Eine Kultur der Ermöglichung und der Verantwortung; Offenheit und Austausch nach innen, eine schärfere Profilierung nach außen, … Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt als erste Rektorin der TU Bergakademie Freiberg am 21. Juli 2025 blickt Professorin Jutta Emes zurück und nach vorne.
Offenheit, Kooperation und Kommunikation waren zentrale Stichworte bei Ihrem Amtsantritt. Hat sich die TU Bergakademie Freiberg in einem Jahr diesbezüglich verändert?
Als erste Rektorin in der 260-jährigen Geschichte der TU Bergakademie Freiberg bringe ich natürlich einen Wandel. Auch wenn ich erst ein Jahr hier bin – ja, es hat sich etwas verändert! Mit dem gesamten Rektorats-Team stehen wir für Offenheit und Transparenz, für Kommunikation und Kooperation – das ist nicht nur unser zentrales Leitmotiv, sondern das kennzeichnet unsere Arbeitsatmosphäre an der TUBAF. Im Mittelpunkt steht eine Kultur der Ermöglichung und der Verantwortung. Uns ist der Austausch mit allen Mitgliedergruppen ein zentrales Anliegen. Wir haben im vergangenen Jahr nicht nur die Zusammenarbeit innerhalb der Universität, sondern auch externe Kooperationen und Netzwerke der TUBAF gestärkt und erfolgreich ausgebaut.
Als Profil-Universität sind wir starker Partner in verschiedenen regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken. Es ist ein großartiger Erfolg, dass wir internationale Kooperationsvereinbarungen unter anderem mit der Ivy League-Universität Dartmouth und mit der United Nations University Resource Nexus unterzeichnet haben. Das Zusammenspiel von einem klaren Forschungsprofil und Vernetzung ermöglicht uns mehr Dynamik, maximale Sichtbarkeit sowie einen einfacheren Zugang zu Talenten und Fördermitteln – um damit die eigene Forschungsexzellenz weiter auszubauen und um für unsere Studierenden neue Chancen zu schaffen.
Als größte Arbeitgeberin der Region ist die TU Bergakademie Freiberg eng mit der mittelsächsischen Wirtschaft sowie in Sachsen verzahnt, was unseren Absolventinnen und Absolventen beste Voraussetzungen für den Berufseinstieg verschafft – regional, überregional und im Ausland.
Bei Ihrem Amtsantritt kündigten Sie einen fakultätsübergreifenden Hub für Künstliche Intelligenz an - wie ist die TUBAF bei diesem Thema aktuell aufgestellt?
Der KI-Hub für die Ressourcen- und Energiewirtschaft befindet sich aktuell im Aufbau. Wir haben an der TU Bergakademie Freiberg schon heute vielfältige KI-Anwendungen – etwa im Bergbau, beim Umweltschutz, bspw. Gewässermonitoring, in der Aufbereitungstechnik, der Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft, der Werkstoffentwicklung, in der Prozessoptimierung, der Geodatenanalyse oder im Energiemanagement. Jetzt geht es darum, diese Kompetenzen stärker zu bündeln und sichtbarer zu machen.
Ein großer Vorteil ist unsere Datenbasis: Durch die enge Anbindung an Bergbau, Rohstoff- und Energiewirtschaft und Industriekooperationen verfügen wir über Datensätze, die für das Training und die Validierung von KI-Anwendungen von unschätzbarem Wert sind. Hinzu kommt, dass KI-Kompetenz an unserer Universität nicht isoliert in einer einzelnen Fakultät verortet ist, sondern sich neben der Mathematik und Informatik über zahlreiche Fachgebiete erstreckt. Der nächste Schritt ist nun der Aufbau einer Plattform für die Zusammenarbeit.
Ziel ist es, die TUBAF als Kompetenzzentrum für KI in der Ressourcen- und Energiewirtschaft zu positionieren. Erste Erfolge, etwa bei der Prozessoptimierung im Bergbau, in der Robotik, bei autonomen Systemen sowie zur Effizienzsteigerung in Recyclingprozessen oder zur automatisierten Umweltüberwachung zeigen bereits, wohin die Reise geht.
Sie betonten außerdem die Chancen für die TU Bergakademie Freiberg als Mitglied der europäischen Allianz EURECA-PRO. Wo geht unsere Reise in der Allianz jetzt hin?
