Energiesparen im akademischen Betrieb, 2.0

Sparsam mit Energie umgehen wird wichtiger denn je. Für alle, die das übliche Energiesparverhalten bereits perfekt beherrschen, hier einige weitere Fakten und Tipps.

Als Nutzerinnen und Nutzer der akademischen Infrastruktur können wir durch unser Verhalten maßgeblich mitbestimmen, wieviel Energie und Ressourcen der Universitätsbetrieb verbraucht. Viele achten auf einen sparsamen Umgang und denken an die „Klassiker“: Licht ausschalten, Heiztemperatur regulieren, Papier sparen, umweltfreundlich pendeln. Diverse Initiativen die sich um einen umweltfreundlicheren Universitätsbetrieb bemühen haben aber darüber hinaus wichtige Energiesparbereiche identifiziert. Hier drei Bereiche, die sich auf die Situation der TU Bergakademie Freiberg gut übertragen lassen:

Energiesparende „best practices“ im IT-Bereich

Die Digitalisierung hat ihren Preis, auch elektronische Arbeit benötigt Energie. Wir nehmen diese Tatsache oft nur aus Sicht der Hardware wahr. Computer, Laptops und Smartphones verbrauchen Strom der zum Teil in Form von Wärme verschwendet wird. Aber auch Software hat einen Einfluss. Obwohl die Hardware die Energie verbraucht, ist es die Software, die diesen Verbrauch auslöst. Je ineffizienter die Software, desto härter müssen Computersysteme arbeiten, um ihre Funktionen zu erfüllen.

Das Umweltbundesamt unterstützt seit kurzem softwareseitige „green IT“ Verbesserungen indem sie energiesparende Software mit dem ‚Blauen Engel‘ auszeichnet. Der erste Blaue Engel für Software wurde an Okular verliehen, ein universeller Document Viewer (ähnlich dem Acrobat Viewer). Okular entstammt einem Open-Source-Softwareentwickler und hat, neben dem geringen Stromverbrauch, viele gut nutzbare und ausgereifte Features (Textmarkierung, Notizen, etc.). Es ist das erste Computerprogramm, das offiziell als umweltfreundlich zertifiziert wurde.

Energieverbrauch durch Dienstreisen

Dass Dienstreisen viel Energie verbrauchen liegt auf der Hand. Wie viel genau wird aber selten bilanziert. Eine (open access) Studie der Universität Montreal kommt zu dem Schluss, dass akademisches Reisen 30% des Kohlenstoff-Fußabdrucks der Universität ausmachen. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat einen „Denkanstoß“ zu akademischen Reisen veröffentlicht.

Sie beschreibt das Dilemma, dass persönlicher Austausch einerseits unersetzbar für einen innovativen Forschungsbetrieb ist, aber gleichzeitig sehr ressourcenintensiv. In beiden Fällen geben die Autorinnen und Autoren Empfehlungen: mehr virtuelle Meetings, nur gut ausgewählte Konferenzen besuchen, Bahn statt Flugzeug nutzen (ggf. auch erste Klasse oder im Nachtzug), die Dauer des Aufenthalts verlängern um den akademischen Mehrwert der Reise zu maximieren (da diese Reisen oft sehr kurz sind).

Arbeiten im „Green Lab“

Laborgebäude sind starke Energieverbraucher, fünf- bis zehnmal mehr Energie pro Quadratmeter als herkömmliche Bürogebäude. Es sind drei Bereiche, die diesen hohen Verbrauch maßgeblich ausmachen: Ventilation, Heizen, Kühlen.

Abzüge verbrauchen eine große Menge an Strom, es lässt sich aber aus Gründen des Arbeitsschutzes kaum auf sie verzichten. Sie transportieren zudem im Winter geheizte Innenluft nach draußen. Zudem sind sie in ihrer Bauart oft nicht regelbar. Wichtig für den Laborbetrieb ist also: Abzüge regulär geschlossen halten und, wo und wann möglich, runterregulieren.

Kühlgeräte sind ebenso entscheidende Verbraucher. Bei Kühlgeräten im Labor gilt, wie auch zuhause, sie sollten regelmäßig abgetaut werden. Ultra-Tiefkühler (-80°C) können auch auf -70°C laufen, ohne dass die Integrität der Proben beeinflusst wird, was den Stromverbrauch um bis zu 29% verringert.

Viele weitere Tipps finden sich z.B. in Harvards „Green Lab Guide". Ein energieeffizientes Labor ist in hohem Maße eine Teamleistung, die eine Kombination von vielen verschiedenen Maßnahmen erfordert. Traut Euch diese zu implementieren!