Wohn- und Studienhaus für russische Wissenschaftler und Studenten in Freiberg eröffnet

v.l.n.r.: Dr. Frank-Michael Engel ...
Heute eröffnet die TU Bergakademie Freiberg mit dem Lomonossow-Haus das erste internationale Studienhaus und geht damit einen besonderen Weg der Internationalisierung. In dem Haus, in dem einst der russische Universalgelehrte forschte, ist zugleich die erste Gedenkstätte für Lomonossow in Deutschland errichtet worden. In dem repräsentativen Salon werden künftig die Freiberger "Lomonossow-Gespräche“ mit internationalen Partnern zu Rohstofffragen geführt. Die St. Petersburger Bergbau-Universität und das Stifterehepaar Engel übernahmen die Kosten.
Das nach dem russischen Universal-Gelehrten Michail W. Lomonossow benannte Studienhaus für russische Gast-Wissenschaftler und Studenten wird heute nach weniger als einem Jahr Bauzeit in Freiberg eröffnet.

„Das Studienhaus ist eine ausgezeichnete Idee, die sehr gelungen umgesetzt wurde“, sagte Prof. Dr. Georg Unland, Sächsischer Staatsminister der Finanzen in seiner Festrede zur feierlichen Eröffnung. Zusammen mit dem Rektor der St. Petersburger Bergbauuniversität, Prof. Wladimir S. Litwinenko, dem Rektor der TU Bergakademie Freiberg, Prof. Dr. Bernd Meyer und dem Stifter-Ehepaar Marianne und Dr. Frank-Michael Engel schnitt Staatsminister Prof. Dr. Unland heute das Band zum barocken Salon des Lomonossow-Hauses durch. „Der Gebäudekomplex Lomonossow-Haus beherbergt ein Appartementhaus, ein russisch-deutsches Zentrum für wissenschaftliche Zusammenarbeit und die erste Gedenkstätte für Russlands berühmtesten Sohn der Wissenschaft in Deutschland. Hier wurde erstmals das Konzept eines internationalen Studienhauses verwirklicht“, so Rektor Prof. Dr. Bernd Meyer.

Auf dem Gelände des Studienhauses in der Fischerstraße stand einstmals das chemisch-metallurgische Laboratorium des angesehenen Bergrats Johann Friedrich Henckel, der 1739/1740 dort den jungen Lomonossow unterrichtete. Etwa 25 Jahre danach wurde die Bergakademie Freiberg gegründet und nur acht Jahre später nach deren Vorbild das St. Petersburger Bergbauinstitut. Die heutige Nationale Universität für mineralische Ressourcen „Gorny“ St. Petersburg ermöglichte nun mit erheblichen finanziellen Mitteln Rekonstruktion und Umbau des Wohnhauses zu einem Appartementhaus. Das zweite Gebäude wurde durch das Stifter-Ehepaar Marianne und Dr. h.c. Frank-Michael Engel erworben, rekonstruiert und mit dem Appartementhaus verbunden. Im Erdgeschoss wurde eine Gedenkstätte errichtet. „Sie bringt in aller Bescheidenheit den Glanz des zaristischen Russlands des 18. Jahrhunderts in Erinnerung“, so Dr. Engel. Es habe „lange Zeit bis zum heutigen Tage bedurft“, um schließlich „einem Jahrhundert-Genie wie Lomonossow die ihm gebührende Anerkennung zuteil werden zu lassen.“ Der im barocken Stil gehaltene Salon solle laut Rektor Prof. Meyer künftig auch der Ort der regelmäßigen Freiberger „Lomonossow-Gespräche“ sein, die die Bergakademie mit internationalen Partnern zu Rohstofffragen führt.

Staatsminister Prof. Dr. Georg Unland, ehemaliger Rektor der TU Bergakademie Freiberg, bedankte sich für das hohe bürgerschaftliche Engagement des Stifterehepaares und bei den beiden Partneruniversitäten: „Das neue Studienhaus setzt Maßstäbe für die internationale Bildungskooperation zwischen Deutschland und Russland. Besonders positiv ist, dass mit dieser neuen Einrichtung die russische Kultur jetzt in Freiberg wieder einen festen Platz hat“. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben mit Mitteln des Städtebauförderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“.

„Das Lomonossow-Haus ist ein Zentrum für die internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Ausbildung in den Bereichen Energie und natürliche Ressourcen. Die heutige Eröffnung ist ein Symbol für die Ausweitung der Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland im Rohstoffbereich. Außerdem können die russischen Studierenden, Nachwuchswissenschaftler und Professoren hier in angenehmer Umgebung ihrer Ausbildung und dem fachlichen Austausch, für den sie an die TU Bergakademie Freiberg gekommen sind, nachgehen. Nicht zuletzt sind förderliche Rahmenbedingungen unabdingbar, um für hochqualifizierte Experten attraktiv zu sein", sagte Prof. Wladimir S. Litwinenko, Rektor der St. Petersburger Bergbauuniversität.

„Das Studienhaus-Konzept“, so Rektor Prof. Dr. Meyer, ist „ein wichtiger Teil der Internationalisierung der TU Bergakademie Freiberg. Es ist unser Vorbild für die Kooperation mit weiteren Partnerländern wie etwa Vietnam, Mosambik, Chile, Kasachstan, Polen, Ukraine oder Indien“. Zu der Internationalisierung gehöre auch die Gründung des weltweiten Forums der Ressourcenuniversitäten für Nachhaltigkeit, das die Schwesteruniversitäten Freiberg und St. Petersburg 2012 gemeinsam ins Leben riefen. 90 Ressourcenuniversitäten weltweit seien dem Forum inzwischen beigetreten. Freiberg liege schon jetzt mit 13,4 % ausländischer Studenten aus über 70 Nationen in der Spitze unter den sächsischen Universitäten. Der Rektor dankte den Geldgebern und der Stadt Freiberg, ohne die das Vorhaben nicht möglich gewesen wäre.

Prof. Dr. Horst Teltschik, unter Bundeskanzler Kohl Vize-Kanzleramtschef und danach lange Chef der Münchner Sicherheitskonferenz und 2006 Mitgründer des Deutsch-Russischen Rohstoffforums, zeigte sich beeindruckt: „Deutsche und russische Wissenschaftler, Unternehmer, Experten und Studenten arbeiten zusammen. Sie setzen ein Signal für eine erfolgreiche und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen. Sie reden nicht übereinander, sie kritisieren sich nicht, sie handeln und das erfolgreich. Sie leisten damit einen großartigen Beitrag für die Entwicklung ihrer eigenen Länder und guter Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Der Freistaat Sachsen kann auf diesen Leuchtturm deutsch-russischer Freundschaft stolz sein."

Zahlreiche Prominente Gäste aus Russland nahmen an der heutigen Eröffnung teil, darunter der Gouverneur der Region Archangelsk, Igor A. Orlow, Vize-Gouverneur von St. Petersburg, Wasilij N. Kichedzhi, der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir M. Grinin und der Duma-Abgeordnete Prof. Valeri A. Jasew.

Übertragung der Eröffnung im Live-Stream (09.30–14.00 Uhr):http://tu-freiberg.de/mz/video/live-uebertragung
Fragen beantwortet / Contact: 
Madlen Domaschke