Er ist einer der wichtigen ukrainischen Geowissenschaftler der frühen 20. Jahrhunderts – ein Pionier. Joseph Tanatar gehörte zu den ersten Absolventen der Bergbauhochschule in Dnipro (heute Dnipro Technical University), er war der erste Leiter des Instituts für Angewandte Geologie in Dnipro (und blieb es für 44 Jahre), er veröffentlichte umfangreiche Standardliteratur in seinem Fach. Fortgebildet hat sich Tanatar in den Jahren 1904 und 1905 an der Bergakademie Freiberg. Über diese Zeit ist allerdings überraschend wenig bekannt. Eine Studierenden-Gruppe hat sich auf die Spuren Tanatars begeben und präsentiert in der terra mineralia ihre spannende Reise durch die Archive in Freiberg und Dnipro.
Die Ausstellung ist seit 5. November 2026 kostenfrei im Foyer der terra mineralia im Schloss Freudenstein Freiberg zu sehen.
Öffnungszeiten: Di–Fr 10–17 Uhr; Sa, So, feiertags 10–18 Uhr
Die Ausstellung ist im Rahmen eines einzigartigen, interdisziplinären Lehrformats entstanden, einem so genannten COIL. Das steht für Collaborative Online International Learning. In diesem Seminar arbeiten Studierende der TU Bergakademie Freiberg und der DniproTech digital über Ländergrenzen hinweg zusammen. Das Ziel ist dabei zunächst, die Englischkenntnisse beider Seiten zu verbessern: Nicht durch Lehrbücher, sondern in der intensiven Arbeit an einem gemeinsamen Thema, hier der Geschichte Joseph Tanatars. Daria Yarosh, Studentin an der DniproTech, erklärt: „Ich habe nicht einfach Englisch gelernt, sondern es ging darum, mit anderen zu kommunizieren und ihre Haltung zu verstehen.“
Vor mehr als 120 Jahren kam der Ukrainer Joseph Tanatar an die Bergakademie und wurde mit der Matrikelnummer 5050 dort eingeschrieben. Die Zahl hat dem Projekt den Namen gegeben. Aber sie zeigt auch den methodischen Ansatz dieses Projekts, bei dem Lehrende und Studierende aus Freiberg und Dnipro gemeinsam arbeiten. „Es ist ein Geben und Nehmen“, erklärt Dr. Mark Jacob, einer der Projektverantwortlichen der TU Bergakademie Freiberg. „Wir haben jetzt mit Marketing-Studierenden die Ausstellung realisiert. Im Sommer hatten wir auch mit Mineralogie- und Geologie-Studierenden zusammengearbeitet. Ohne unsere Kooperation hätten wir selbst diese Ausstellung nicht vorbereiten können.“ Marketing-Studentin Anastasiia Bidniak aus Dnipro ergänzt: „Wir haben diese Ausstellung für deutsche und ukrainische Studierende gemacht. Dadurch, dass bekannt wird, was Tanatar geleistet hat, wird unsere Zusammenarbeit in Zukunft vielleicht noch effektiver.“
Professor Gerhard Heide vom Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg ergänzt: „Das Projekt hat sich von einem interdisziplären Ansatz zur transdiziplinären Arbeit entwickelt. Beide Studierendengruppen haben eine historische Technik, die Lötrohrprobierkunde, gemeinsam erarbeitet und getestet. Das Interesse ist auf Grund seiner Anschaulichkeit so groß, dass ich gebeten wurde, es in die regulären Praktika zur Mineralbestimmung aufzunehmen.“
Das Projekt 5050 gehört zu einer Reihe von Kooperationen, die die TU Bergakademie Freiberg mit Partnerhochschulen in der Ukraine und Moldau unterhält. Und es wird nicht die letzte Zusammenarbeit sein, so Lena Bussmann Fuentes von TUBAFdigital, das als Projektbüro innovative digitale Lehrprojekte unterstützt: „In den Projekten entstehen ständig neue Ideen aus der gemeinsamen Arbeit. Gerade jetzt öffnen sich durch technische Entwicklungen viele neue Türen. Wir planen unbedingt, diese erfolgreichen Kooperationen in der Lehre weiterzuführen, neue Formate auszuprobieren und noch mehr Fachrichtungen und Studierende einzubeziehen.“
Aber nicht nur Studierende nehmen an dem Austausch teil. Das Programm könnte außerdem über bestehende Förderlinien der DFG fortgeführt werde, so Professor Heide.