Aus der Geschichte der TU Bergakademie Freiberg

Am 21. November 1765 wurde mit der Bergakademie Freiberg eine montanwissenschaftliche höhere Bildungseinrichtung gegründet. Nach den Verheerungen des Siebenjährigen Krieges wurde der Aufschwung für das Land durch Mehrung des Wissens über die Gewinnung, Auf- und Weiterverarbeitung von Rohstoffen befördert. Es ist der hohen Qualität in Lehre und Forschung und einer neuartigen Verbindung von Theorie und Praxis zu verdanken, dass die Bergakademie Freiberg rasch den Ruf einer weltweit führenden montanwissenschaftlichen Bildungseinrichtung erwarb.

Heute ist die TU Bergakademie Freiberg die älteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt.

Zukunft aus Tradition - Geschichtlicher Abriss der TU Bergakademie Freiberg

Friedrich Anton von Heynitz, Mitbegründer der BergakademieGründung in Zeiten der Not

Friedrich Anton von Heynitz, sächsischer Generalbergkommissar sowie Mitglied der Landesökonomie-, Manufaktur- und Kommerziendeputation, machte gemeinsam mit dem Freiberger Oberberghauptmann Friedrich Wilhelm von Oppel am 15. November 1765 dem in Freiberg weilenden Prinzregenten Xaver den Vorschlag, einen aus Landesmitteln finanzierten Geldfonds zur Einrichtung einer geometrischen Zeichenschule sowie einer metallurgischen und chemischen Schule bereitzustellen. Für das im Ergebnis des Siebenjährigen Krieges wirtschaftlich am Boden liegende Sachsen war als reformerische Maßnahme die Anhebung des Bildungsgrades der Bevölkerung vorgesehen. Der Vorschlag passte in das Reformkonzept der Restaurationskommission. Schon ein halbes Jahr später konnten die Vorlesungen beginnen und die »Berg-Akademie« war geboren.

Abraham Gottlob Werner, der bedeutendste Lehrer der BergakademieAbraham Gottlob Werner

Ordnung in die Welt der Minerale und Gesteinsschichten brachte Abraham Gottlob Werner (1749-1817), der bedeutendste Lehrer der Bergakademie. Er gilt als Begründer der Geognosie, der Lehre von der Struktur und dem Bau der festen Erdkruste, die als der Vorläufer der Geologie bezeichnet werden kann. Er schuf die Grundlagen, auf denen sich Mineralogie und Lagerstättenlehre als eigenständige Wissenschaften entwickeln konnten. Dabei zog Werner so bedeutende Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt, Franz Xaver von Baader, Leopold von Buch, Friedrich Mohs, und Robert Jameson an.
1808 wurde in England eine wissenschaftliche Gesellschaft, die Wernerian Natural History Society, nach ihm benannt. Ihre Mitglieder widmeten sich der Mineralogie, der Pflanzen- und Insektenkunde sowie der Durchführung von Forschungsexpeditionen.
Werner entwickelte sich in Freiberg zu einem weltberühmten Wissenschaftler, Hochschullehrer und Bildungsreformer. Mit seiner Berufung zum Inspektor und Lehrer für Mineralogie im Jahre 1775 mehrte sich der internationale Ruf der Freiberger Bergakademie.

Clemens Alexander WinklerWissenschaftliche Glanzleistungen

Mit August Wilhelm Lampadius (1772-1842) ging den Freibergern ein Licht auf. Der Professor montierte als erster auf dem europäischen Kontinent eine Gaslaterne an sein Wohnhaus in der Freiberger Fischergasse und entwickelte das Prinzip der Gasbeleuchtung so weit, dass es erstmals auch für eine Industrieanlage eingesetzt werden konnte. Er war es auch, der 1796/97 mit seinem chemisch-metallurgischen Laboratorium das erste Hochschullabor der Welt einrichtete.

Als bei der chemischen Analyse eines Minerals immer wieder eine Differenz auftrat, isolierte 1886 Clemens Alexander Winkler (1838-1904) das chemische Element Germanium und bestätigte damit Dmitri Mendeleeff Periodensystem der Elemente, durch dessen Aufstellung Mendelejew ein Element mit den Eigenschaften des Germaniums als »Ekasilizium« vorausgesagt hatte. Schon 1863 hatten der Chemiker Hieronymus Theodor Richter (1824-1898) und der Physiker Ferdinand Reich (1799-1882) das Metall Indium gefunden. Seinen etwas irreführenden Namen erhielt es wegen seiner charakteristischen indigoblauen Spektrallinie.

Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg alias NovalisTiefer liegende Einsichten

Der Romantik-Dichter Novalis (1772-1801), sein Künstlername bedeutet »der Neuland Bestellende«, eigentlich hieß er Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, verwendet 1798 von Freiberg aus zum ersten Mal dieses Pseudonym für seine literarischen Schriften. Von Ende 1797 bis Mai 1799 studiert er in Freiberg. Neben Vorlesungen, Exkursionen und Schichten untertage entstehen hier Werke wie »Blütenstaub« oder »Hymnen an die Nacht«.

