Weltkongress der Industriekultur tagt an TU Bergakademie Freiberg

Industriekultur zwischen Ökonomie und Ökologie - diesem Thema widmet sich der 14. Weltkongress des Internationalen Komitees zur Bewahrung des Industriellen Erbes, TICCIH, vom 31. August bis 5. September 2009 an der TU Bergakademie Freiberg. Erstmals findet die Veranstaltung in den neuen Bundesländern und, nach Bochum 1975, zum zweiten Mal in Deutschland statt.
Im Mittelpunkt des alle drei Jahre stattfindenden TICCIH (= The International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage) Kongresses (London 2000, Moskau 2003, Rom 2006, Freiberg 2009) stehen in diesem Jahr ökonomische und ökologische Fragen und Probleme bei der Erhaltung und Nach¬nutzung historisch wertvoller, denkmalgeschützter Industrieanlagen und Industrielandschaften. Rund 350 Experten aus 38 Nationen und von allen Kontinenten der Erde werden in 28 Sektionen und Workshops sowie 190 Vorträgen nicht nur das Rahmenthema "Industriekultur, Ökologie und Ökonomie" behandeln. Auch Fragen zu "Industriekultur und Tourismus", "Industriekultur und Kunst", "Industriekultur im Rahmen des UNESCO-Welterbes" werden diskutiert. Bei Exkursionen, unter anderem in die Lausitzer Braunkohlereviere und nach Chemnitz sowie nach Berlin, Polen und Tschechien, informieren sich die Teilnehmer über ökologische und ökonomische Nachnutzungen ehemaliger Industrielandschaften und Industriestädte.

Die Themen der Tagung sind unter anderem auch in Hinblick auf die "Kulturlandschaft Montanregion Erzgebirge" interessant, die seit 1998 auf der Warteliste für eine Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO steht. Rund 50 Gebäude und Objekte sollen unter besonderen Schutz gestellt werden, die die gesamte 800-jährige Entwicklung des Montanwesens im Erzgebirge widerspiegeln. "Bei dem Projekt spielt die Vereinbarkeit von Denkmalpflege mit den Anforderungen einer sich wirtschaftlich stetig entwickelnden Region eine zentrale Rolle", erläutert Prof. Helmuth Albrecht, Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikgeschichte (IWTG) der TU Bergakademie Freiberg und Organisator des TICCIH-Kongresses. "Vielleicht kann die Tagung für dieses Projekt in Sachsen eine ähnliche Initialzündung sein, wie 1975 für die Entwicklung der Industriekultur im Ruhrgebiet", hofft er.

Ergänzt wird die Tagung durch die Präsentation der Wanderausstellung "Neuer Nutzen in alten Industriebauten" der Arbeitsgruppe Industriedenkmalpflege in der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland. Aus Anlass des Weltkongresses informiert das Bergbaumuseum Pribram (Tschechien) in der Universitätsbibliothek auf dem Campus in einer Tafelausstellung über dieses bedeutende historische Bergbaugebiet. Die Präsentation, die mit Unterstützung des Bergarchivs Freiberg entstand, wird am 31. August um 18 Uhr eröffnet und ist bis zum 2. Oktober im Agricola-Saal zu besichtigen.

TICCIH wurde 1973 in Ironbridge/England gegründet und vereint heute weltweit Experten für die Erforschung, Erhaltung und Nachnutzung der materiellen Zeugnisse und Denkmale der Industriekultur. Der Weltkongress in Freiberg wird vom IWTG in Zusammenarbeit mit dem TICCIH-Nationalkomitee Deutschland, dem Zweckverband Sächsisches Industriemuseum und der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land organisiert. Die Schirmherrschaft über den Kongress hat die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, inne.

Foto: Team der Organisatoren und Helfer des TICCIH-Weltkongresses an der TU Bergakademie Freiberg.
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Prof. Dr. Helmuth Albrecht