TU gedenkt Freiberger Chemie-Emeriti

Archivbild: Prof. Dr. Gerhard Roewer im Chemie-Labor.
Die TU Bergakademie Freiberg, der Verein Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg (VFF) e.V. und der Ortsverband Freiberg der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) trauern um Prof. Dr. Gerhard Roewer. Er starb am 28. April nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren.

Prof. Dr. Roewer wurde am 14.12.1939 in Neustrelitz geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium Neustrelitz studierte er an der TH Merseburg von 1958 bis 1963 und war hier in Folge, auch nach seiner Promotion 1968, als wissenschaftlicher Assistent und Oberassistent tätig. 1980 folgte die Habilitation zur Thematik „Fotoreduktion von Metallkomplexen“. Im gleichen Jahr begann er eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Filmfabrik Wolfen und arbeitete ab 1981 an der TH Leuna-Merseburg auch als Dozent.

Am 1. September 1988 wurde Prof. Dr. Roewer schließlich auf die Professur „Anorganische Chemie“ an die TU Bergakademie nach Freiberg berufen. Er übernahm hier zunächst die Leitung des Wissenschaftsbereiches „Anorganische Chemie“. Durch die Freiberger Silicium-Industrie initiiert begann er zudem ein für ihn vollkommen neues Forschungsgebiet aufzubauen – die „Siliciumchemie“. Zahlreiche Forschungsprojekte, Publikationen, Dissertationen und studentische Abschlussarbeiten waren der Grundlagenforschung gewidmet und beschäftigten sich beispielsweise mit der Siliciumabscheidung und der Entwicklung neuer Silan-Stoffgruppen.

Ab dem Jahre 1990 hat er den Studiengang Chemie als Studiendekan, Prodekan und Dekan der Fakultät für Chemie und Physik mit auf den Weg gebracht und modernisiert. Auch an der Schaffung des neuartigen, erfolgreichen Studienganges „Angewandte Naturwissenschaft“ im Jahre 1996 hatte er maßgeblichen Anteil.

Die Lehre und die Beziehungen zu den Studierenden waren Prof. Dr. Roewer immer außerordentlich wichtig und seine spannenden und experimentellen Vorlesungen sehr beliebt. Viele seiner Absolventen sind heute in der Siliciumindustrie tätig und tragen ihr in Freiberg erlerntes Wissen in die Welt. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2005 stand er weiter Studierenden, Doktoranden, Vertretern von Industrieunternehmen und Kollegen von anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen beratend zur Seite. In den letzten Jahren befasste er sich auch erfolgreich mit Problemen der pharmakologischen Chemie und der Biogaserzeugung.

Prof. Dr. Roewers Verdienste für die Bergakademie erstrecken sich aber nicht nur auf sein Engagement in Lehre und Forschung. Über viele Jahre wirkte er in der demokratischen Universitätsverwaltung mit, war Vorsitzender des GDCh-Ortsverbandes Freiberg sowie seit 1999 engagiertes Mitglied im Verein der Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg e.V.. Im Jahr 2004 wurde er in den VFF-Vereinsvorstand gewählt und übernahm 2005 die Chefredaktion der vereinseigenen Zeitschrift „ACAMONTA“, die unter seiner Leitung eine hochgeschätzte und weit geachtete Anerkennung erreicht hat.

Für sein Engagement und seine Leistungen erhielt der verdiente Chemie-Professor die St. Barbara-Medaille 2009 des Fördervereins, die Universitätsmedaille 2011 und den Ehrenbergkittel der Universität im Jahr 2014.

Wir blicken in tiefer Trauer und mit großer Dankbarkeit auf das Wirken von Prof. Dr. Gerhard Roewer zurück und werden sein Andenken in ehrender Erinnerung behalten.

Das Rektorat der TU Bergakademie Freiberg, der Förderverein VFF und der Freiberger Ortsverband der GDCh