Münzen & Medaillen

Obwohl sie kein Bibliotheksgut im ursprünglichen Sinne ist, wird die numismatische Sammlung der TU Bergakademie Freiberg seit Anfang der 1970er Jahre in der UB Freiberg aufbewahrt. In ihrer überaus wechselvollen Geschichte wurde sie entweder als unbedeutend abgeschoben oder als besonders wertvoll bezeichnet und deshalb mit den höchstmöglichen Sicherheitsmaßnahmen unter Verschluss gehalten. Beides ist sicher nicht gerechtfertigt.

Sucheinstieg Digitales Münzkabinett TU Freiberg Historische MünzeDas Projekt NUMiD war deshalb für die UB Freiberg und die numismatische Sammlung ein ausgesprochener Glücksfall. Mit dem NUMiD-Verbund haben die deutschen Universitätssammlungen erstmals die Chance, im Bereich der Dokumentation und Präsentation ihrer numismatischen Sammlungsobjekte koordiniert vorzugehen und für alle beteiligten Sammlungen ein System einzuführen, das sich auf aktuellem technischem Niveau befindet. Darüber hinaus gewährt es den einzelnen Sammlungen eine umfassende Flexibilität und ermöglicht sowohl die Präsentation der eigenen Bestände auf einer lokalen Plattform als auch eine gemeinsame Präsentation aller am Verbundprojekt beteiligter Universitätsbestände in Deutschland (gegenwärtig ca. 100.000 Objekte) auf dem NUMiD-Portal. Die Sichtbarkeit der universitären Münzsammlungen in Deutschland wird sich damit deutlich erhöhen; der Mehrwert für Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit liegt auf der Hand. Die sich nun ergebenden Forschungsvorhaben werden nachhaltige Impulse für weitere Arbeiten an und mit den Beständen der universitären Münzsammlungen in Deutschland setzen.

Die einst ebenfalls von Abraham Gottlob Werner anlegte Münz- und Medaillensammlung ist die erste Sammlung der TU Bergakademie die nicht nur digitalisiert wird, sondern auch über ein bundesweites Fachnetzwerk für die weltweite Forschung und Lehre zur Verfügung steht. Unter dem Kürzel NUMiD (Netzwerk Universitärer Münzsammlungen in Deutschland) haben sich 2016 bundesweit 26 Universitäten zusammengeschlossen, um ein gemeinsames „Digitales Münzkabinett“ zu schaffen, das die Bestände universitärer Sammlungen virtuell zusammenführt, eLearning-Module bereitstellt, online-Ausstellungen präsentiert und weitere Angebote aus dem Bereich numismatischer Forschung und Lehre zur Verfügung stellt. Neben den großen Universitäten Frankfurt am Main, Heidelberg, Göttingen, Marburg, Stuttgart oder Tübingen beteiligen sich auch die sächsischen Universitäten Leipzig und Freiberg an diesem Projekt, das die universitäre Numismatik in Deutschland einen wichtigen Schritt voranbringen wird.

Mit ihren ca. 6.600 antiken Münzen (393 griechische, 5331 römische und 910 mittelalterliche und neuzeitliche Münzen) und den etwa 1.500 bergmännischen Geprägen gehört die numismatische Sammlung der TU Bergakademie zu den größeren universitären Sammlungen und wird einen durchaus bedeutenden Beitrag im Verbund leisten können.

Angelegt wurde die Sammlung etwa 1806 – allerdings offensichtlich nicht nach numismatischen Gesichtspunkten. Münzen und Medaillen werden als metallene Spiegel der gesamten alten Welt bezeichnet. Sie reflektieren die Natur, kopieren deren Erzeugnisse und die daraus gefertigten Artefakte, sie bezeichnen die Fortschritte der Künste und sie begleiten die bürgerliche Gesellschaft durch alle Zustände ihrer Entwicklung. Dazu gehören: das Städteleben, Gesetze, Kriege, Eroberungen oder Friedensschlüsse, Regierungswechsel, der Handel, die Kolonien und die Völkerbünde, sie verewigen die Schicksale erlauchter Geschlechter und erhalten die Persönlichkeiten bedeutender Männer und Frauen in lebendigem Andenken. Das gilt im Falle der Wernerschen Sammlung speziell für die sächsische Geschichte. Denn auch die hiesigen Münzstätten insbesondere Freiberg (1244-1556) und später Dresden (1556-1886) prägten Münzen und Medaillen zu besonderen Anlässen. Neben einer Reihe von Ausbeutetalern für den regionalen Bergbau, wurden Gedenkmedaillen a.u. zu Jubiläen der sächsischen Kurfürsten und deren Familien, zu Stadtgründungsjubiläen, oder anderen besonderen Anlässen geprägt. Vom Erz zur Münze ist die Verbindung des sächsischen Silberbergbaus zum Finanz- und Wirtschaftsleben Sachsens. Heute ließe sich mit der Sammlung ein geprägtes Geschichtsbuch sowohl des erzgebirgischen Bergbaus als auch der historischen Entwicklung Sachsen präsentieren.

Gemälde von Abraham Gottlob WernerAbraham Gottlob Werner hatte aber noch eine völlig andere Überlegung, als er seine numismatische Sammlung anlegte. Er wollte anhand von Münzen die Völkerwanderung nachvollziehen und so u. a. die Entwicklung der Sprachen erforschen.

Nach dem Tode Werners 1817 erbte die Bergakademie die recht umfängliche Privatsammlung und ließ sie fachmännisch katalogisieren. Nur wenige Jahre nach der Erarbeitung der ersten Kataloge begann die spannende Odyssee der Sammlung. Da die Bergakademie sie weder sinnvoll nutzten noch sicher erhalten konnte, versuchte man mehrfach die Sammlung zu veräußern. Dies gelang jedoch nicht. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg die Bestände des Berliner Münzkabinetts als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht werden mussten, erinnerte sich die Museumsleitung in Berlin an die numismatische Sammlung in Freiberg. So trat diese im Jahr 1951 ihre Reise nach Berlin an. Als 1959 die Berliner Sammlung nach Deutschland zurückkehrt war, wurde auch über die Rückführung der Werner‘schen Münzsammlung nach Freiberg verhandelt. Nachdem diese im Jahr 1966 erfolgt war, gingen die Münzen und Medaillen Anfang der 1970er Jahre in den Bestand der UB Freiberg über. Neben den antiken Münzen dokumentiert die Sammlung eindrucksvoll die Münz- und Medaillengeschichte Sachsens seit dem Mittelalter.

Um sie jedoch künftig besser nutzen zu können, war es nötig, die gesamte Sammlung zu digitalisieren und über das vorhandene Katalogisat hinaus fachgerecht zu erschließen.

Über entsprechende Schnittstellen wird die numismatische Sammlung der TU Bergakademie Freiberg in naher Zukunft ihre Bestände auch über die Plattformen museum-digital und Europeana als Open Access-Ressource zur Verfügung stellen können.