Erdbebenschwärme sind im Vogtland und in Nordwestböhmen (Tschechische Republik) ein bekanntes geophysikalisches Phänomen. Meist bestehen diese Erdbebenschwärme aus einer großen Anzahl vieler kleiner Beben, die keine Schäden an Gebäuden verursachen und von der Bevölkerung kaum gespürt werden. Am Nachmittag des 1. Januar 2026 traten jedoch fünf stärkere Erdbeben mit Magnituden zwischen 2,3 und 3,2 auf, zu denen Meldungen aus der Bevölkerung eingingen. Aufgezeichnet wurden die Erdbeben von der Arbeitsgruppe Seismik und Seismologie am Institut für Geophysik und Geoinformatik.
„Die aktuelle Schwarmbebenaktivität begann bereits am 20. November 2025, mit spürbaren Ereignissen unter anderem am Nikolaustag (6.12.2025) sowie in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember. Das derzeit seismologisch aktive Gebiet liegt nahe Luby in Tschechien“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin Catherine Alexandrakis-Zieger. Frühere größere Schwarmereignisse ereigneten sich unter anderem in den Jahren 2014, 2017 und 2018.
Die Registrierung und die Erforschung der Ursachen dieser Erdbebenschwärme ist ein zentraler Schwerpunkt der Arbeitsgruppe Seismik und Seismologie an der TU Bergakademie Freiberg. Seit Februar 2025 betreibt sie das Sächsische Seismologische Netzwerk „Sachsennetz“, das Teil des Mitteldeutschen Seismologieverbundes ist und vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) finanziert wird. Das Netzwerk umfasst aktuell 22 Messstationen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. „Die Echtzeit-Daten werden automatisch analysiert und anschließend manuell überprüft, um Erdbeben, induzierte Erdbeben sowie nicht-tektonische Signale wie Explosionen zu unterscheiden“, erklärt Alexandrakis-Zieger.
Neben der kontinuierlichen Überwachung seismischer Aktivität untersucht die Arbeitsgruppe die geologischen Strukturen der Erdkruste im Vogtland und in Nordwestböhmen. Ziel ist es, die Prozesse zu verstehen, die zur Entstehung von Erdbebenschwärmen führen. Dazu analysieren die Forschenden sowohl natürliche Erdbebendaten und führen aktive seismische Experimente im Feld durch. Die Untersuchungen liefern hochauflösende Abbildungen von seismisch aktiven Störungen und geologischen Grenzflächen im Untergrund. Diese Arbeiten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit deutschen und tschechischen Forschungseinrichtungen und tragen wesentlich zum Verständnis der seismischen Aktivität in der Region bei.