Von Stanford nach Freiberg: Forschungspraktika stärken internationalen Austausch

weibliche Praktikantin zeigt die Versuchsanlage
Neun Studierende aus den USA, Kanada und Großbritannien beginnen in den Sommermonaten Forschungspraktika an der TU Bergakademie Freiberg. Sie unterstützen Doktorandinnen und Doktoranden bei experimentellen Arbeiten und bringen neue Ideen in die Forschung ein.

„Es ist eine tolle Erfahrung, in Deutschland zu forschen und neue Perspektiven auf das Ingenieurwesen aber auch die Kultur meines neuen Zuhauses für den Sommer zu gewinnen“, erzählt Juliana Lu-Yang die Chemical Engineering an der kalifornischen Universität Stanford studiert und derzeit im Rahmen des RISE-Programms des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) ein Forschungspraktikum in Freiberg absolviert. „Meine Kolleginnen und Kollegen am Institut für Nichteisenmetallurgie und Reinststoffe waren bisher unglaublich geduldig und hilfsbereit und ich freue mich darauf, in den kommenden neun Wochen von ihnen zu lernen und mit ihnen zu arbeiten.“

Die Forschungspraktikantin arbeitet eng mit den Promovierenden Daniel Vogt und Aaron Weigelt sowie Alexander Winguth zusammen. „Gemeinsam wollen wir experimentell untersuchen, wie nachhaltigere Elektrolytsysteme für die Kupfer-Gewinnungselektrolyse so weiterentwickelt werden können, dass sie zu einer weniger korrosiven Umgebung für die Elektroden und einem geringeren Energiebedarf führen“, erzählt Daniel Vogt. Institutsleiter Prof. Alexandros Charitos ergänzt: „Juliana Lu-Yang bringt nicht nur fachliches Vorwissen aus ihrer Tätigkeit in der Bao Group am Department of Chemical Engineering der Universität Stanford mit sondern auch neue Blickwinkel und Ideen. Beide beteiligten Forschungsgruppen profitieren von dem Austausch und bekommen die Chance, neue Beziehungen aufzubauen.“

Online-Praktikum trotz Herausforderungen meistern

Im Video-Meeting während des ForschungspraktikumsAm Institut für Glas und Glastechnologie führt Jessica Erickson aufgrund der Pandemie-Reisebeschränkungen ein Online-Forschungspraktikum im RISE-Programm durch. Sie studiert Materials Science and Engineering an der Washington State University in Pullman im US-Bundesstaat Washington. Damit das Format für beide Seiten gewinnbringend umgesetzt werden konnte, mussten einige Herausforderungen überwunden werden, erzählt Jun.-Prof. Sindy Fuhrmann: „Wir haben die Aufgabenstellung angepasst, so dass unsere Praktikantin auch von den USA aus zu unserer Forschung beitragen kann.“ Die Hauptaufgaben von Jessica Erickson beschreibt Doktorandin Lena Bussmann: „Anstelle von praktischer Unterstützung bei den Experimenten, führt unsere Praktikantin nun Datenanalysen durch und evaluiert die Versuchsergebnisse. So plottet, korrigiert und normiert Jessica Erickson gerade Raman- und ATR-Infrarotspektren, die ich bei unseren Kooperationspartnern in der Mineralogie (Prof. G. Heide) und Physik (Prof. J. Kortus) gemessen habe. Die Ergebnisse werden dann entsprechend analysiert und korreliert, um mehr über die Struktur und atomare Anordnung in komprimierten Gläsern zu erfahren.“

„Im Labor für Materialwissenschaften von Dr. John McCloy (NOME Materials Laboratory) meiner Heimatuniversität habe ich bereits Vorerfahrungen mit der Datenanalyse zur Beantwortung von grundlegenden Fragen der Glastechnologie gesammelt. Das virtuelle Praktikum ist so nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich möglich. Gleichwohl ich es bedaure, nicht persönlich in Freiberg zu sein, bin ich sehr dankbar für die Chance, in einer virtuellen Umgebung gemeinsam mit dem Team wichtige Forschungsaufgaben zu bewältigen“, erzählt Jessica Erickson. „Nicht zuletzt ist Forschung ein globales Unterfangen, das durch internationale Kooperationen wie diese vorangebracht werden kann.“

Akademischer Austausch, Praxisbezug und Horizonterweiterung

„Die internationale Mobilität von Studierenden in Europa und Nordamerika ist im Wandel – der Trend geht zu kurzen Auslandsaufenthalten, auch in Kombination mit Online-Studienmöglichkeiten“, erläutert Ingrid Lange. Mit einem RISE-Forschungspraktikum lässt sich akademischer Austausch, Forschung und wissenschaftliche Praxis sowie das Kennenlernen einer anderen Kultur in kurzer Zeit gut verbinden. „Es ist toll, einige der Studierenden von der anderen Seite des Atlantiks trotz der Hindernisse der Pandemie in Freiberg begrüßen zu können. Mut machen auch die guten Erfahrungen mit den virtuellen Forschungspraktika im Rahmen des Programms“, freut sich die Direktorin des International Office. Vier Studierende haben ihr Praktikum online begonnen oder werden demnächst online beginnen, weitere fünf Studierende führen ihr Praktikum vor Ort an den Instituten der TU Bergakademie Freiberg durch. „Durch die Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten erhoffen wir uns auch die Stärkung beziehungsweise den Aufbau von Kontakten zu deren Heimatuniversitäten. Diese sind zum Beispiel die McGill University und die University of Toronto in Kanada oder die Universitäten Pennsylvania State und Stanford in den USA sowie die University of Edinburgh in Schottland.“

Ab 1. September können Promovierende und Forschende wieder Praktikumsangebote im Anbieterportal eintragen.

Promovierende aus folgenden Instituten betreuen die Praktikantinnen und Praktikanten:

  • Institut für Nichteisen-Metallurgie und Reinststoffe und
  • Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik (je 3 Teilnehmende)
  • Institut für Glas- und Glastechnologie
  • Institut für Technische Chemie
  • Institut für Anorganische Chemie

Über das Programm

RISE steht für Research Internships in Science and Engineering. Dabei vermittelt RISE Germany zwei- bis dreimonatigen Forschungspraktika für nordamerikanische, britische und irische Bachelorstudierende an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland. RISE Germany wird aus Mitteln des Auswärtigen Amts und durch Kooperationen finanziert. Der DAAD unterstützt die Teilnehmenden mit einem Stipendium.

Fragen beantwortet / Contact: 
Ingrid Lange, Ingrid.Lange@iuz.tu-freiberg.de