Sie sind die ersten Frauen auf ihrem Posten: Maja Krumnacker wurde 1978 zur ersten Professorin der Bergakademie Freiberg berufen. Professorin Jutta Emes ist seit 2025 die erste Rektorin der TU Bergakademie Freiberg. Kurz vor Maja Krumnackers 95. Geburtstag am 11. Juli 2026 und rund ein Jahr nach dem Dienstantritt von Jutta Emes haben sich die beiden Pionierinnen getroffen. Bei Kaffee und angeregter Unterhaltung tauschten sich die beiden Wissenschaftlerinnen über ihre Erfahrungen an der Bergakademie aus. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Bedeutung weiblicher Vorbilder für junge Frauen sowie die wachsenden Chancen, die sich ihnen heute in den MINT-Fächern bieten.
Als Maja Krumnacker 1949 ihr Studium der Metallkunde an der Bergakademie beginnt, ist sie in ihrem Jahrgang nicht nur die einzige Frau, sondern auch die jüngste. „Alle anderen waren aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt“, erzählt Krumnacker über ihre Kommilitonen. Sie studiert unter anderem bei Gerhard Grüß, der seine einzige Studentin in der Mathe-Vorlesung jedes Mal persönlich begrüßt. Als sie einmal fehlt, setzt der beliebte Professor mit „Meine Herren ohne Dame…“ an. Maja Krumnacker fällt auf als einzige Frau, aber sie wird von den Studenten in deren Kreis aufgenommen: „Ich war geduldet. Am Vatertag durfte ich mit ihnen ziehen. Also das war dann alles wunderbar.“
Zur Metallkunde kommt Maja Krumnacker auf Anraten ihres Bruders, der an der Bergakademie bereits Bergbau studiert. Er bringt ein Vorlesungsverzeichnis nach Hause und macht der jüngeren Schwester die Metallkunde schmackhaft, indem er ihr und den Eltern die Karrierewege aufzählt, die nach dem Studium offenstehen. Krumnacker hatte in Mathematik immer eine Eins, erzählt sie: „Auch die anderen technischen Fächer haben mich nicht irgendwie geschreckt. Und da haben wir zu Hause Kriegsrat gehalten, haben uns das angeguckt. Und da ermutigte mich mein Bruder für das Fach.“
Freiberg – Ort der Pionierinnen
Beide Professorinnen sind überzeugt, dass Sichtbarkeit und Ermutigung entscheidend dafür sind, mehr junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Studiengänge zu begeistern.
Gefragt nach möglichen Schwierigkeiten, die sie als Frau in einem männlich dominierten Beruf hatte, sagt Maja Krumnacker, dass sie gleichberechtigt war; sowohl in der Gießerei, in der sie sieben Jahre arbeitet, als auch bei ihrer Rückkehr an die Bergakademie in den 1960er Jahren: „Aber ich war ja auch immer die Einzige. Und da haben die Männer wahrscheinlich auch gar keine Lust oder keinen Anlass gehabt für eine Ungleichbehandlung. Und ich habe eben auch keine weiblichen Allüren.“
Rund fünfundsiebzig Jahre, nachdem Maja Krumnacker ihr Studium der Metallkunde in Freiberg aufgenommen hat, sind Frauen immer noch in der Minderheit in Ingenieurwesen und Naturwissenschaften. Wie kann eine Universität mit MINT-Schwerpunkt mehr Abiturientinnen für ihr Angebot begeistern? Jutta Emes setzt auf hervorragende Studienbedingungen für alle, Mentoringprogramme für Studentinnen, Netzwerke wie dem „Network of Women in Academia“ und Sichtbarkeit: „Wir laden die Mädchen hier auf den Campus ein. Zum Beispiel zu Schnupperwochen in den Sommerferien oder zurLangen Nacht der Wissenschaft und Wirtschaft. Und immer dann stehen auch Frauen vorne – denn wir haben heute viele Kolleginnen, die sehr erfolgreich sind. Ich glaube, diese Vorbildwirkung ist nicht zu unterschätzen!“ Dass sie selbst genau diese Wirkung hatte, wird Maja Krumnacker allerdings erst spät bewusst: „Meine Doktorandinnen haben mir gesagt, wie wichtig eine Frau als Professorin für sie war. Und, dass sie mich als Vorbild wahrgenommen haben.“
Dass Freiberg ein guter Ort für Pionierinnen und Pioniere ist, da sind sich Emes und Krumnacker einig: In der Forschung ist die TU Bergakademie Freiberg in vielen Bereichen führend. Doch Pioniergeist braucht auch das geeignete Umfeld. In Freiberg sind das der familiäre Charakter und die kurzen Wege, „dass man damit auch Zeit einspart, die man vielleicht benötigt, um Kinder von der Kita abzuholen beispielsweise. Das ist auf jeden Fall eine Stärke des Standortes“, betont Jutta Emes. Auch Maja Krumnacker hat die Größe ihrer „kleinen“ Bergakademie immer geschätzt: „Das ist ja gerade der Vorteil. Man fühlt sich hier wie in einer kleinen amerikanischen Privathochschule.“ Für sie ist Freiberg auch 75 Jahre nach ihrer eigenen Immatrikulation der ideale Ort zum Studieren.
Der Austausch zwischen den beiden Pionierinnen der TU Bergakademie Freiberg wurde von beiden Seiten als bereichernd und inspirierend beschrieben. Die TU Bergakademie Freiberg sieht in solchen Begegnungen zwischen den Generationen ein wichtiges Signal für Gleichstellung an der Universität sowie für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.