Weltweit werden ausgedientes elektronisches Spielzeug, Computer oder Smartphones zu immer größeren Massen an Elektroschrott. Basis für die elektronischen Schaltkreise sind Leiterplatten, sogenannte printed circuit boards (PCB). Sie bestehen in der Regel aus glasfaserverstärktem fossilem Epoxidharz, womit sie sich nur schwer recyclen, geschweige denn biologisch abbauen lassen. Ein Team der TU Bergakademie Freiberg stellt nun eine vollständig kompostierbare Alternative aus dem Pilzmyzel Aspergillus niger mycelium vor, einem Abfallprodukt der industriellen Zitronensäureproduktion.

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Funktionsfähiger Prototyp der Pilzmyzelleiterplatte.
Funktionsfähiger Prototyp der Pilzmyzelleiterplatte.

Statt diesen Biomasse-Abfall zu entsorgen, verarbeitet das Team ihn in einem innovativen Verfahren zu einem plastikähnlichen Material: durch Formen und Lufttrocknung entsteht eine kleine, etwa 0,5 Zentimeter dicke Platte mit einer Dichte von 1,23 g/cm³ – vergleichbar mit der Dichte von herkömmlichen Leiterplatten. Mit Direkt-Ink-Writing oder einem Standard Ätzverfahren und manuellem Löten konnten die Forschenden elektronische Bauteile direkt auf die Pilzplatten aufbringen. "In den Labortests weist das Material aus Pilzmyzel hohe mechanische Eigenschaften und eine gute Hitzestabilität auf. Obwohl die elektrischen Eigenschaften noch unter denen von Standard-PCBs liegen, ist Pilzmyzel für Prototype oder niederfrequente Anwendungen ausreichend – etwa für Umweltsensoren, Verbrauchsartikel und Spielzeuge“, erklärt Nina Oehlsen, Doktorandin an der TU Bergakademie Freiberg und Erstautorin der wissenschaftlichen Publikation. „Damit die Platte künftig vergleichbar mit heutigen PCBs eingesetzt werden kann, muss sie noch nach Standards wie IPC-A-600 oder DIN EN 60249-1 getestet und in Hinblick auf eine geringere Wasseraufnahme optimiert werden.“

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Juniorprofessor Linus Stegbauer zeigt eine Probe des im Labor pulverisierten und getrockneten Pilzmyzels.

Die bioinspirierte Forschung kann einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer kreislauffähigen Elektronik leisten: „Wir beweisen, dass es möglich ist, hochwertige Elektronikkomponenten ohne langfristige Umweltbelastung zu entwickeln – und zeigen Lösungen für eine kreislauffähige Elektronikindustrie“, betont Wirtschaftswissenschaftler Professor Simon Glöser-Chahoud von der TU Bergakademie Freiberg, der den CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus des innovativen Materials durchgerechnet hat.

Originalpublikation: From biotechnological residues to biodegradable printed circuit boards: Aspergillus niger mycelium as a structural support material, Cleaner Materials, https://doi.org/10.1016/j.clema.2026.100416

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