Wer in Freiberg studiert, studiert in Europa. Wir sind stolz, Mitglied der europäischen Hochschulallianz EURECA-PRO zu sein. Gemeinsam mit acht Partneruniversitäten aus Österreich, Deutschland, Griechenland, Polen, Belgien, Frankreich, Spanien und Rumänien arbeitet die TUBAF daran, bis 2040 gemeinsame Studienangebote, europäische Forschungs- und Transferprojekte sowie einen integrierten Campus zu schaffen. Zentrales Thema ist das strategische UN-Entwickungsziel 12 „Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion“.
Für die TUBAF habe ich unser Engagement in der Allianz deutlich gesteigert. Erst vor kurzem hat die Allianz eine automatische Modulakkreditierung beschlossen, die die Mobilität von Studierenden europaweit erleichtern soll. Die aktuelle Förderphase läuft bis 2027, wobei ein Schwerpunkt auf der Steigerung der Mobilitäten von Studierenden und Mitarbeitenden sowie einer Vertiefung der Zusammenarbeit mit externen Stakeholdern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft liegt.
Aktuelle Herausforderungen wie Rohstoffversorgung, Kreislaufwirtschaft, Energiewende oder Digitalisierung prägen Forschung und Lehre. Wie wird die Universität ihre Schlüsselrolle künftig ausfüllen?
In Forschung, Lehre und Transfer arbeiten wir in zentralen Zukunftsfeldern, die für die industrielle Transformation wichtig sind – und das wird auch unser Schwerpunkt bleiben. Unsere Kernthemen Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft, innovative Werkstoffe, nachhaltige Technologien, Energie und Umwelt zielen auf die drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Das Besondere an unserer Universität ist, dass wir Lösungen entlang der kompletten Wertschöpfungskette entwickeln – von der Rohstoffgewinnung über Prozess- und Verfahrenstechnik bis hin zum Recycling.
Die TU Bergakademie Freiberg ist eine forschungs- und patenstarke Universität. Gibt es eine Technologie die Sie am meisten begeistert hat?
Wir haben viele beeindruckende Forschungsthemen – hier in Freiberg reiht sich ein Highlight an das nächste. Fasziniert haben mich innovative Plasmaverfahren, die bei uns an verschiedenen Stellen zum Einsatz kommen, beispielweise zum klimafreundlichen Schmelzen und Recyceln von Metallen oder zur Aufbereitung von Verbundkunststoffen. Ebenso beeindruckend sind unsere Arbeiten an neuen Recyclingverfahren, mit denen wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen und Stoffkreisläufe geschlossen werden können.
Und welcher Eindruck überwiegt für Sie nach einem Jahr vom Studium an der TU Bergakademie Freiberg?
Wer zukunftsorientiert studieren will, muss nach Freiberg kommen. Die TUBAF ist absolut einzigartig, eine herausragende Universität – und das ist nicht nur mein Eindruck; das bestätigen uns auch die tollen Bewertungen der Studierenden wie der 1. Platz als „die beliebteste Universität in Deutschland 2026“ oder der Digital Campus Award.
Bei meinen Besuchen an den Instituten und verschiedenen Bereichen unserer Universität konnte ich mich im vergangenen Jahr davon überzeugen: Es sind nicht nur die herausragenden Studieninhalte, die die TUBAF auszeichnen, sondern auch die sehr guten Studienbedingungen. Die TUBAF steht für forschungsstarke und gleichzeitig praxisnahe Lehre. Bei uns gibt es individuelle Betreuung statt unpersönlichen Großbetrieb und eine Top-Ausstattung. Die Studierenden schätzen die kurzen Wege auf unserem Campus, günstiges Wohnen und die enge Gemeinschaft hier in Freiberg.
Die Universität verfügt über eine einmalige Forschungsinfrastruktur – von Technika für Metallurgie, Geotechnik und Verfahrenstechnik bis zu Pilotanlagen, die die Skalierung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in industrienahe Prozesse ermöglichen. Studierende arbeiten oft an Anlagen, die es sonst nur in der Industrie gibt. Unsere Absolventinnen und Absolventen haben daher auch hervorragende Berufschancen.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darauf, diese Stärken weiter über Sachsen hinaus in die Welt zu tragen und dabei die Begeisterung derjenigen zu transportieren, die hier studieren, forschen und arbeiten und unser Aushängeschild bleiben!