Vortrag von Physiker Prof. Heuer begeisterte über 400 Gäste des Krüger-Kolloquiums

Prof. Rolf-Dieter Heuer, der ...
Am 27. April hielt Prof. Rolf-Dieter Heuer in Freiberg im Rahmen des 3. Krüger-Kolloquiums an der TU Bergakademie Freiberg einen Vortrag über den weltgrößten Teilchenbeschleuniger, den "Large Hadron Collider" (LHC). Als Generaldirektor der Europäischen Vereinigung für kernphysikalische Forschung (CERN) informierte der Teilchenphysiker außerdem über die Arbeit der internationalen Forschungseinrichtung.
Rektor Prof. Bernd Meyer, die Stifterin Erika Krüger sowie der Prorektor für Bildung, Prof. Dirk Meyer, begrüßten den Referenten und stellten dessen Arbeit dem Publikum vor. Über 400 Gäste waren gekommen, um Prof. Heuer zu erleben. "Wir haben vier Missionen am CERN: Forschung, Innovation, Ausbildung sowie Training und Völkerverständigung", führte Prof. Heuer eingangs aus. "Die Vereinigung wurde 1954 von 12 Nationen gegründet, heute sind es über 20 Mitgliedsländer, die unseren Etat von zirka einer Milliarde Schweizer Franken tragen."

Um auf das Thema einzustimmen, informierte der Wissenschaftler das Auditorium über einige Grundlagen der modernen Elementarteilchenphysik. Diese Disziplin beschäftigt sich mit der Suche nach den kleinsten Bausteinen der Natur und den Kräften, mit denen sie wechselwirken. Dabei geht es auch um die Frage, warum die uns vertraute Materie nur etwa fünf Prozent der gesamten Masse des Universums ausmacht und woraus der Rest besteht. Zu diesem Zweck werden in den Laboren am CERN Zustände bei höchsten Energien und Teilchendichten, wie sie im frühesten Universum stattgefunden haben, nachgestellt.

Das wichtigste Projekt der CERN, den Large Hadron Collider (LHC), stellte der Redner ausführlich in Wort und Bild vor. Die ringförmige unterirdische Anlage in der Nähe von Genf besitzt einen Durchmesser von 27 Kilometern. Dabei handelt es sich um das bisher größte wissenschaftliche Instrument und zugleich um einen der leersten und kältesten Orte im Sonnensystem, da die beschleunigten Teilchen im Vakuum zirkulieren und die Temperaturen zur Gewährleistung von Supraleitfähigkeit nahe des absoluten Nullpunktes bei -271,3 Grad Celsius liegen müssen.

Mit dem Start des Large Hadron Collider, davon sind die Wissenschaftler am CERN überzeugt, beginnt eine neue Ära der Teilchenphysik. "Der LHC wird ein tieferes Verständnis von den Vorgängen im Universum liefern und hat das Potenzial, unser Weltbild zu revolutionieren", ist Prof. Heuer überzeugt. "Die Wissenschaft erwartet in nicht allzu ferner Zeit tiefgreifende Erkenntnisse über den Aufbau und Ursprung der Materie, die Natur der Dunklen Materie und vielleicht über die Existenz zusätzlicher Raumdimensionen", blickt Prof. Heuer schon einmal voraus. Die Anlage dient der Erforschung von der Zusammensetzung der Materie. Die Teilchen werden darin fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Bei der Kollision entstehen Temperaturen, die 1000 Millionen mal höher als im Inneren der Sonne sind.


Der experimentelle Teilchenphysiker Prof. Rolf-Dieter Heuer ist seit 2009 Generaldirektor des CERN. Er studierte an der Universität Stuttgart Physik und erwarb dort sein Diplom. 1977 promovierte er an der Universität Heidelberg. Danach arbeitete er zuerst in der JADE-Kollaboration am Elektronen-Positronen-Speicherring PETRA des Deutschen Elektronen Synchrotrons (DESY), später beim OPAL-Experiment am CERN. Von 2004 bis einschließlich 2008 war er Forschungsdirektor für Hochenergiephysik des DESY.

Ansprechpartner: 
Stephanie Hasse