Auftakt zu einem neuen Kompetenzzentrum für klimafreundliche Glasherstellung: Am Donnerstag (16.4.) hat die Rektorin der TU Bergakademie Freiberg Professorin Jutta Emes gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Nordsachsens Landrat Kai Emanuel den symbolischen ersten Spatenstich für den Bau des Glaskompetenzzentrum Torgau vollzogen. Der 5.300 Quadratmeter große Hallenkomplex wird durch einen Versuchsofen der TU Bergakademie Freiberg zu einem Kompetenzzentrum für Glasherstellung – in enger Verzahnung mit Handwerk, Industrie und regionalen Partnern. Schon im Studium können Studierende an der Pilotanlage selbst Versuche durchführen und von der Kooperation profitieren.

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Symbolischer Spatenstich für den Bau des Glaskompetenzzentrums Torgau (von links): A. Thiele (Beirat GlasCampus), U. Schneider (Beirat GlasCampus), F. Tollert (Vizepräsident Handwerkskammer Leipzig), A. Steyer (Obermeister Glaserinnung), M. Kretschmer (Ministerpräsident), J. Emes (Rektorin TU Freiberg), K. Emanuel (Landrat Nordsachsen), G. Endlich (Direktionsleiter Züblin).
Symbolischer Spatenstich für den Bau des Glaskompetenzzentrums Torgau (von links): A. Thiele, U. Schneider, F. Tollert, A. Steyer, M. Kretschmer. J. Emes, K. Emanuel, G. Endlich.

Das innovative Technikum der TU Bergakademie Freiberg in Torgau umfasst rund 330 Quadratmeter des neuen Campus‘ und wird der Grundlagenforschung und Lehre dienen. Herzstück des Technikums ist ein Spezialschmelzofen: Hier lassen sich neue Technologien zur energieintensiven Glasschmelze erforschen – mit dem Ziel, grundlegende Erkenntnisse zu gewinnen und hin zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Grundstoffindustrie zu entwickeln. Am neuen Ofen erproben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Alternativen zum bisher verwendeten Brennstoff Erdgas: Wasserstoff- und Plasmabrenner oder auch eine elektrische Beheizung. 

Interdisziplinärer Leuchtturm

Außerdem kann die Pilotanlage von Forschenden weiterer Fachbereiche genutzt werden, denn sie ist mit sehr modernen Messtechnologien ausgestattet wie einem Hochtemperatur-Kamerasystem für Messungen in der heißen Umgebung, eine ausgeklügelte Abgasmesstechnik sowie modernsten Glasanalysesystemen. In diese Forschungsarbeiten sind gleich mehrere Fachbereiche der TUBAF eingebunden, wie zum Beispiel die Institute für Glas und Glastechnologie, Wärmetechnik und Thermodynamik sowie Energieverfahrenstechnik. Weitere Kooperationen zum Beispiel mit der Analytischen Chemie, Additiven Fertigung und Umwelt Management werden angestrebt. Der interdisziplinäre Austausch wird damit zu einem echten Leuchtturm, der seinesgleichen in Europa sucht.

Universitäre Lehre bald auch in Torgau

Bis Ende 2027 soll das Glaskompetenzzentrum Torgau fertig sein. Bereits seit 2019 arbeiten die TU Bergakademie Freiberg, das Beruflichen Schulzentrum Nordsachsen (BSZ), die Glaserinnung und Unternehmen der nordsächsischen Glasindustrie in der Fachkräfteinitiative GlasCampus zusammen. Der GlasCampus hat Schulungs- und Weiterbildungsprogramme für die Branche entwickelt. Alleinstellungsmerkmal des neuen Glaskompetenzzentrums ist die enge Verzahnung von beruflicher und handwerklicher Aus- und Weiterbildung mit universitärer Forschung. Durch das entstehende Technikum mit Spezialschmelzofen öffnet sich der Ort für die universitäre Lehre. Zukünftig sollen hier Projekt- und Abschlussarbeiten von Studierenden der TU Bergakademie Freiberg entstehen. Ein Modul zum Thema „Glasproduktion“ wird in den Lehrplan einiger Studiengänge aufgenommen werden.

Für den Bau sind Kosten von insgesamt rund 35 Millionen Euro des gesamten Budgets für das Glaskompetenzzentrum veranschlagt. Davon stammen 34 Millionen Euro Fördermittel aus dem Just Transition Fund, mit dessen Hilfe der Strukturwandel infolge des Braunkohleausstiegs bewältigt werden soll.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: 

„Mit dem Glaskompetenzzentrum entsteht ein starker Ort, der Industrie, Handwerk und Wissenschaft zusammenbringt, Wertschöpfung sichert und neue Perspektiven schafft. Dieser Spatenstich steht für einen gemeinsamen Aufbruch und für einen Leuchtturm, der weit über die Region hinaus strahlen wird. Mit Innovation, Forschung und Ausbildung in die Zukunft wird die gewachsene Glastradition auch in Zukunft fortgeführt.“

Kai Emanuel, Landrat Nordsachsen:

„Das Glaskompetenzzentrum wird die Glasindustrie mit Innovationen und Lösungen inspirieren und sie gleichzeitig mit hochqualifizierten Fachkräften versorgen. Diese Investition zeigt, was möglich ist, wenn Menschen an eine Idee glauben, sie gemeinsam vorantreiben und nicht beim ersten Gegenwind aufgeben, sondern Optimismus wagen.“

Prof. Dr. Jutta Emes, Rektorin der TU Bergakademie Freiberg:

„Für die TU Bergakademie Freiberg mit unserer über 260-jährigen Tradition in den Geo-, Material- und Ingenieurwissenschaften ist es eine besondere Freude und Verantwortung, an der Entwicklung dieses neuen Glaskompetenzzentrums mitzuwirken. Das GlasLAB wird ein Ort sein, an dem neue Ideen entstehen, die den Werkstoff Glas noch leistungsfähiger, nachhaltiger und vielseitiger machen. Es sollen zudem Technologien entwickelt werden, die die Nutzung erneuerbarer und sauberer Energieträger in der Glasproduktion in wirtschaftlicher Weise ermöglichen. Glas ist ein Werkstoff mit enormem Zukunftspotenzial: Ob in der Energie- und Umwelttechnik, in der Digitalisierung oder in modernen Bau- und Werkstofflösungen – Glas spielt eine zentrale Rolle in vielen Schlüsseltechnologien unserer Zeit. Gerade deshalb ist es entscheidend, Forschung, Entwicklung und industrielle Anwendung hier am Glaskompetenzzentrum Torgau miteinander zu verbinden.“

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Keramik, Glas- und Baustofftechnik studieren

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