Bergmännische Grubenrisse

Für die UB Freiberg begann der Weg ins digitale Zeitalter mit ihrer Beteiligung am sächsischen Kartenforum. Unter Federführung der SLUB Dresden wurde bereits im Frühjahr 2004 ein entsprechendes Projekt zur Digitalisierung von topografischen Karten und Stadtplänen für das Land Sachsen vorgestellt. Da der Bestand an derartigem Material für eine Beteiligung nicht ausreichte, stieg die UB Freiberg damals mit der Sammlung Sächsischer Grubenrisse in das laufende Projekt ein.

Grubenriss Fürsten Stolln Sachsen 1800Unter einem Grubenriss versteht man die zeichnerische Darstellung der Ergebnisse markscheiderischer Vermessungsarbeiten untertage oder übertage. Untertage werden insbesondere Schächte, Stollen, Strecken und Abbauräume vermessen, übertage u. a. Halden, Grubenfeldgrenzen, Grundrisse von Gebäuden, Straßen oder Grundstücke. Der älteste Grubenriss des bearbeiteten Bestandes stammt aus der Anfangszeit des 17. Jahrhunderts. Die Anzahl der Risse nimmt im Laufe des 17. und im 18. Jahrhundert deutlich zu. Ältere Grubenrisse enthalten oft Details in Ansichtsskizzen, insbesondere von Gebäuden. Im Gegensatz zu einem großen Teil sonstiger Quellen wie Urkunden und Akten sind sie lokalisierbar. Im Laufe der Entwicklung des Risswesens bis zur Gegenwart nimmt die Genauigkeit und die Zuverlässigkeit der Grubenrisse generell zu. Die Darstellung architektonischer und technischer Details nimmt jedoch ab.

Otfried Wagenbreth gibt dafür folgendes Beispiel:
„Im Erzbergbau hinterläßt jeder Schacht eine um den Schachtansatzpunkt aufgehäufte Halde, die den Schacht heute noch in der Landschaft markiert. Grubenrisse bieten die Möglichkeit, die Namen der einzelnen Schächte zu ermitteln.“

Bis 2004 waren die bergmännischen Risswerke nur über handschriftliche Kataloge erschlossen. Inzwischen sind sie katalogisiert und mit entsprechenden Metadaten versehen werden. Die Digitalisierung der sächsischen Risse aus dem bergakademischen Bestand ist nicht ganz unproblematisch, obwohl es sich um Einzelblätter handelt. Zunächst sind die Blätter nicht normgerecht im heutigen Sinne, d. h. sie sind verhältnismäßig groß, passen nicht in DIN-Formate und haben z. T. ausklappbare Elemente auf dem Blattschnitt. Darüber hinaus bestand eine Herausforderung in der Benutzung der Risse: Im Gegensatz zu topografischen Karten oder Stadtplänen, wo Ausschnitte bestimmter Bereiche genügen, muss man einen Riss bei der Präsentation vollständig sehen. Das war durch die bereits erwähnte Größe nicht immer möglich. Auch das optische Einzoomen in Teilbereiche brachte bei Rissen nicht das erhoffte Ergebnis. Dennoch haben die Erfassung und Präsentation der insgesamt 230 Risse zum sächsischen Bergbau große Vorteile für die Benutzung. Über das Kartenforum der Deutschen Fotothek stehen sie großflächig zur Benutzung zur Verfügung. Als Folge der ständigen technischen Entwicklungen der Portale, können sie inzwischen auch korrekt und nutzungsspezifisch präsentiert werden.