Junge Forscher wagen mit Weltneuheit Firmengründung

Mit einem ausgeklügelten Verfahren drängen Wissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg in eine Nische. Internationale Unternehmen bekunden Interesse.

Ziel des komplizierten Verfahrens ist eine Reduzierung des Ausschusses bei der Glasproduktion. Das Forscherteam "Ancorro" der TU Bergakademie Freiberg will mit seiner neuen Veredelungstechnologie für feuerfeste Materialien den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Die Firmenausgründung aus der Universität ist für Ende März geplant. Laut dem jetzigen Projektleiter und künftigen Geschäftsführer, Rolf Weigand, ist die Technologie weltweit einzigartig.

Im Labor des Instituts für Keramik, Glas- und Baustofftechnik der TU Bergakademie Freiberg arbeiten Anne-Katrin Rössel und Projektleiter Rolf Weigand gerade an Öfen für die Temperaturbehandlung von Bauteilen für die Glasindustrie.  Foto: Eckardt Mildner Im Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik tüfteln der heute 29-Jährige promovierte Wissenschaftler und sein dreiköpfiges interdisziplinäres Team seit 2008 an Möglichkeiten, um feuerfeste Materialien besser auf den Kontakt mit der Glasschmelze vorzubereiten. Ideengeber und Mentor ist der Uni-Professor Heiko Hessenkemper.

Ausgangspunkt: Die Wanne mit dem etwa 1500 Grad heißen Flüssigglas ist in der Industrie häufig mit Keramik ausgekleidet, die sich teilweise vollsaugt wie ein Schwamm. Dadurch kommt es in den Glasteilen zu Blasen, Schlieren und anderen Fehlern. Genau dort setzen die jungen Freiberger Forscher an: Sie können einen Abperleffekt für fast jedes in der Glasindustrie verwendete Material "zaubern". Dadurch schrumpft die Korrosion der Keramik laut Weigand um bis zu 90 Prozent. Trotzdem blieben die Kosten noch weit unter denen für hochwertige schmelzgegossene Keramik, die ebenfalls in der Glasindustrie eingesetzt wird. Obendrein könne der Kalkanteil im Glas erhöht werden. "Das ist billiger, senkt Energiekosten und die Eigenschaften des Glases werden verbessert", sagt Rolf Weigand.

Auf Fachtagungen und Messen rund um den Globus präsentierte das "Ancorro"-Team bereits seine Entwicklung. Laut Projektleiter Weigand haben bisher zehn Unternehmen Interesse bekundet - neben zwei sächsischen auch aus den USA, aus Mexiko und Neuseeland. In zwei Wochen startet eine Versuchsreihe für einen regionalen Betrieb.

Der angehende Firmenchef zeigt sich optimistisch. "Wir sind gut aufgestellt", sagt er. "Deshalb will ich das unternehmerische Risiko auf mich nehmen - natürlich immer auch in der Hoffnung, dass wir das Schiff mal irgendwann in den sicheren Hafen bringen werden." www.ancorro.de

(Autorin: Heike Hubricht - Freie Presse)

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