Der Lieferroboter ROSEE der TU Bergakademie Freiberg hat am 7. Oktober 2026 erstmals eine längere Überlandfahrt von Freiberg nach Dresden unternommen. Auf rund 25 Kilometern auf eigenen Rädern erprobte das Forschungsteam die autonome Navigation unter realen Bedingungen. Der Versuch zeigte nicht nur, welche Herausforderungen Feldwege, Engstellen und der öffentliche Straßenverkehr für autonome Lieferroboter mit sich bringen, sondern auch, wie wichtig die Erprobung außerhalb des Labors für die Weiterentwicklung neuer Technologien ist.
Um 7:15 Uhr startete ROSEE am RoboLab in Freiberg, verabschiedet von TUBAF-Rektorin Prof. Dr. Jutta Emes. Begleitet von einem Forschungsteam der Professur für Softwaretechnologie und Robotik machte sich der Roboter mit rund fünf Kilometern pro Stunde auf den Weg nach Dresden. Dabei navigierte er in Teilen selbstständig, erkannte seine Umgebung und passte die Fahrweise an. Wurde der Feierabendverkehr zu dicht, reihte sich ROSEE schließlich ganz klassisch in den Stadtverkehr ein und nahm die Straßenbahn bis in die Neustadt. Um 18:50 Uhr erreichte sie ihr Ziel, das 4transferLab in Dresden.
Zwischen Feldweg und Stadtverkehr: Autonomie auf dem Prüfstand
Bisher war ROSEE vor allem auf dem Campus und im Stadtgebiet Freiberg unterwegs. Auf Feld- und Radwegen sowie in ländlichen Ortschaften traf sie nun auf neue Herausforderungen: Hügelige Wege und Grasflächen mussten als befahrbar erkannt, Engstellen richtig eingeschätzt und Straßen ohne Gehwege bewältigt werden. Wo die autonome Navigation an ihre Grenzen stieß, übernahm das Forschungsteam die Steuerung.
„Im Labor können wir viele Situationen simulieren. Aber erst unter realen Bedingungen zeigt sich, wie zuverlässig ein Roboter seine Umgebung versteht und Entscheidungen trifft“, erklärt Prof. Dr. Sebastian Zug von der Professur für Softwaretechnologie und Robotik der TUBAF. „Gerade die Situationen, in denen ROSEE noch Unterstützung brauchte, sind für uns besonders wertvoll. Sie zeigen uns, woran wir weiterforschen müssen, damit autonome Systeme künftig sicher und zuverlässig eingesetzt werden können.“
Forschung für die Mobilität von morgen
Autonome Liefer- und Serviceroboter könnten künftig insbesondere im ländlichen Raum neue Möglichkeiten für Logistik, Versorgung und Dienstleistungen eröffnen. Bis dahin sind neben technischen Fragen auch rechtliche und organisatorische Hürden zu überwinden: Wo dürfen solche Roboter fahren? Welche Sicherheitsanforderungen gelten? Und wie können entsprechende Einsätze genehmigt werden?
An diesen Fragen arbeiten Forschung und Transfer an der TUBAF gemeinsam. Während die Professur für Softwaretechnologie und Robotik die technischen Grundlagen entwickelt, bringt das TUBAF Innovation Center zusammen mit dem 4transferLab in Dresden Kommunen, Verwaltung und weitere Partner zusammen, um Wege für die praktische Erprobung und Anwendung zu schaffen.
Die Erkenntnisse der Fahrt fließen in die Weiterentwicklung von ROSEEs Umgebungswahrnehmung und Navigation ein. Bereits 2027 ist ein weiterer Versuch geplant. Dann soll ROSEE ihre Umgebung noch besser verstehen und möglichst die gesamte Strecke selbstständig bewältigen.
ROSEEs Reise in Bildern: Eindrücke und Stationen der Fahrt von Freiberg nach Dresden gibt es hier.