01.07.2022 RoBiMo on Tour

Vom 20.06. bis 28.06.2022 waren die Nachwuchswissenschaftler*innen des Projektes RoBiMo (Robotergestütztes Binnengewässer-Monitoring) der TU Bergakademie Freiberg wieder auf Sachsens Gewässern unterwegs. Im Fokus stand die Untersuchung des Gewässerzustandes während der Anfangszeit der Sommerstagnation, wenn sich das Gewässer temperaturbedingt schichtet. Durch über das Jahr verteilte Messkampagnen kann so untersucht werden wie sich das Gewässer im Jahreszyklus unter verschiedenen Witterungsbedingungen und in verschiedenen limnologischen Zuständen verhält. Langjährige Daten werden zudem von den Gewässerbetreibern zur Verfügung gestellt und erlauben Aussagen zu sich verändernden Bedingungen aufgrund des Klimawandels oder durch externe Zuflüsse wie das Grundwasser.

Wie bereits in den vorangegangenen Messfahrten werden verschiedene Gewässer in ganz Sachsen befahren: die Talsperren Malter, Saidenbach und Lichtenberg, der Störmthaler See und das Speicherbecken Lohsa I. Die Gewässer weisen ein unterschiedliches Nährstoffangebot auf und unterscheiden sich in ihrer Entstehungsgeschichte aber genau deswegen können Vergleiche gezogen und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Begleitet wurden die Nachwuchsforscher*innen von Studierenden und der DAAD RISE-Stipendiatin Tianna Chemello aus Arizona, USA.

Für die Messungen wurde eine kommerzielle Multiparametersonde eingesetzt, die Vergleichsdaten allgemeiner Wassergüteparameter, wie pH, Temperatur und Sauerstoffgehalt, für den am Institut für Elektronik- und Sensormaterialien entwickelten eigenen Sensorknoten sammelt. Dieser Sensorknoten kann für die weitere Verbesserung auf den Gewässern getestet werden. Zudem ist eine optimierte Plattform, die mittels Kammersystem den Austausch von Treibhausgasen zwischen dem Gewässer und der Atmosphäre misst, ein wichtiger Bestandteil des Projektes.

Die bisherigen Messungen haben gezeigt, dass die eutrophen Untersuchungsgewässer (hohes Nährstoffangebot) während der Sommerstagnation im Mittel eine höhere CO2-Abgabe aufweisen als im Herbst und im Frühjahr (Zirkulationsphasen). Die meso- und oligotrophen Untersuchungsgewässer (geringes Nährstoffangebot) zeigen hingegen im Herbst eine höhere mittlere CO2-Abgabe, die durch die Abgabe von während der Stagnation im Tiefenwasser angereichertem Gas erklärt werden könnte, das im Zuge der Durchmischung des Seekörpers an die Oberfläche transportiert und an die Atmosphäre abgegeben werden kann. Die Daten, die auf sächsischen Gewässern gewonnen werden, werden zudem als Vergleich zu Messungen des Tochter-Projektes RoBiMo-Trop im Amazonas-Becken herangezogen.

Neben der umfangreichen Erfassung der Treibhausgas-Emission, werden Wasser- und Gasproben aus unterschiedlichen Tiefen entnommen und später im Labor untersucht. Dadurch können weitere Daten zu Wasserinhaltsstoffen gewonnen werden. Bisher stimmen die Ergebnisse aus dem Projekt mit denen der Gewässerbetreiber überein. Die Messungen des Treibhausgasaustausches ergänzen dabei die Untersuchungen der Gewässerbetreiber.

In der jetzigen Messkampagne sollen zudem Sedimentproben entnommen werden. Diese werden auf das Speichervermögen von Kohlenstoff und Stickstoff untersucht, um die Ergebnisse zum Gasaustausch besser zu verstehen. Außerdem sind Lösungsversuche und Säureaufschlüsse geplant, um die Elementgehalte im Sediment zu untersuchen, die während der Sommerstagnation aufgrund von sauerstofffreien Verhältnissen am Gewässergrund in das Wasser freigesetzt werden könnten.

Großer Dank für die Unterstützung geht an die Landestalsperrenverwaltung Sachsen, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft und die Gemeinde Großpösna.

Das Projekt „RoBiMo“ wird aus dem Europäischen Sozialfonds sowie durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes für drei Jahre (Januar 2020 bis Dezember 2022) gefördert. Für 2022 werden weitere Messfahrten und auch Sedimentprobennahmen durch das Scientific Diving Center (SDC) der TU BAF geplant.

Ansprechpartner:

yvonne [dot] josephatesm [dot] tu-freiberg [dot] de (Prof. Dr. Yvonne Joseph), Tel.: +49 3731 39 2146

Joerg [dot] Matschullatatioez [dot] tu-freiberg [dot] de (Prof. Dr. Jörg Matschullat), Tel.: 03731/39-3399

Sebastian [dot] Poseatttd [dot] tu-freiberg [dot] de (Sebastian Pose), Tel.: +49 3731 39 3252

Das Boot ist voll gepackt mit Equipment, bereit für den anstehenden Messtag.
Messplattform Ferdinand auf dem Störmthaler See. Foto: Lisa Jarosch
Gasprobennahme auf der Talsperre Lichtenberg
Photometrische Eisenanalytik der Gewässerproben im Labor.
Probenpräparation durch Tianna Chemello auf der Talsperre Saidenbach
Sedimentprobennahme auf der Talsperre Malter.
Blick über das Speicherbecken Lohsa 1 am Messtag
Blick auf die Talsperre Saidenbach mit Gasmesssystem.
Wasserprobennahme auf der Talsperre Lichtenberg