Heute jährt sich der Geburtstag von Prof. Dr. sc. techn. Drs. h.c. Heinrich Schubert zum 100. Mal. Das wollen wir zum Anlass nehmen, um an sein Wirken in Freiberg und vor allem für den Bereich der Mechanischen Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik zu erinnern.
Prof. Heinrich Schubert war von 1969 bis 1991 Lehrstuhlinhaber und Leiter des Instituts für Mechanische Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik. In dieser Zeit hat er etwa 550 Studierende und ungefähr 60 Promovierende ausgebildet. Darüber hinaus ist er in der akademischen Lehre besonders auch aufgrund seiner verschiedenen Lehrbücher zur Mechanischen Verfahrenstechnik und der Aufbereitung fester Stoffe weit über Freiberg hinaus bekannt. So war er beispielsweise Gastprofessor an der University of Queensland (Australien), der University of Iowa (USA) und der Iron and Steel University Wuhan (China).
Nicht nur im Bereich der Lehre, ebenso im Bereich der Forschung ist Prof. Heinrich Schubert international anerkannt und geehrt. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden auch heute noch vielfach zitiert. Zum Ende seiner aktiven Zeit als Universitätsprofessor konnte er zusammen mit seiner Forschungsgruppe und der Universität die Welttagung der Aufbereitung, den International Mineral Processing Congress IMPC 1991 nach Dresden holen und sehr erfolgreich organisieren. Beachtlich ist, dass ihm all das trotz der Hürden und Einschränkungen in der damaligen DDR gelungen ist. Maschinen, Geräte oder auch Fachliteratur aus dem Westen zu bekommen, oder auch Reisen in den Westen zu unternehmen, war nur mit Genehmigung der politischen Führung und eben wegen seiner internationalen Anerkennung möglich.
Zu Ehren seines Lebenswerkes bekam er im Jahr 2006 vom International Mineral Processing Council den Lifetime Achievement Award verliehen. Diese Ehrung unterstreicht die Bedeutung seiner Arbeiten für die Aufbereitungstechnik noch einmal ganz besonders. Zu Ehren seines 90. Geburtstages wurde ein Sonderheft beim International Journal of Mineral Processing herausgegeben, welches mit Beiträgen von 56 Wegbegleitern, Schülern und deren Schülern aus aller Welt gefüllt war.
Die Bilderserie zeigt einige teils bisher nicht online veröffentlichte Bilder Heinrich Schuberts aus der Sammlung des Instituts MVTAT sowie der Universität, so wie ihn viele Wegbegleiter kennengelernt haben.
Dass Heinrich Schubert mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten immer noch aktuell ist und seinen Platz in der Mechanischen Verfahrenstechnik und Aufbereitungstechnik hat zeigen die Kommentare und Einschätzungen aus der Fachwelt zu seinem hundertsten Geburtstag .
Professor Anh V. Nguyen:
“I had the privilege of knowing Prof. Schubert for many years and spent a very memorable period with him in Freiberg during my Alexander von Humboldt Fellowship (1994–1996). I still remember the many hours we spent together in his office, carefully watching many of his video footages about flotation and discussing flotation fundamentals, bubble–particle interactions, hydrophobic force, turbulence, and mineral processing phenomena. His scientific clarity, discipline, and generosity as a mentor left a lasting impression on me and strongly influenced my own work and thinking. It is an honour to have known him, and I remain deeply grateful for his guidance and friendship.”
Professor John Ralston:
“I had the great pleasure of discussing flotation science and technology with Heinrich Schubert in 1997, during one of my regular visits to the TU Bergakademie Freiberg, under the then leadership of Hans Schulze and his fine team. I was developing a strong interest in in turbulence and its role in flotation systems, an area in which Heinrich had made remarkable contributions. I found that Heinrich was very open to discussions, was generous in sharing knowledge, with a warm and caring personality. I acknowledge a very fine research engineer and a wonderful man”.
Professor Graeme Jameson:
"I had the pleasure of meeting Professor Schubert on only one occasion, when I visited him in his home in Freiberg in 2017, not long before his death. Long before, I had known about his seminal work on the role of turbulence in flotation machines. I was particularly struck by an observation in his 1999 paper on turbulence-controlled micro-processes, where he remarked that particle–bubble attachment almost exclusively occurs in the zone of high energy dissipation rates, i.e.in the impeller-stream. This was a remarkably prescient remark, based on his experimental observations. In more recent years, extensive CFD modelling has confirmed Professor Schubert’s conclusion. Since the effective volume of the impeller and stator in a mechanical cell is perhaps 10 - 20% of the total cell volume, one is entitled to speculate on the function of the region outside the impeller zone. The obvious response is that most of the volume in a mechanical cell is due to the need to allow the bubbles to escape into the froth. We conclude that the residence time of a flotation feed in a mechanical cell is strongly related to the time required for the bubbles to rise into the froth, as well as the kinetics of capture of particles by bubbles! Professor Schubert was a giant in the field of flotation, helping with his colleagues at the TU Bergakademie Freiberg to lay the foundations for the study of the physics of bubble-particle interactions. His contributions to flotation fundamentals will long be remembered."
Dr. Martin Rudolph:
"Ich hatte die Ehre, gemeinsam mit Prof. Heinrich Schubert von 2013 bis zu seinem Tod im Jahr 2018 seinen letzten Doktoranden, Dr.-Ing. Duong Huu Hoang, zu betreuen. Unsere regelmäßigen Treffen führten uns zunächst in sein Büro im Karl-Kegel-Bau der TU Bergakademie Freiberg und zuletzt zu ihm nach Hause. Für meine Kollegen und mich war es stets ein besonderer Moment, den 'großen Prof. Schubert' in den Hof fahren zu sehen – selbst als er bereits weit über 80 Jahre alt war. Er war eine beeindruckende Persönlichkeit mit einem reichen Erfahrungsschatz. Duong und ich haben ungemein von ihm gelernt. Besonders imposant war seine Gabe, auf jede Fragestellung nicht nur die passende Antwort, sondern auch die exakten Referenzen parat zu haben und uns gleichzeitig durch kluge Gegenfragen herauszufordern. In unseren letzten Gesprächen betonte er immer wieder, wie dankbar er für sein langes, erfülltes Leben war. Auch von Kollegen aus der ganzen Welt habe ich viele Geschichten über Begegnungen mit ihm gehört; sie alle schildern sein unermüdliches Interesse an der Aufbereitungstechnik und Mechanischen Verfahrenstechnik sowie seine Bereitschaft, sich Zeit für wissenschaftliche Diskussionen zu nehmen. Ich bin Prof. Schubert zutiefst dankbar, dass er uns an seinem Wissen teilhaben ließ und uns sowohl gefordert als auch gefördert hat."
Weitere Infos
Heinrich Schubert verstarb am 9. April 2018 im Alter von 92 Jahren in Freiberg. Einen sehr schönen, deutsch- und englischsprachigen Nachruf auf Heinrich Schubert findet man bei der Zeitschrift AT Mineral Processing, in welchem sein Wirken und die Bedeutung für den Fachbereich der Mechanischen Verfahrenstechnik und der Aufbereitungstechnik zusammengefasst ist.
Nachruf in AT Minerals
Auch auf dem MEI Blog von Barry Wills wurde zu seinem Tod an Heinrich Schubert erinnert.
Nachruf im Blog von Barry Wills
In einem Online-Kondolenzbuch finden sich zudem einige lesenswerte, persönliche Erinnerungen verschiedener Wegbegleiter Heinrich Schuberts.