TU Freiberg ehrt "Entdecker" der Nachhaltigkeit mit einem Festakt und Relief

Enthüllten gemeinsam das ...
Mit einem Festakt zu „300 Jahre Sylvicultura Oeconomica – 300 Jahre Nachhaltigkeit“ und der Enthüllung eines Bronzereliefs von Hans Carl von Carlowitz hat die TU Bergakademie Freiberg heute (24.04.2013) den Entdecker der Nachhaltigkeit geehrt. In der Alten Mensa in Freiberg waren unter den etwa 150 Gästen etliche Nachhaltigkeitsexperten und von Carlowitz-Kenner zusammengekommen, darunter auch Nachfahre Wilhelm von Carlowitz. In ihren Festreden gingen der Sächsische Oberberghauptmann Prof. Bernhard Cramer und Buchautor Ulrich Grober nicht nur auf die Geschichte des Begriffs ein, sondern mahnten auch, das Prinzip der Nachhaltigkeit im ursprünglichen Sinn zu bewahren und es im Dreiklang wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Bedürfnisse umzusetzen.
In seinem Grußwort betonte Wilhelm von Carlowitz, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit seines Vorfahrens Carl von Carlowitz für die Forstwirtschaft, die seine Familie seit Jahrhunderten betreibt, ganz normal sei. Vielmehr zeigte er sich verwundert über den „Hype“ um den Begriff Nachhaltigkeit: „So wie wir Forstleute nicht das Holz aufbrauchen, will doch auch jeder von den Zinssätzen seines Geldes leben und nicht die Substanz angehen.“ Und so stellte von Carlowitz die generelle Richtung in der Politik infrage: „Schulden werden den Urenkeln überlassen, Atomabfälle ebenso. Ist das etwa nachhaltig?“ Er appellierte daher, die Lehren seines Vorfahrens heute mehr zu berücksichtigen.

Als erster Festredner ging Prof. Bernhard Cramer, als Sächsischer Oberberghauptmann ein Nachfolger Hans Carl von Carlowitz, auf das Erbe seines Amtsvorgängers aus dem 18. Jahrhundert für den heutigen modernen Bergbau ein. So unterschieden sich die Aufgaben für das Oberbergamt von denen aus der Zeit Carlowitz erheblich. Nicht mehr die Maximierung des Ertrags stehe im Vordergrund, sondern Bergbauunternehmungen an Nachhaltigkeitsaspekten zu messen und Gefahren des Altbergbaus dauerhaft abzuwehren. Bergbau sei Teil der Nachhaltigkeit und Herausforderung für die Nachhaltigkeit zugleich, fasste Cramer das Spannungsfeld zusammen. Das Ziel aus seiner Sicht: „Bergbau muss so gestaltet sein, dass er als primärer Wirtschaftszweig Garant für nachhaltige Entwicklung ist. Das heißt, er muss wirtschaftlich erfolgreich sein, sicher geführt werden und sich um Rekultivierung und Wiedernutzbarmachung sorgen.“

Der Ursprung des Nachhaltigkeitsgedankens von Hans Carl von Carlowitz stand dann im Mittelpunkt der Festrede von Ulrich Grober. Der Journalist und Buchautor, der als Wiederentdecker der Leistung von Carlowitz gilt, sezierte gekonnt die Sprach- und Denkmuster der damaligen Zeit: „Aus der alten Sprache können wir viel schöpfen und Inspiration ziehen. Wie Carlowitz damals die Natur beschrieb hat nichts mit dem gemein, was wir heute kurz als Biomasse bezeichnen.“ Grober bezeichnete Sachsen als ein Land, in dem schon lange über den Umgang mit Ressourcen „tiefschürfend“ nachgedacht wurde: „Ausgehend vom Berggeschrey, über die Blüte und Abwicklung der Wismut bis hin zu den heutigen Projekten eines Weltforums der Ressourcenuniversitäten oder der Forschung zu sanftem Bergbau an der Bergakademie.“ Eindringlich mahnte Grober, Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Überleben der Menschheit Ernst zu nehmen und sich nicht immer weiter von dem Konzept zu entfernen: „Wir müssen die Optionen für die kommenden Generationen offen halten, dass sie ihre Leben gestalten können, und ihnen die Regeneration von Rohstoffen ermöglichen.“

Im Anschluss an den Festakt wurde am ehemaligen Wohnhaus von Hans Carl von Carlowitz auf dem Freiberger Obermarkt ein Bronzerelief enthüllt. Es zeigt den „Entdecker“ der Nachhaltigkeit gemäß der einzigen bildlichen Überlieferung mit dem berühmten Zitat aus der Sylvicultura Oeconomica, in der das Wort „nachhaltend“ auftaucht: „daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“

Weitere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit folgen im Juni. So ein Forum für Nachhaltigkeit, Energie und Ressourcen am 12.06.2013 (http://tu-freiberg.de/researchforum/programm/forum-f-r-nachhaltigkeit) und die Carl-von-Carlowitz-Vorlesung des Rats für Nachhaltige Entwicklung am 19.06.2013 (http://tu-freiberg.de/ressourcenprofil/veranstaltungen.html).
Ansprechpartner: 
Bastian Fermer