Schon im Studium an einem Teilchenbeschleuniger arbeiten? An der TUBAF geht das! Am Deutschen-Elektronen Synchrotron (DESY) analysieren Mineralogie-Studierende in einer aktuellen Messkampagne des TUBAF-Instituts für Mineralogie Siegelerden aus dem 18. Jahrhundert unter starken Röntgenstrahlen. Bei der Tag- und Nachtschicht am Synchrotron lernen sie auch, Versuche genau zu planen und unter strengen Vorgaben durchzuführen, mit Fehlmessungen umzugehen und im Team gut zusammenzuarbeiten.

Image
Sebastian Moritz, Student Master Geowissenschaften/Mineralogie bereitet die Proben für die Messung vor.
Sebastian Moritz, Student Master Geowissenschaften/Mineralogie bereitet die Proben für die Messung vor.

„Wir hatten im Studium bereits die grundlegende Funktionsweise von Synchrotronen kennengelernt. Dass das für mich schon bald praktisch relevant sein würde, hätte ich nicht erwartet, als ich dann tatsächlich zum ersten Mal in Hamburg dabei war. Ich war sofort fasziniert! Die Gelegenheit schon im Studium am DESY zu arbeiten, wollte ich unbedingt nutzen“, erzählt Masterstudent Sebastian Moritz. Dank kleiner Lerngruppen kommen Studierende an der TU Bergakademie Freiberg in vielen Studiengängen ohne Warteliste an Praktikumsplätze in Labor und Technikum – und manchmal auch an einem Großgerät der Superlative.

Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY gehört zu den weltweit führenden Teilchenbeschleunigerzentren. Das DESY ist an den Standorten Hamburg und Zeuthen (bei Berlin) vertreten und gehört zu den 18 Helmholtz-Zentren in Deutschland.

Image
Für Franziska Nachtwey (ganz rechts) war der hohe Praxisanteil ein ausschlaggebender Grund, sich für ein Masterstudium an der TU Bergakademie Freiberg zu entscheiden. Weitere Personen im Foto (v.l.n.r: stehend: Gerhard Heide, Sebastian Moritz, Vanessa Grießbach, Franziska Nachtwey, sitzend: Anja Weber, Martin Etter - DESY).
Für Franziska Nachtwey (ganz rechts) war der hohe Praxisanteil ein ausschlaggebender Grund, sich für ein Masterstudium an der TU Bergakademie Freiberg zu entscheiden. Weitere Personen: G. Heide, S. Moritz, V. Grießbach, F. Nachtwey, A. Weber, M. Etter.

Historische Siegelerden treffen auf modernste Spitzenanalytik

Das Team um Heide untersucht gepresste und gesiegelte Tonobjekte, „Terra Sigillata“, die seit der Antike bis in die frühe Neuzeit als Heilmittel, Handelsware und Sammlungsobjekte verbreitet waren. Besonders die sächsischen Siegelerden des 18. Jahrhunderts unterscheiden sich deutlich von den bekannteren antiken Varianten und sind bislang kaum erforscht. „An der Beamline P02.1 am DESY nutzen wir hochenergetische Röntgenbeugung in Transmission. Die Röntgenstrahlung wird an den periodischen Netzebenen der Kristallgitter der einzelnen Minerale in den Siegelerden gestreut, wodurch charakteristische Beugungsmuster entstehen. Daraus können wir dann bestimmen, welche Minerale enthalten sind – idealerweise auch in welcher Menge“, erklärt Anja Weber. Für ihre Promotion untersucht sie erstmals systematisch die mineralogische Zusammensetzung und auch innere Textur, die möglicherweise Rückschlüsse auf den Fundort und die Herstellung dieser Objekte erlauben. 

Image
Zwei Forscherinnen sitzen an einem Tisch mit

„Die besondere Herausforderung: Es handelt sich um historische, museale Kulturgüter, die ausschließlich zerstörungsfrei analysiert werden dürfen – wie es eben am DESY möglich ist.“ 

Anja Weber

Minerale verstehen

Image
Drei Studierende bei Untersuchungen im Gelände

Geologie/Mineralogie studieren

Image
Eine Studentin bei der Analyse von Proben

Geowissenschaften im Master studieren

Forschung
Studium
Prof. Dr. Gerhard Heide
Institut für Mineralogie , Brennhausgasse 14 09599 Freiberg
Gerhard.Heide [at] mineral.tu-freiberg.de +49 3731 39-2665