Ganztagsexkursion nach Görlitz am 1. Juli 2017

Sie können zwischen zwei verschiedenen Programmabläufen wählen.

Variante 1:

  • Stadtführung durch die historische Altstadt
    • Dauer: ca. 90 Minuten (dt./engl.)
  • Führung durch die Sammlungen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften (OLGdW)

Im Herzen der Görlitzer Altstadt befindet sich das Barockhaus Neißstraße 30. Mit großen Geschäfts- und repräsentativen Privaträumen war es das bedeutendste Handels- und Wohnhaus der Barockzeit in Görlitz.Historischer Bibliothekssaal (Foto: H. Meyer zur Capellen) Zugleich war es lange Zeit geistiges Zentrum der Oberlausitz. Von 1804 bis 1945 hatte die 1779 gegründete OLGdW hier ihren Sitz. Heute beherbergt es als Museum die vielfältigen Zeugnisse des Sammelns und Forschens der Gesellschaft. Besonders eindrucksvoll ist ihr historischer Bibliothekssaal.

Bei einer Führung durch das Haus wird der Leiter der Bibliothek. Matthias Wenzel, die sehr unterschiedlichen Betätigungsfelder der Gesellschaft vorstellen. Dabei gilt dem auf die OLGdW zurückgehenden geowissenschaftlichen Fundus besondere Aufmerksamkeit. In einer für die Spätaufklärung seltenen Form sind sowohl geowissenschaftliche Objekte mit ihren historischen Etiketten, als auch handschriftliche Quellen, verschiedene Printmedien sowie weitere Sachquellen überliefert und das fern der heutigen wie damaligen akademischen Standorte. Als integraler Bestandteil ist darin der Nachlass von Adolf Traugott von Gersdorf (1744-1807) hervorzuheben, der zwischen ca. 1765 und 1807 intensive Forschungsinteressen durch Reisen und Korrespondenzen verfolgte. Mit dem Fokus auf seinen Nachlass wird Dipl.-Geol. Anke Tietz die Forschungsziele und -praktiken von Akteuren der Scientific Community veranschaulichen, die in europaweiten Netzwerken den Erkenntnisfortschritt vor der universitären Etablierung der modernen Naturwissenschaften vorantrieben.

Geowissenschaftliche Objekte in einem historischen Sammlungsschrank von 1794 (Kulturhistorisches Museum Görlitz, Foto: O. Tietz)Rauchquarzkristalle mit historischem Etikett von 1786 (Kulturhistorisches Museum Görlitz, Foto: O. Tietz)

 

 

 

 

 

 

Dauer: ca. 90 Minuten (dt./engl.)

Literaturhinweis:

Kunst und Wissenschaft um 1800. Die Sammlungen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz

Variante 2:

  • Geologische Exkursion auf die Landeskrone

Der Exkursionstag nach Görlitz führt in das Lausitzer Vulkanfeld, das neben der Eifel, dem Vogelsberg und der Rhön zu den bedeutenden tertiären Vulkangebieten Deutschlands zählt.Bild: Landeskrone
Die landschaftsprägenden kegelförmigen Basalthöhen der Oberlausitz sind in den ältesten geologischen Karten Sachsens verzeichnet (Lommer 1768, Charpentier 1778) und seit der Aufklärung ein kontinuierlicher Forschungsgegenstand um das Thema Vulkanismus, der auch aktuell an internationale Forschungsschwerpunkte angebunden ist.
Der Geologe Dr. Olaf Tietz (Leiter der Sektion Geologie am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz) wird in einer Fußexkursion auf die Landeskrone, einem der markantesten Vulkankegel des Lausitzer Vulkanfeldes führen und sowohl aktuelle vulkanologische Forschungen und Ergebnisse vorstellen, als auch auf historische Forschungsfragen und Untersuchungspraktiken eingehen. Gerade auch die Landeskrone lieferte sächsischen Forschern zum brisanten Thema Basaltentstehung in den 1780er Jahren die auf eine vulkanische Entstehung hinweisenden Fakten.

Auf dem Gipfel ermöglicht ein 1796 erbauter Aussichtsturm einen Blick auf Görlitz und Umgebung und das Burghotel Landeskrone durch Mittagessen und Landskronbier eine Stärkung.

Bild: Geologische Profilrekonstruktion des Landeskrone-Vulkans Bild: Basaltschlacke von der Landeskrone

 

 

 

 

 

Dauer: ca. 4,5 h (inklusive Mittagspause)

Anforderungen: ca. 5 km Fußwanderung mit 150 m Aufstieg, z.T. über schmale und auch steile Wanderpfade. Den Teilnehmern wird festes Schuhwerk und wettergerechte Kleidung empfohlen.

Literaturhinweis:

Büchner, J. & Tietz, O. (2012): Die östlichsten Vulkane Deutschlands – Das Lausitzer Vulkanfeld. – In: Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Ein-Blicke – Vom Gestern zum Heute. 25 Jahre Deutsche Vulkanologische Gesellschaft e.V., Görres Druckerei und Verlag GmbH Koblenz, 39–46

Büchner, J. & Tietz, O. (2012): Reconstruction of the Landeskrone Scoria Cone in the Lusatian Volcanic Field, Eastern Germany – Insights on a large sized monogenetic volcano, long-lasting degradation of volcanic edifices and implications for the landscape evolution. – Geomorphology 151–152: 175–187