Mit RoBiMo-Trop im Amazonasbecken (22.09.-06.10.2021)

Anfang Oktober sind fünf Projektmitglieder mit zahlreichen Gas-, Wasser- und Sedimentproben von der ersten Messkampagne des Tochterprojektes RoBiMo-Trop aus dem Amazonasbecken zurückgekehrt. Das Projekt RoBiMo-Trop läuft seit Mitte des Jahres 2020 und hat zum Ziel, in mehreren Messkampagnen das Treibhausgasaustauschverhalten von verschiedenartigen tropischen Seen über einen Zeitraum von drei Jahren zu untersuchen.

Vor Ort konnte erstmals eine Weiterentwicklung des aktuellen Kammersystems (SEMACH-FGaqua) zur Messung der Treibhausgasflüsse von Wasserflächen erfolgreich eingesetzt werden. Dabei hat das modifizierte Kammersystem auch unter tropischen Bedingungen einwandfrei funktioniert und wird bei der nun anstehenden zweiten RoBiMo-Messkampagne ebenfalls zum Einsatz kommen. Wesentliche Neuerungen konnten bei der Automatisierung des Messbetriebes und der Datenvisualisierung in Echtzeit erzielt werden.

Mit tatkräftiger Unterstützung des ortsansässigen Forschungsinstitutes Embrapa Amazônia Ocidental und großer Hilfsbereitschaft lokaler Gewässerbetreiber und Anwohner konnten innerhalb von zwei Wochen dreizehn Seen und Teiche untersucht werden, deren Charakteristiken repräsentativ für die im Amazonasbecken typischen Stillgewässer sind.

Die vielfältige Fluss- und Seenlandschaft des Amazonasbeckens wird neben Klargewässern durch zwei Wassertypen dominiert: Huminstoff-reiches, dunkel gefärbtes Wasser (Schwarzwasser) und durch mineralische Schwebstoffe getrübtes, heller gefärbtes Wasser (Weißwasser). Zwei große Flüsse der jeweiligen Wassertypen, der Rio Negro (Schwarzwasser) und der Solimões (Weißwasser) vereinigen sich nahe der Stadt Manaus zum Amazonas.

Die ersten Messungen fanden auf dem Balbina-Stausee (Klarwassersee) nördlich von Manaus statt. An zwei Tagen wurden CO2-Flüsse gemessen sowie Gasproben (Bestimmung von CO2, CH4 und N2O), Wasserproben (Bestimmung des Gehaltes an gelöstem organischem Kohlenstoff - DOC) und Sedimentproben (Quantifizierung der Kohlenstoff- und Stickstoffvorräte) gewonnen. Die Messungen konnten erstmals von einer gleichzeitigen Erfassung weiterer Wasserparameter begleitet werden, realisiert durch den Einsatz einer Multiparametersonde.

Dieses Messprogramm wurde an den darauffolgenden Tagen ebenfalls an insgesamt acht Aquakultur-Teichen wiederholt, bevor jeweils zwei Schwarz- und Weißwasserseen auf die gleiche Weise beprobt wurden. An den Weißwasserseen konnte zudem eine Weiterentwicklung der vorhandenen Echolottechnologie getestet werden. Im März wird erneut ein Team bestehend aus Professoren, Nachwuchswissenschaftlern und Studenten nach Brasilien aufbrechen, um die gleichen Lokalitäten während der Regenzeit zu besuchen.

„ferdinand“-Plattform mit neuem SEMACHaqua-System auf dem Balbina Stausee
Dokumentation der Beprobung von Aquakulturen mithilfe einer Drohne
Beprobung eines Schwarzwassersees südlich von Manaus
Prof.Jörg Matschullat (links) und Prof. Sebastian Zug (rechts) bei der Beprobung