Neues Jahr, neue Messfahrten

Das Projekt RoBiMo (Robotergestütztes Binnengewässer-Monitoring) der TU Bergakademie Freiberg ging in die nächste Runde. Vom 05.04. bis 12.04.2022 waren die Nachwuchsforscher wieder auf Sachsens Gewässern unterwegs und erforschten den allgemeinen Gewässerzustand. Die gewonnenen Daten dienen dazu das Verhalten der Gewässer über das Jahr zu dokumentieren, klimatisch bedingte Veränderungen aufzuzeigen und neue Erkenntnisse zu Oberflächenwasser-Grundwasser-Wechselwirkungen zu erlangen.

Zum Zeitpunkt der Messfahrten befanden sich die Gewässer noch in der Phase der Vollzirkulation. Zu den Untersuchungsgewässern zählen die Talsperren Lichtenberg, Malter und Saidenbach, sowie die Tagebaufolgeseen Störmthaler See und Speicherbecken Lohsa I.

Für die Messungen wurde eine kommerzielle Multiparametersonde eingesetzt, die Vergleichsdaten allgemeiner Wassergüteparameter, wie pH, Temperatur und Sauerstoffgehalt, für den am Institut für Elektronik- und Sensormaterialien entwickelten eigenen Sensorknoten sammelt. Dieser Sensorknoten kann für die weitere Verbesserung auf den Gewässern getestet werden. Zudem ist eine optimierte Plattform, die mittels Kammersystem den Austausch von Treibhausgasen zwischen dem Gewässer und der Atmosphäre misst, ein wichtiger Bestandteil des Projektes. Aus den Messungen während der Sommerstagnation und der Vollzirkulation 2021 konnte festgestellt werden, dass eutrophe Gewässer (hohes Nährstoffangebot) im Sommer aufgrund einer erhöhten Stoffumwandlung mehr CO2 abgeben als meso- bis oligotrophe Gewässer (geringes Nährstoffangebot). Im Herbst verhält es sich durch die Umwälzung von im Sommer mit Gas angereicherter Tiefenwässer umgekehrt. Neben CO2 werden Methan CH4 und Stickstoffmonoxid (Lachgas) N2O erfasst, wobei CO2 bei den bisherigen Messungen dominierend an die Atmosphäre abgegeben wurde. Die Daten, die auf sächsischen Gewässern gewonnen werden, werden zudem als Vergleich zu Messungen des Tochter-Projektes RoBiMo-Trop im Amazonas-Becken herangezogen.

Neben der umfangreichen Erfassung der Treibhausgas-Emission, werden Wasser- und Gasproben aus unterschiedlichen Wassertiefen entnommen und später im Labor untersucht. Dadurch können weitere Daten unter anderem zu Wasserinhaltsstoffen analysiert werden. Bisher sind die RoBiMo Ergebnisse ähnlich denen der Gewässerbetreiber und belegen so eine gute Arbeitsweise und Gerätegenauigkeit. Die Messungen des Treibhausgasaustausches ergänzen dabei die Untersuchungen der Gewässerbetreiber.

Großer Dank für die Unterstützung geht an die Landestalsperrenverwaltung Sachsen, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft und die Gemeinde Großpösna.

Das Projekt „RoBiMo“ wird aus dem Europäischen Sozialfonds sowie durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes für drei Jahre (Januar 2020 bis Dezember 2022) gefördert. Für 2022 werden weitere Messfahrten und auch Sedimentprobennahmen durch das Scientific Diving Center (SDC) der TU BAF geplant.

Ansprechpartner:

yvonne [dot] josephatesm [dot] tu-freiberg [dot] de (Prof. Dr. Yvonne Joseph), Tel.: +49 3731 39 2146

Joerg [dot] Matschullatatioez [dot] tu-freiberg [dot] de (Prof. Dr. Jörg Matschullat), Tel.: 03731/39-3399

Sebastian [dot] Poseatttd [dot] tu-freiberg [dot] de (Sebastian Pose), Tel.: +49 3731 39 3252

Messfahrt auf der Talsperre Malter. Foto: Sean Adam.
Durchführung von Schnelltests auf der Talsperre Malter. Foto: Eric Röder
Gasprobennahme auf dem Speicherbecken Lohsa I. Foto: Lisa Jarosch
Blick auf die Talsperre Lichtenberg. Foto: Eric Röder
Test eines 360° Sonars auf der Talsperre Lichtenberg. Foto: Eric Röder