Drei Professuren an den Fakultäten für Mathematik und Informatik, für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau sowie für Maschinenbau, Verfahrens- und Energietechnik werden ab April neu besetzt: Professor Sven Groppe wird zum Professor für Künstliche Intelligenz berufen und folgt Professor Heinrich Jasper, Juniorprofessor Markus Uhlig folgt auf Professor Wolfram Kudla mit der Juniorprofessur für Spezialtiefbau „Bauingenieurwesen“ und Professor Christian Kupsch ist nach erfolgreicher Tenure-Track-Evaluierung Inhaber der Professur für Mess-, Sensor- und Eingebettete Systeme.
Vor seinem Ruf nach Freiberg unterrichtete Informatik-Professor Sven Groppe an der Universität zu Lübeck. Seit 2019 forschte und lehrte er dort als außerplanmäßiger Professor und Leiter der Arbeitsgruppe "Quantum and Intelligent Computing". Mit der Professur für Künstliche Intelligenz möchte Professor Groppe die Forschung um das Themengebiet der künstliche Intelligenz in der TU Bergakademie Freiberg weiter voranbringen und innerhalb der Universität verankern: „Ein Schwerpunkt in der Forschung wird die sogenannte agentische KI sein, die auf Basis großer Sprachmodelle (LLMs) nicht nur Antworten oder Inhalte generieren, sondern selbstständig Ziele verfolgen, komplexe Aufgaben in mehrere Schritte zerlegen, Werkzeuge nutzen, mit externen Systemen interagieren und autonom handeln können. Dabei zeigen hochaktuellen Fortschritte den Übergang von experimentellen Prototypen zu produktionsreifen Systemen auf.“ Mit dem Quantencomputing erforscht der Informatiker ein weiteres hochaktuelles Forschungsfeld.
Zwei neue Forschungsprojekte starten in Kürze
Demnächst werden zwei Projekte am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz an der TU Bergakademie Freiberg starten: Im von der DFG geförderten Projekt „Anwendung großer Sprachmodelle beim Archivieren von File-Systemen“ wird Professor Groppe und sein Team die Anwendung von auf großen Sprachmodellen basierter agentischer KI bei der Archivierung von File-Systemen erforschen.
Im vom BMFTR geförderten internationalen Projekt „Entwicklung von Quanten Graph Neuronalen Netzwerken für relationales Deep Learning“ (qRel) entwickeln die Forschenden Techniken des Quantum Relational Deep Learning, um mit Hilfe des Quantencomputings Daten aus den kommerziell weit verbreiteten relationalen Datenbanken für Produktempfehlungen und Kundenverhaltensmodellierung sowie zur Anomalie-Detektion und Steigerung der Datenqualität einzusetzen.
Internationalisierung denkt der neue Professor dabei stets mit: „Bestehende internationale Kooperationen mit mittlerweile über 200 Ko-Autoren von wissenschaftlichen Publikationen aus 30 Ländern weltweit möchte ich fortsetzen und neue innerhalb der Universität und aus der Region hinzugewinnen.“
KI und Quantencomputing für die Fachkräfte von morgen
In der Lehre hat sich der neue Professor vorgenommen, besonders hochaktuelle Themen in die Lehrveranstaltungen der TU Bergakademie Freiberg zu integrieren: „Neben der agentischen KI und dem Quantencomputing sind das die Technologien der künstlichen Intelligenz inklusive die des maschinellen Lernens sowie Big Data und Datenmanagement auf neueren Plattformen im Web, im mobilen Bereich sowie des Internet-der-Dinge. In den Lehrveranstaltungen strebe ich einen interaktiven Diskurs an, der neben der Vermittlung von reinem Wissen auch die aktive Auseinandersetzung und kritische Reflexion der Studierenden mit den Inhalten und so auch Kompetenzen unabhängig von den präsentierten Themen fördert.“
Ob Straßen-, Bahn- oder Tagebau - keine Bauwerke ohne Spezialtiefbau
Markus Uhlig übernimmt am Institut für Bergbau und Spezialtiefbau die Juniorprofessur für Spezialtiefbau „Bauingenieurwesen“. Er promovierte an der TU Dresden im Bereich Geotechnik und leitete dort das bodenmechanische Labor. Mit dem Antritt der Juniorprofessur hat der Bauingenieur die Themen rund um den Tagebaubetrieb beziehungsweise dessen Nachnutzung im Fokus.
