Studierende arbeiten an offenen Lerninhalten mit

Prof. Sebastian Zug bei seiner Vorlesung.
Ein Vorlesungsformat der interaktiven Art hat das Institut für Informatik entwickelt. Gemeinsam mit den Dozenten erarbeiten die Studierenden dabei die Vorlesungsmaterialien mit offenen Tools über eine Website mit - ganz ohne PDF-Dokumente oder PowerPoint-Foliensammlungen.

Mit einem Klick können sich Studierende die Inhalte in verschiedenen Sprachen anzeigen lassen, entwickeln einen ausführbaren Programmcode oder starten Simulationen. Trotz der vielfältigen Inhalte haben sie aber auch die Möglichkeit, Anpassungen und Ergänzungen vorzuschlagen. „Wir entwickeln die offenen Lerninhalte über die Semester gemeinsam mit den Studierenden immer weiter. Am Ende gibt es von den Vorlesungsmaterialien pro Semester eine überarbeitete Version, die teilweise von 15 Mitautoren entwickelt wurde“, erklärt Prof. Sebastian Zug. Er ist sich sicher: „Wenn nicht mehr ausschließlich die Lehrenden über die Wissensvermittlung bestimmen, trägt das zur Transparenz bei. Und: Studierende setzen sich so kritischer mit dem Lernstoff auseinander. Das klappt auch in Nicht-Informatikstudiengängen.“

Verbesserungen und Ergänzungen in die Vorlesung einbringen

Grundlage dafür ist eine einfach zu lesende Beschreibungssprache – LiaScript – die Konzepte von Markdown aufgreift. Letztere wird auch in Textnachrichten wie WhatsApp genutzt, wenn Inhalte fett, kursiv oder unterstrichen dargestellt werden sollen. “In Kombination mit Plug-Ins, die die interaktiven Inhalte einbetten, können Lehrende attraktive Materialien allein mit dem Texteditor erstellen. Abgelegt in einer Cloud oder einem anderen Online-Speicherort greift die LiaScript-Webseite dann direkt aus dem Browser heraus auf die Textdateien zu und erstellt daraus live einen interaktiven Online-Kurs”, erklärt Dr. André Dietrich, der LiaScript entwickelt hat. Dabei entsteht ein „Code“ der Lehrveranstaltung. Dieser wird geteilt und verbreitet und kann dann mit offenen Tools von jedem Lehrenden inhaltlich an seine didaktischen Ziele angepasst werden. “In den Informatikvorlesungen an der TU Bergakademie Freiberg gehen wir einen Schritt weiter und binden die Studierenden in diesen Prozess ein. Ich bin überzeugt davon, dass die Qualität der verwendeten Materialien, die von einer Community aus Lehrenden und Lernenden diskutiert und begutachtet wurden, zugunsten der Studierenden steigt“, so Dr. Dietrich weiter.

Aktuell arbeitet das Team an Schnittstellen für die bessere Einbettung von LiaScript in verschiedene Lernmanagement-Plattformen. „Während Lehrende hier in Freiberg die Online-Vorlesung in der Plattform OPAL durchführen, wird an anderen Unis beispielsweise Moodle oder ILIAS verwendet“, erklärt Prof. Zug. „Seit 2017 arbeiten wir deshalb mit LiaScript als offener Software, um eine übergreifende Verwendung zu ermöglichen.“ Damit sich Lehrende ohne Programmierkenntnisse schnell einarbeiten können, wurde zudem eine Studie zur Nutzerfreundlichkeit durchgeführt. Ausgehend davon entstand ein angepasster Online-Editor, den man für erste kooperative Praxisversuche unter LiaScript nutzen kann. „Dieser wird mittlerweile nicht nur von  interdisziplinären Einrichtungen und Instituten an unserer Universität genutzt, sondern es auch von deutschen Hochschulen und einer wachsenden internationalen Community“, freut sich Prof. Zug. 

Hintergrund: Open Educational Resources im E-Learning-Portfolio

Die Bezeichnung Open Educational Resources (OER) wurde vor 20 Jahren von der UNESCO geprägt und meint Materialien, die allen Menschen frei zugänglich gemacht werden, sowohl zum Lernen als auch zur Veränderung, ohne dass dabei Lizenz- oder Nutzungskosten entstehen. Das können neben einfachen Texten als PDF oder Word-Dokument auch Lehrvideos oder -audios, aufbereitetes Unterrichtsmaterial, Fotos oder Grafiken sein.