Mit einem Hubschrauber der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Spezialdrohnen und kilometerlangen, auf dem Boden verlegten Stromkabeln vermisst ein Team der TU Bergakademie Freiberg mit Projekt-Partnern den Untergrund rund um Gottesberg im West-Erzgebirge. Ziel der Messungen ist ein möglichst genaues 3D-Modell der Zinn-Lagerstätten im Untergrund. Gestartet ist das neue Verbundprojekt DESMEX-MinD im März 2026; erste Hubschrauber-Befliegungen im Erzgebirge sind im September dieses Jahres geplant.

Bei einer Infoveranstaltung informiert das Team am 28. August ab 17 Uhr im Raumfahrtzentrum Morgenröthe-Rautenkranz über die Hubschrauberflüge und die Bergbauprojekte.

Bei den Flügen empfängt die am Hubschrauber angebrachte Sonde mit hochsensiblen Magnetfeldsensoren elektrische Signale leitfähiger Erz-Körper, die von auf dem Boden verlegten Stromkabeln angeregt werden. Die umweltschonende Erkundungsmethode wird deshalb Semi-Airborne-Elektromagnetik genannt. Sie wurde in Vorgängerprojekten von den Partnern entwickelt und schon in verschiedenen internationalen Explorationsgebieten in Schweden, Spanien, Namibia und im Harz erprobt. Nun wendet das Team die Weiterentwicklung erstmals im Erzgebirge an. 

„Das Erzgebirge ist mit Bohrungen und geochemischen Daten punktuell schon gut erkundet, allerdings fehlt es an dreidimensionalen Modellen besonders für große Tiefen. Die können indirekt über die Verteilung von Leitfähigkeiten gewonnen werden und damit bessere Berechnungsgrundlagen und Bohransatzpunkte für Bergbauunternehmen liefern“, erklärt Professor Thomas Günther, Experte für Angewandte Geophysik an der TU Bergakademie Freiberg.

Neue Methoden für umweltschonende Rohstofferkundung

Mit Semi-Airborne-Elektromagnetik lassen sich elektrische Eigenschaften von Sedimenten und Gesteinen im Untergrund effizient und hochauflösend über große Gebiete und bis in 1000 Meter Tiefe erfassen – ohne eine einzige Bohrung in die Tiefe. Eine vom Team entwickelte Auswertesoftware erstellt auf Basis der gemessenen Daten dreidimensionale Modelle der elektrischen Leitfähigkeit, die Hinweise auf Vererzungen durch Erzgänge im Untergrund geben.

Ergänzt werden die Auswertungen durch KI-gestützte Prognosen und integrierte Interpretationsansätze von geophysikalischen, geologischen und geochemischen Messergebnissen. Das komplexe Erkundungsverfahren soll von der Forschung in die kontinuierliche industrielle Praxis gebracht werden, weshalb auch Industriepartner aus der Region wie der Geo-Dienstleister Beak Consultants und das Bergbau-Unternehmen Saxore Bergbau beteiligt sind. DESMEX-MinD leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Rohstoffversorgung in Deutschland und Europa.

Verbundprojekt DESMEX-MinD

Projektpartner Forschung: Universität Münster, TU Bergakademie Freiberg, LIAG-Institut für Angewandte Geophysik (Hannover), Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hannover), Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Jena), Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (Hannover). 

Industriepartner: Beak Consultants GmbH (Freiberg), iMAR Navigation GmbH (Sankt Ingbert), supracon AG (Jena) und Saxore Bergbau GmbH (Freiberg). Der Geologische Dienst von Finnland (Espoo) ist assoziierter Partner des Konsortiums. Das Projekt wird noch bis 2029 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

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