Oscar Walter Oelsner

 Einst Forscher der Lagerstättenkunde: Erinnerung an Oscar Walter Oelsner

Oscar Walter Oelsner in seiner Funktion als Rektor der TU Bergakademie FreibergOscar Walter Oelsner stand an der Bergakademie Freiberg in unmittelbarer Tradition des „Vaters der Geologie“ Abraham Gottlob Werner, dessen makroskopische Beschreibung der Lagerstättenparagenesen er durch seine erzmikroskopisch geprägte Beschreibung ergänzte. Oelsner entwickelte die klassische Freiberger montangeologische Arbeitsrichtung zielstrebig weiter.

Oscar Walter Oelsner wurde am 13. Februar 1902 in Trier geboren. Seine Liebe zur Natur, besonders zur Mineralogie, Petrografie und Geologie, wurde auf der Dreikönigsschule in Dresden-Neustadt geweckt. Nach der Reifeprüfung nahm er das Studium an der Bergakademie Freiberg auf dem Gebiet der Bergbauwissenschaften auf. Während des Studiums hatte er sich besonders der Lagerstättenkunde gewidmet und mit erzmikroskopischen Studien beschäftigt. Von seinen Hochschullehrern haben die Professoren Schumacher, Kolbeck und Schreiter seinen Werdegang besonders beeinflusst. 1927 erwarb er das Diplom als Bergbauingenieur.

Nach Abschluss des Studiums blieb er zunächst als Assistent am Institut für Geologie und Lagerstättenkunde und promovierte 1929 mit einer erzmikroskopischen Arbeit „Beiträge zur Kenntnis der kiesigen Bleierzformation Freibergs“. Danach begann Oelsner seine praktische Tätigkeit als Montangeologe im Erzgebirge und später in Anatolien. Hier war er zunächst im Manganerzbergbau Ovacik tätig. Später arbeitete er im Lagerstätten-Forschungsinstitut der türkischen Regierung in Ankara.

Anfang 1939 kehrte Oelsner nach Freiberg zurück und war in der Lagerstättenforschungsstelle, später in der Bergwirtschaftsstelle des Oberbergamtes Freiberg tätig. In dieser Zeit lernte er die Lagerstätten des Erzgebirges gründlich kennen und hatte auch Gelegenheit, Lagerstätten in anderen Ländern zu studieren. Nach 1945 stellte Oelsner seine Kenntnisse der sächsischen Erzlagerstätten, durch seine Mitarbeit an einer beim Institut für Geologie und Lagerstättenlehre der Bergakademie verfassten Monografie der Mitteleuropäischen Erzlagerstätten, zur Verfügung. Im Anschluss daran war er beim Oberbergamt Freiberg und später bei der Landesregierung Sachsen, Referat Bergbau, tätig und betreute vor allem die landeseigenen Flussspatgruppen und die Westsächsischen Braunkohlen-Kleinstvorkommen.

1950 erhielt Oelsner einen Lehrauftrag für spezielle Erzlagerstättenkunde an der Bergakademie Freiberg und habilitierte sich 1952 für das Fachgebiet Mineralogie und Lagerstättenkunde mit der Arbeit „Die pegmatitisch pneumatolytischen Lagerstätten des Erzgebirges mit Ausnahme der kontaktpneumatolytischen Lagerstätten“. 1952 wurde er zum Professor mit Lehrauftrag für Lagerstättenkunde und 1954 zum Professor mit vollem Lehrauftrag berufen. Schließlich wurde er 1959 zum Direktor des Instituts für Mineralogie und Lagerstättenlehre ernannt. Außer seiner Lehrtätigkeit war Oelsner auch ein anerkannter Forscher auf dem weiten Gebiet der Metallogenie.

Einen neuen Weg der Unterrichtsmethodik beschritt er in dem 1961 erschienenen „Atlas der wichtigsten Mineralparagenesen im mikroskopischen Bild“. Insgesamt zeugen weit über 50 wissenschaftliche Publikationen von der Schaffensfreude des unermüdlich tätigen Lagerstättenforschers. Von 1959 bis 1961 war Oelsner Rektor der Bergakademie Freiberg. Zahlreich sind die Ehrungen und Anerkennungen, die dem Forscher und Praktiker zuteil wurden.

1957 wurde er als „Verdienter Bergmann“ ausgezeichnet und 1962 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Silber. Die Geologische Gesellschaft in der DDR verlieh ihm 1963 die Serge von Bubnoff-Medaille. Nach längerem Leiden starb Oscar Walter Oelsner 1963 und wurde auf dem Donatsfriedhof in Freiberg beigesetzt.

(Prof. Dr. Ing. habil. Gerd Grabow)