (Nach Rath et al. (2026), CC BY 4.0.) https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
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