Internationale Ressourcenpolitik und Entwicklungsökonomik

Internationale Ressourcenpolitik

Viele natürliche Ressourcen müssen von internationalen Märkten importiert werden und sind aber kritisch in dem Sinne, dass diese Versorgung mit Risiko behaftet ist. Das gilt beispielsweise heute um so mehr für die sogenannten „seltenen Erden“, welche in der Informationstechnologie und in den Ausbau einer Energieversorgung durch erneuerbare Energieträger EDinsatz finden. Die Analyse der internationalen Ressourcenpolitik fokussiert auf ökonomische Wirkungen, die durch strategisches Verhalten auf den Ressourcenmärkten zu erwarten sind.
Aus Sicht eines netto ressourcenimportierenden Landes wie Deutschland ist es Aufgabe der internationalen Ressourcenpolitik, die für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit notwendige Versorgung der deutsche Wirtschaft mit natürlichen Ressourcen abzusichern. Diese Politik ist nur dann nachhaltig, wenn sie die Interessen aller beteiligten Länder berücksichtigt. Die Bedingungen der internationalen Ressourcenpolitik haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert, nicht zuletzt durch die steigende Rohstoffnachfrage neuer Akteure, wie insbesondere den nachholenden Wirtschaften „emerging markets“.
Die multilaterale Institution der Welthandelsorganisation (mit ihrem Streitschlichtungsverfahren, dem sogenannten „dispute settlement body“) ist heute die letzte Instanz im multilateralen System des Welthandels. Das Beispiel Chinas und seiner Ressourcenpolitik ist hier besonders lehrreich.

Ressourcenreichtum als Entwicklungsbedingung

Auf der Angebotsseite ist die Wirkung eines Ressourcenreichtums eines Landes eine Frage des Preises der Ressource und seiner Produkte, als auch der Technologie seiner Nutzung und seiner Substitutionsmöglichkeiten (die Kritikalität der Ressource).
Zunächst einmal ist zu erwarten, dass ein Vorhandensein natürlicher Ressourcen eine positive Entwicklungsbedingung darstellt. Das aber muss keinesfalls in einer schnelleren wirtschaftlichen Entwicklung ressourcenreicher Ökonomien resultieren. Rohstoffreichtum kann in einem sogenannten „Ressourcenfluch“ münden, der einer raschen und nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung entgegensteht. Die negativen Entwicklungswirkungen begründen sich aber nicht nur auf Politikversagen, Schwächen bei marktabsichernden Institutionen und Korruption, sondern auch auf ökonomische Gesetzmäßigkeiten, die sich aus Mechanismen funktionsfähiger Märkte ergeben (beispielsweise die sogenannte „holländische Krankheit“ oder der Preisfluktuationen oder geringen Vernetzungsintensität der Ressourcenwirtschaft mit anderen Wirtschaftssektoren). Darüber hinaus sind es auch die Bedingungen der Internationalisierung, auf Ebene multinationaler Unternehmen und internationaler Verhandlungen über bi- und multilaterale Handels- und Ressourcenpolitik, die die Chancen für nachholende Entwicklung in ressourcenreichen Ökonomien bedingen.
Daneben stellt sich die Frage nach der zeitlichen Dimension in der Verwendung der natürlichen Ressource. Wird sie als Produktionsfaktor verstanden und ist die Ressource endlich, dann wäre der Aufbau die Ressource ersetzender Produktionsfaktoren (z.B. Produktionskapital, Infrastruktur oder Humankapital) rational. Hier jedoch versagt der Markt in der überwiegenden Mehrheit der ressourcenreichen Länder. Dabei ermöglichten Erlöse aus der Ressourcenwirtschaft eine Verbreiterung der wirtschaftlichen Aktivität jenseits des Ressourcensektors. Externes Engagement in Regionen mit weiter in die Zukunft reichenden Ressourcen oder auch in ressourcenarme Wirtschaften zum Zwecke der Diversifikation eröffnen darüber hinaus neue Perspektiven internationaler wirtschaftlicher Integration und nachholender, langfristig stabiler Wirtschaftsentwicklung.

Zukunft des Multilateralismus im Welthandel

Mit dem nunmehr jahrrzehntelang anhaltenden Erstarken der chinesischen Wirtschaft ergeben sich für die internationale Wirtschaft insgesamt besondere Chancen und Herausforderungen. Das bisherige System eines globalen multilateralen Paradigmas um die Institutionen Weltbank, Internationaler Währungsfonds und der UN zeichnete sich durch eine Art der Steuerung aus, an der alle Länder zumindest einen gewissen Anteil haben konnten. Außerdem unterliegt sie dem Prärogativ der Transparenz der Entscheidungen und der Mittelverwendung.
Chinas Politik der wirtschaftlichen Internationalisierung der vergangenen Jahre ("One belt one road"; andere wirtschaftliche Korridore; Entwicklungspolitik über Infrastrukturinvestitionen verknüpft mit der Akquirierung von natürlichen Ressourcen; die Asian Infratructure Investment Bank/AIIB, etc.) deuten das Erwachen eines neuen Zeitalters an.