Viele der Themen, die zwischen dem 3. und 9. Juni 2026 beim Freiberger Universitätsforum diskutiert werden, sind nicht nur für die teilnehmenden Forschenden interessant, sie setzen vielmehr aktuelle, gesellschaftliche Herausforderungen auf die Agenda. Wie machen wir Materialien CO2-neutral und wirklich recyclebar? Wie wirkt sich die Kreislaufwirtschaft künftig auf Transport und Logistik aus? Wer darf eigentlich die Rohstoffe auf dem Mond abbauen?  Drei der Fachkolloquien widmen sich unter anderem diesen Fragestellungen und stehen beispielhaft für einen Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, der an der TU Bergakademie Freiberg geführt wird.

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Linus Stegbauer im Labor
Linus Stegbauer im Labor

Linus Stegbauer ist Junior-Professor für Biogene technische Materialien an der TU Bergakademie Freiberg und organisiert erstmals das Forum Biobased Materials. Biobasierte Werkstoffe bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie sind also in der Natur quasi unendlich verfügbar und CO2-neutral – ganz im Gegensatz zu fossilen Rohstoffen, die heute meist die Basis für zahlreiche Materialien, zum Beispiel für Klebstoffe, darstellen. Diese konventionellen Rohstoffe fallen bei der Kraftstoffproduktion ab, erklärt Juniorprofessor Stegbauer: „Wenn wir jetzt aber Heiz- und Treibstoffe nicht mehr erdölbasiert denken, beispielsweise durch die Elektromobilität, fallen diese Reststoffe nicht mehr an und werden ungleich teurer. Dann brauchen wir Alternativen – und da kommen die biobasierten Werkstoffe ins Spiel.“  

An einer Alternative forscht Stegbauer aktuell: An einem Restprodukt der Zitronensäureproduktion, dem Schwarzen Schimmel. Daraus lassen sich Klebstoffe herstellen, beispielsweise für Holzwerkstoffe wie Spanholzplatten. Der biobasierte Klebstoff könnte am Ende seines Lebenszyklus mit dem Holz gemeinsam recycelt werden. Laut Stegbauer wird in Sachsen an vielen Stellen an nachwachsenden Rohstoffen geforscht. Das BHT-Kolloquium soll die verschiedenen Forschungs-Communities zusammenführen.

Kreisläufe neu denken – auch in der Logistik

Kreisläufe neu zu denken ist auch der Ansatz eines weiteren Fachkolloquiums bei BHT, dem Forum nachhaltige Wertschöpfung: Kreislaufwirtschaft und Logistik, das von Professor Simon Glöser-Chahoud geleitet wird. Wie können Prozess- und Verfahrenstechnik einer Kreislaufwirtschaft angepasst werden, welchen Einfluss hat dies auf Wertschöpfungsketten, was ändert sich für die Transport- und Logistikunternehmen und was kann der Staat tun, um Unternehmen auf dem Weg zur effizienten Kreislaufwirtschaft zu unterstützen? Dazu Simon Glöser-Chahoud: „Die Transformation hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft erfordert ein grundlegendes Neudenken industrieller Wertschöpfungsketten. Dabei geht es nicht nur um neue Recycling- und Verfahrenstechnologien, sondern ebenso um transparente Stoffströme, nachhaltige Logistiklösungen und geeignete politische Rahmenbedingungen. Genau hier setzt unser Forum an: Wir bringen verschiedene Akteure zusammen, um interdisziplinär über konkrete Wege zu einer ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Industrie zu diskutieren.“

Zukunftsthema Weltraumbergbau 

Das Freiberger Forum Rohstoffrecht wird von Professor Dr. Robert Frau geleitet wird und bringt Expertinnen und Experten zum Weltraumbergbau an einen Tisch. „Im Weltraumrecht entfalten private und staatliche Akteure neue Dynamiken: Wer Rohstoffe gewinnt, muss klare internationale Eckpfeiler ebenso kennen wie nationale Gesetze zum Weltraumbergbau – und doch läuft viel davon bislang unter dem Radar. Das Forum Rohstoffrecht soll den Schleier lüften“, sagt Robert Frau. 

Insgesamt präsentieren Forschende der TU Bergakademie Freiberg ihre Themen in vierzehn Fachkolloquien. Weitere Themen sind unter anderem Geotechnik, Robotik und KI und Fragen der Sammlungsdigitalisierung. Spezielle Angebote wenden sich an Promovierende und internationale Gäste. 

Der 77. BHT – das Freiberger Universitätsforum 2026 läuft vom 3. bis 9. Juni 2026 an der der TU Bergakademie Freiberg.

Neben den Fachkolloquien findet am 3. Juni das 36. Krüger-Kolloquium im Schlossplatzquartier statt. In der öffentlichen Eröffnungsveranstaltung hält Professor Reinhard Wagner aus Jena einen Vortrag zur Frage „Gibt es eine Freiberger Romantik? Kunst und Bergbau um 1800. Beginn ist 18 Uhr, Krüger-Hörsaal SOQ-1.301, Prüferstraße 4, 09599 Freiberg.

Campus
Katarzyna Olipra
Graduierten- und Forschungsakademie
Schlossplatzquartier, Prüferstraße 2, 2. OG
09599 Freiberg
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