Viele Impulse nahm er aus dem Bergbau auf, um sie in seinem künstlerischen Gestalten zu verarbeiten. Tiefsinnige Gedanken über die Entstehung und das Innere der Erde werden verbunden mit Einsichten in das Wesen des Menschen, der Geschichte, der Gesellschaft. Das 5. Kapitel des Romanfragments »Heinrich von Ofterdingen« gibt ein unvergleichliches und unübertroffenes Bild des Bergbaus an sich, ja des Mythos Bergbau.

Zwar nicht als Studenten, ganz sicher aber auch zu Studienzwecken, waren außerdem noch der Dichter und Naturwissenschaftler Michail Wassiljewitsch Lomonossow in Freiberg, der russische Zar Peter I., Johann Wolfgang von Goethe...

UniversitätskarzerLebendige Geschichte

Zu den eher kuriosen Fakten der Geschichte der Freiberger Bergakademie gehört der Karzer, der von 1851-1872 in Betrieb war und noch heute zu besichtigen ist. Anfangs saßen die Studenten hier beispielsweise wegen der Nichtabgabe von Büchern oder Belegen, später für schwerere Vergehen wie die Beleidigung von Lehrern oder Kommilitonen oder Auseinandersetzungen mit Freiberger Nachtwächtern ein. 14 Tage dauerte die längste im Karzerbuch belegte Strafe. In den rund 20 Jahren seines Bestehens wurden allerdings nur 48 Studenten mit Karzer bestraft.


Quelle: Wissenschaft vor Ort. Bilder zu Geschichte und Gegenwart der TU Bergakademie Freiberg. 2. Auflage, Freiberg 2007.

 Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF)Die Zeit zwischen 1945 und 1990

Für den Aufbau der Grundstoffindustrie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ab 1945 wurde an der Bergakademie Freiberg der Lehr- und Forschungsbetrieb rasch wieder aufgenommen. Die Hochschule erfuhr einen bedeutenden Ausbau ihrer räumlichen Kapazitäten. Damit einher ging eine Aufstockung des Personalbestandes sowie die Ausweitung der Kapazitäten in Forschung und Lehre. Das Lehrangebot veränderte sich durch die Einrichtung neuer Studiengänge. Zugleich wandelte sich die Zusammensetzung der Studentenschaft. Der Frauenanteil stieg steil an. Die Öffnung der Bergakademie für "Arbeiter- und Bauernkinder" erfolgte durch eine sozial bestimmte Vergabe der Studienplätze und durch den Aufbau der Vorstudienanstalt, ab 1949 Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) genannt.

Quelle: Wissenschaft vor Ort. Bilder zu Geschichte und Gegenwart der TU Bergakademie Freiberg. 2. Auflage, Freiberg 2007. S. 167.

  UniversitätshauptgebäudeSeit 1990: Die Bergakademie an der Schwelle des 21. Jahrhunderts

Nach dem Eingliederung der Bergakademie Freiberg in das westdeutsche Hochschulsystem ist es ihr gelungen, sich rasch in der Hochschullandschaft zu positionieren. Als erste ostdeutsche Hochschule wurde die Bergakademie Freiberg Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Sektionen wurden dem Vertrag gemäß abgewickelt. Da jedoch die Wirtschaftswissenschaften von entscheidender Bedeutung für Freiberg sind, da sie viele Studenten hierher bringen, wurde in den 1990er Jahren eine neue wirtschaftswissenschaftliche Fakultät mit 15 Professuren aufgebaut.

An allen sächsischen Hochschulen wurden nach 1990 die Lehrkörper neu gebildet. Alle Professoren verloren gewissermaßen ihre Stelle, neue Lehrstühle wurden geschaffen und ausgeschrieben. Im Ergebnis waren die Professuren zu 50 % von alten Lehrstuhlinhabern besetzt, 25 % waren frühere Dozenten und Oberassistenten sowie 25 % westdeutsche, aus der übrigen früheren DDR stammende und ausländische Fachleute.

Im März 1993 erfolgte die Umbenennung zur "Technischen Universität Bergakademie Freiberg".
In den frühen 90er Jahren sanken die Studentenzahlen stark ab. 1993 gab es weniger als 2000 Studierende. Eigene Anstrengungen in der Studienwerbung, Hilfe von Freunden beim Marketing, der generelle Wunsch der Ostdeutschen, wie die Westdeutschen in der Heimat zu studieren sowie die besonderen Studienangebote in Freiberg und neue, zeitgemäße Studiengänge wie Geoökologie, Umwelt-Engineering und Angewandte Naturwissenschaft und gute Stellenaussichten bei den meisten Studiengängen führten zu einer raschen Erholung und zu Studentenzahlen von über 4500. Heute studieren in Freiberg 5600 Studenten.

Das heutige Forschungsprofil der TU Bergakademie Freiberg wird durch die vier Wissenschaftsgebiete Geo, Material / Werkstoffe, Energie und Umwelt charakterisiert. Die Universität ist führend bei der Drittmitteleinwerbung. 2004 erreichte sie zum ersten Mal den ersten Platz unter den ostdeutschen Universitäten. Sie ist heute bei den Drittmitteleinwerbungen pro Professor die führende Universität in den neuen Bundesländern. 

Quelle: Wissenschaft vor Ort. Bilder zu Geschichte und Gegenwart der TU Bergakademie Freiberg. 2. Auflage, Freiberg 2007. S. 205ff.