„Ein Fokus liegt dabei auf der Messung der Wärmeleitfähigkeit in Lockergesteinen mit Korngrößen aller Art. Dieses Thema ist gerade hochaktuell, da es sowohl für die oberflächennahe Geothermie aber noch viel stärker bei der Verlegung von Erdkabeln (Stromtrassen) von enormer Bedeutung ist. Darüber hinaus bestimme ich Kennwerte für Analysen der Böschungsstandsicherheit rund um Tagebaue für die Auswertung von Feldversuchen aber auch Simulationen zur Prognose. Auch dieses Thema ist in Deutschland im nächsten Jahrzehnt, vermutlich aber noch weit darüber hinaus, aufgrund der Schließung vieler Braunkohltagebaue und der damit verbundenen Flutung interessant.“
Die Lehre möchte der neue Juniorprofessor vielfältig verstärken: „Neben der Geotechnik, zu der auch der Spezialtiefbau zählt, werde ich viele andere Fachgebiete wie den Verkehrswegebau oder den Dammbau (in dem auch Wasserbau versteckt ist) lehren. Damit können sich die Freiberger Studierenden auf ein breites Spektrum im Spezialtiefbau freuen.“ Vielfältig möchte er aber auch die Wissensvermittlung gestalten: „Lernen passiert nicht nur in der Vorlesung oder aus Büchern, sondern auch digital am eigenen Rechner (Videos und Recherchen) sowie über kleine Experimente. Dazu zählt auch die Nutzung von Ingenieur-Software und KI als Werkzeug.“
Smarte Sensor Systeme: Von Daten zur Information
Professor Christian Kupsch ist nach erfolgreicher Tenure-Track-Evaluation ab April 2026 Inhaber der Professur für Mess-, Sensor- und Eingebettete Systeme an der Fakultät 4 der TU Bergakademie Freiberg. Die Professur steht für eine systemorientierte und interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle von Sensorik, eingebetteten Systemen und intelligenter Datenauswertung: „Ein gutes Messsystem liefert nicht einfach nur Daten, sondern die richtige Information zur richtigen Zeit. Genau daran arbeiten wir mit intelligenten und energieeffizienten Sensorsystemen für Anwendungen von technischen Prozessen bis zur biomedizinischen Diagnostik. Ein Beispiel sind ultraschallbasierte Human-Machine-Interfaces, die Gestenerkennung und die intuitive Steuerung von Robotern ermöglichen“, sagt Kupsch.
„Ein zweiter Schwerpunkt meiner Forschung ist die hochfrequente akustische Bildgebung und Manipulation. Diese Verfahren machen Prozesse auf sehr kleinen Skalen sichtbar und zum Teil auch gezielt beeinflussbar. Darin liegt großes Potenzial – von der Prüfung mikroelektronischer Baugruppen bis hin zu biomedizinischen Anwendungen und der Partikelmanipulation.“
Ein besonderes Merkmal der Professur ist ihre interdisziplinäre und systemorientierte Ausrichtung. In Forschung und Lehre arbeiten unterschiedliche Fachdisziplinen zusammen – von Elektrotechnik, Informatik und Mathematik über Physik bis hin zum Maschinenbau. Diese Breite prägt auch die Ausbildung: Als Studiendekan des neuen Studiengangs „Smart Systems Engineering“ engagiert sich Professor Kupsch für ein Studienangebot, das Studierende darauf vorbereitet, vernetzte und intelligente technische Systeme ganzheitlich zu verstehen und zu entwickeln.